Filigrane Blütenschleier: Sanguisorba officinalis 'Tanna'
Diskret hält sich unsere Staude des Monats Juli im Hintergrund. Sie wirkt elegant, ist aber viel zu duftig und transparent, um ihr Umfeld zu dominieren. Dennoch hat sie das »gewisse Etwas«. Dürfen wir vorstellen? Der Große Wiesenknopf 'Tanna'!
Eins gleich zu Beginn: Die Sorte 'Tanna' gehört trotz dem »Groß« im Namen mit einem halben Meter Höhe zu den Winzlingen der Gattung. Kompakte Blattkissen sind ihr Markenzeichen, die gesägten Blätter lassen an das Laub der Eberesche denken. Aus den Horsten ragen standfeste Blütenstängel mit dichten »Köpfchen« hervor. Diese leuchten in intensivem Burgunderrot. Ihre Besonderheit: Sie besitzen keine Blütenblätter, sondern gefärbte Kelch- und Staubblätter.
Mit »ausgezeichnet« wurde die Sorte 'Tanna' bei der Sichtung des Sortiments gewürdigt. Sie gilt als sehr gesund, wuchskräftig und außerordentlich reichblütig. Die Blattschmuckwirkung ist hervorragend. Nach Rückschnitt treibt sie zuverlässig wieder aus – Selbstaussaat lässt sich so eindämmen.
Sanguisorba officinalis 'Tanna' bietet eine ganze Bandbreite an Verwendungsmöglichkeiten, immer bringt sie beschwingte Leichtigkeit in ihr Umfeld. Mit ihrem ursprünglichen Wiesenflair ist sie prädestiniert für naturhafte Pflanzungen, etwa in Gesellschaft mit Mädesüß, feuchtigkeitsliebenden Gräsern oder Knöterichen. Apart lässt sich ihre wilde Anmutung auch mit Prachtstauden wie Taglilien, Ritterspornen oder Phlox kombinieren.
In der Natur kommt die Urform, Sanguisorba officinalis, 2021 Blume des Jahres, auf Nass-, Berg- und Pfeifengraswiesen vor, etwa mit Bistorta officinalis und Deschampsia cespitosa. Dieser Lebensraum ist stark gefährdet, weil er sich landwirtschaftlich nur extensiv nutzen lässt, aber ökologisch äußerst wertvoll. Seltene Arten sind hier heimisch. Der Wiesenknopf-Ameisenbläuling etwa ist speziell auf den Großen Wiesenknopf angewiesen: Dessen Falter legt seine Eier auf den geschlossenen Knospen ab. Die Raupe frisst sich dann einen Gang durch die Blütenspindel. Diesen umwebt sie mit Seide, damit der Blütenkopf nicht auseinanderfällt. Später lässt sie sich dann von einer Ameisenart »adoptieren«. Wie’s dann weitergeht, erfahren Sie hier! Wir hoffen, dass auch die in der Natur selektierte Sorte 'Tanna' diesem selten gewordenen Schmetterling eine Heimat bietet!