Eine Gartenbank von Edwin Lutyens

Ein Beitrag von

Wer Englands Gärten liebt und sich an der Szenerie englischer Landkrimis erfreut, wird irgendwann einmal auf jene hölzerne Gartenbank aufmerksam, die in kaum einem Garten im englischen Landhausstil oder Fernsehkrimi á la Inspector Barnaby fehlt. Einladend steht sie oft an schattigen Plätzen, umrankt von Rosen oder vor alten Mauern, wie etwa im berühmten Garten von Sissinghurst Castle in der Grafschaft Kent. Mit hoher, geschwungener Lehne ist sie ein bisschen romantisch, ein wenig barock. Genau das richtige für fast jeden noch so kleinen Gartentraum.

Im Garten von Sissinghurst Castle, den einst Vita Sackville-West und ihr Mann Harold Nicolson geplant und bepflanzt haben, findet sich diese dekorative Gartenbank gleich in zwei verschiedenen Größen.
Entworfen wurde sie von dem berühmten Architekten Edwin Lutyens (1869 – 1944). Vielen Gartenliebhabern wird er an der Seite von Gertrude Jekyll (1843 – 1932), der »Königin der Rabatten«, bekannt sein. In erfolgreicher Zusammenarbeit entwarf und gestaltete das ungleiche Paar etwa 100 Landhäuser mit Garten im England des frühen 20. Jahrhunderts. Für den Architekten und die Gärtnerin bildeten Haus und Garten eine Einheit, errichtet in traditioneller Handwerkstechnik und mit heimischen Baustoffen, wobei Stein, Wasser und Pflanzen sich auf harmonische Weise verbanden, aufeinander bezogen, ineinander übergehend.

»A Lutyens house with a Jekyll garden« – das war für die wohlhabende britische Elite bald ein »Must-have« für den gepflegten Aufenthalt auf dem Lande. Beide hatten sich auf einer Teegesellschaft in den späten 1880er Jahren kennen gelernt. Da war die eigenwillige Gartenlady Mitte 40 und bereits eine etablierte Künstlerin, während der blutjunge, knapp zwanzigjährige Architekt gerade am Beginn seiner Karriere stand. Übrigens wurde Munstead Wood, das Haus im Garten Gertrude Jekylls, ihre erste gemeinsame Arbeit.

Wenn die Lutyens-Bank heute im Garten von Sissinghurst zum Verweilen einlädt, hatte sie Lutyens ursprünglich wohl für einen anderen Garten erdacht. Nämlich für den Garten von Lady Sackville, der Mutter von Vita Sackville-West, für die er drei Anlagen geplant hatte und mit der ihn eine Liaison verband.

Auch wenn viele der Gartenkunstwerke des frühen 20 Jahrhunderts heute überbaut, verloren und verändert sind, mag die beliebte Gartenbank das Interesse an der Geschichte der Gartenkunst am Beginn der Moderne wecken – und zum Ausruhen und Genießen des Augenblicks im Garten anregen.

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Abonnieren Sie doch unseren Gartenmagazin-Newsletter! Alle vier Wochen informieren wir Sie dort über neue Beiträge im Gartenmagazin.


Text und Fotos: Editha Weber