Constance Spry

Text: Editha Weber
Fotos: Unsere Gartenmagazin-Autorin Sina Schneider hat die Fotos eigener Kreationen für diesen Artikel beigesteuert – sie ähneln dem Stil von Constance Spry verblüffend und hätten ihr sicher gefallen!

In diesem Sommer feiern viele Menschen in Großbritannien, aber auch weltweit, das siebzigste Thronjubiläum der Queen. Immer wieder sind Aufnahmen von jenem Krönungstag am 2. Juni 1953 zu sehen. Florale Dekorationen gehörten damals wie auch heute zur prachtvollen Verschönerung eines solchen denkwürdigen Tages. Wer könnte sich einen Tag wie diesen ohne Blumen vorstellen? Selbstverständlich waren einst Westminster Abbey und die Londoner Straßen mit unzähligen Blumen geschmückt. Und Menschen winkten mit Blumen in Händen ihrer Königin beim Vorbeifahren zu.

Wo wurden all diese Blumen gezüchtet und gepflegt? Wer hat sie bestellt, sortiert und arrangiert? Einen bedeutenden Anteil an der floristischen Umrahmung dieses Tages hatte Constance Spry (1886-1960), eine Frau, die zu jener Zeit in Großbritannien überaus bekannt war und von vielen blumenliebenden Menschen geschätzt wurde. Ihre floristischen Kreationen an diesem bedeutenden Tag avancierten zum Glanzstück ihrer beeindruckenden Karriere.

Ihre Zeitgenossen verbanden mit dem Namen Constance Spry Glamour und Prominenz. Sie war erfolgreich und vielseitig, führte Dekorationsgeschäfte in London und New York, gründete eine Floristik- und eine Hauswirtschaftsschule und veröffentlichte dreizehn Bücher.

Ihre floralen Arbeiten waren anerkannt und begehrt. Im Januar 1933 kreierte Constance Spry den Blumenschmuck für Nancy Beatons Hochzeit, jener Schwester des berühmten Fotografen Cecil Beaton. Dieser inszenierte seine Schwester wie eine Schneekönigin, wobei Constance Spry die Brautjungfern mit einer Girlande aus Frühblühern verknüpfte, was effektvoll das Gefolge einer Schneekönigin verkörperte. Auch als Edward, der abgedankte König, 1937 Wallis Simpson in Frankreich heiratete, gestaltete niemand anderes als Constance Spry die florale Dekoration des Ereignisses. Wobei die Braut ein Kleid von Elsa Schiaparelli trug und von Cecil Beaton fotografiert wurde. Die amerikanische und die französische Vogue berichteten von der Hochzeit, wohingegen die englische Ausgabe der Zeitschrift diese vollends ignorierte. Hamish Bowles, der europäische Chefredakteur, kommentierte die Fotos mit den Worten: »Die Floristin des Augenblicks, die Frau des Augenblicks in einem Kleid der Designerin des Augenblicks, des Fotografen des Augenblicks [...] was will man mehr.«

Die Royals waren weniger erfreut. Sodann erhielt Constance Spry erst 1947 erneut einen Auftrag vom Buckingham Palace und arrangierte den Blumenschmuck anlässlich der Hochzeit von Prinzessin Elizabeth mit Philip Mountbatten. Sie gestaltete das Bouquet der Prinzessin mit auf der Insel gezogenen Orchideen, das in verkleinerter Version später etwa bei Jacqueline Kennedy als Brautschmuck wiederzuentdecken war.

In der Tat waren die floralen Dekorationen von Constance Spry außergewöhnlich und sollten die Kunst, mit Blüten, Zweigen und Blättern zu gestalten, nachhaltig beeinflussen. Beverley Nichols, selbst Gärtner und ein Freund der Blumenkünstlerin, würdigte sie als so einflussreich, dass er die Zeit in eine Prä-Spry- und Post-Spry-Ära unterteilte. Er war der Ansicht, sie hatte »Gold in ihrem Herzen«, aber zugleich Schlamm und Kratzer an den Händen und »eine graue und unruhige Welt« habe ihr viel zu verdanken. Was an Sprys Herangehensweise überraschte, waren Originalität und unkonventionelle Kreationen. In ihren Arrangements kombinierte sie klassische Blüten mit wenig geschätzten Pflanzen, kultivierte mit wilden Blumen, denn sie war überzeugt davon, deren Lebendigkeit erschaffe Stimmungen und reflektiere Erinnerungen.

Auch David Austin war von ihr begeistert. Jener britische Züchter erschuf mit seinen Englischen Rosen einen neuen Rosentypus, wobei er den Zauber alter mit der Krankheitsresistenz moderner Sorten kombinierte. Er ehrte Constance Spry mit seiner ersten Schöpfung von 1961. Die Rose 'Constance Spry' blüht frischrosa mit großen kugeligen Blüten, hat einen erlesenen Duft und kann sich elegant kletternd an Gittern hinaufranken. Die im Jahr zuvor verstorbene Spry hatte seine Leidenschaft für Alte Rosen geteilt. In der Tat bekannte Constance Spry 1933 in der Zeitschrift Vogue: »Ich war zuerst und hoffe auch weiterhin Gärtnerin zu sein« und erläuterte, es sei »eine unerwartete Kombination von Umständen« gewesen, »die mich dazu brachte, beruflich etwas zu tun, was ich früher nur zur Entspannung gemacht habe«. In ihrem eigenen Garten pflanzte sie ganz unterschiedliche Blumen, liebte jedoch besonders Alte Rosen, die sie zusammentrug, wo auch immer sie ihr begegneten, bis sie eine der bemerkenswertesten Sammlungen alter Sorten besaß.

Constance Spry und einigen engagierten Gleichgesinnten ist es zu verdanken, dass viele der ehrwürdigen alten Gartenrosen noch heute existieren. Als der Pflanzenkundler Graham Stuart Thomas das erste Mal ihre Gartenrosen sah, war er von Ausmaß wie Vielfalt überwältigt und überzeugt, es gäbe »nichts Vergleichbares in der heutigen Gartenbaukunst«.

Der Lebensweg von Constance Spry, die sich zu einer Zeit aus einer unglücklichen Ehe befreit hatte, als Scheidungen ein Makel waren, verlief jedoch alles andere als geradlinig – bis hin zu ihrem tragischen Unfalltod. In den letzten Jahren werden Constance Spry und ihre floralen, zu ihrer Zeit bahnbrechenden Designideen von einer neuen Generation von Designern und Floristinnen wiederentdeckt, und sie gilt als »doyenne of flowers«. Ihre Prinzipien, saisonal, natürlich und frei von einschränkenden Traditionen und Regeln zu dekorieren, werden begeistert aufgegriffen. Was das Interesse an der ihr gewidmeten Sonderausstellung im Londoner Garden Museum 2021 bestätigt hat.

Durch Klugheit, Durchhaltevermögen, Energie und eine Reihe glücklicher Zufälle gelang Constance Spry etwas Außergewöhnliches. Aus dem Mädchen aus einfachen Verhältnissen wurde eine kreative Unternehmerin und Lehrerin, die mit Menschen aller Schichten ebenso selbstverständlich Umgang pflegte wie mit Royals und Celebrities und die selbst als prominente Persönlichkeit des Nachkriegs-Englands galt. Obwohl sie für wohlhabende Auftraggeber arbeitete, war sie der Ansicht, Schönheit wie Gesundheit sollten keine Privilegien der Reichen sein. Schönheit war vielmehr für alle da, mehr noch, sie ermutigte zur Schönheit, die jeden erfreuen könne. »Tun Sie, was Ihnen gefällt. Folgen Sie Ihrem eigenen Stern«, ermutigte sie. »Seien Sie originell, wenn Sie es sein wollen, und nicht, wenn Sie es nicht sein wollen. Seien Sie natürlich und fröhlich und unbeschwert und hübsch und einfach und überbordend und allgemein und barock und kahl und streng und stilisiert und wild und gewagt und konservativ. Und lernen und lernen und lernen Sie. Öffnen Sie Ihren Geist für jede Form der Schönheit.«

 

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Text: Editha Weber
Fotos: Unsere Gartenmagazin-Autorin Sina Schneider hat die Fotos eigener Kreationen für diesen Artikel beigesteuert – sie ähneln dem Stil von Constance Spry verblüffend und hätten ihr sicher gefallen!