Die bildschöne, falsche Wegwarte

In der Tat gehören Wegwarte und Radicchio zur gleichen Pflanzengattung, ebenso wie auch Endivien, Zuckerhut und Chicorée. Der botanische Name lautet für alle Cichorium intybus. Dennoch unterscheiden sich die wild wachsende Wegwarte und Radicchio in vielen Eigenschaften voneinander. Doch die Blüten sind zum Verwechseln ähnlich. Radicchio, in unserem Garten die Sorte ‘Roter von Verona’, auch ‘Roter Veroneser’ oder ‘Rossa di Verona’ genannt, gehört wie die oben erwähnten zu den Zichoriensalaten.

Der ‘Rote von Verona’ ist nicht nur eine Delikatesse, er ist auch eine Schönheit. Die aus der eigenen Aussaat hervorgegangenen Setzlinge pflanze ich im August im Abstand von 20 cm aufs Beet. Dann bilden sie zunächst Rosetten mit länglichen Blättern. Man kann sie im Spätherbst bis auf fünf Zentimeter Länge zurückschneiden, damit sie Köpfe bilden. Aber das machen sie meistens auch ohne Rückschnitt. Diese rotbraunen Köpfe sind eine Schönheit für sich. Sie sind absolut winterhart, überdauern auch unter einer dicken Schneedecke. Nach der Schneeschmelze haben sich die äußeren Blätter schwarz gefärbt, es sieht aus, als wären sie verfault. Doch wenn man diese äußeren Blätter entfernt, kommen die frischen, kompakten rotbraunen Köpfe zum Vorschein.

Wir „vergessen“ zuweilen einen dieser Köpfe zu ernten. Der beginnt dann im Frühling zu schossen und entfaltet eine Blütenpracht, die Wegwarten in der freien Landschaft übertrifft. Wir möchten dieses alljährliche Blüherlebnis nicht missen ...


Text und Fotos: Wolfram Franke