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Prächtig und wunderschön!

Heute wird ein wenig geschwärmt, und zwar vom türkischen Mohn!
In unserem Garten hat er von jeher seinen Platz, aber mir will scheinen, als sähe man ihn in Zeiten immer kleiner werdender Gärten seltener – und in der Tat, ganz leicht ist es nicht, für die wunderschönen Sorten von Papaver orientale den richtigen Platz zu finden. Die Schattenseite ihrer spektakulären Erscheinung ist nämlich der nur durch planerisches Geschick zu kaschierende Rhythmus ihres Wachsens, sommerlichen Rückzugs und frühherbstlichen Neuaustriebs. Aber da gibt es einige elegante Möglichkeiten, die allen Pflanzwilligen helfen. Davon später.

Beheimatet ist der längst weltweit vertretene orientalische Mohn im Iran, der Ost-Türkei und dem Kaukasus, in Aserbeidschan und Georgien. Anfang des 18. Jahrhunderts fanden die ersten Pflanzen ihren Weg nach Europa. Am Naturstandort bewohnt er gern felsige Kalksteinhänge. Mit seinen kräftigen, auch in steilem Gelände Halt gebenden Pfahlwurzeln ist er dafür ideal gerüstet. Sonne, Kalk und durchlässiger Boden sind folglich auch in unseren Gärten so recht nach seinem Geschmack. Das Nährstoffangebot sollte nicht zu üppig sein, auch wenn Stattlichkeit und rasches Wachstum vielleicht vermuten lassen, dass kräftige Düngergaben angebracht sind. Viel wichtiger ist es, ihm „nasse Füße“ zu ersparen. Bei einer Pflanzung in schwerer, kalkarmer Erde sollten ein paar Schaufeln Kalkschotter mit feinen und groben Anteilen tiefgründig untergemischt werden, so kann er auch an solchen Standorten in aller Regel gut wachsen und gedeihen.

Große, leuchtend zinnoberrote Blüten mit dem stolzen blauen Rittersporn als Pendant, so erinnere ich den Gartenmohn meiner Kindheit – und regelmäßig gab es Ärger, denn wir Gören konnten es einfach nicht lassen, die verheißungsvollen dicken Knospen vor der Zeit aufzupulen und zu beobachten, wie das zerknitterte Innere herausschoss, sich reckte und streckte, und sich dann wie im Zeitraffer die leuchtenden Blütenblätter entfalteten. Heute ist das plakative Zinnoberrot ein wenig aus der Mode gekommen, längst haben Züchter auf den Zeitgeschmack reagiert, neue, fein nuancierte Farbklänge sind hinzugekommen. Das Spektrum reicht von weißen, zart oder kräftig rosafarbenen über zurückhaltende Mauve- und Pflaumentöne bis hin zu tiefstem, mit silberlaubigen oder blau blühenden Stauden wunderbar zu kombinierendem Dunkelrot. Auch zierlicher wachsende Sorten finden sich inzwischen darunter, kleine Gärten müssen also nicht auf die herrlichen Blüten der orientalischen Mohne verzichten. In einem großen Garten wie dem unseren darf man großzügig mit dem Platz umgehen, sehr gefällt uns hier „Patty’s Plum“, eine hohe, geheimnisvoll pflaumen-farbene Sorte, die sich bei uns zunächst langsam entwickelte, nun aber von Jahr zu Jahr prächtiger wird. Ihre Blüten sind von einem aparten Kranz aus Kelchblättern umgeben, er verleiht der eleganten „Patty“ eine ganz eigene Ausstrahlung – aber am malerischsten finden wir die schöne „Marlene“, sie wird nicht ganz so hoch, blüht aber überreich und beschenkt uns mit einem edlen, tiefen Rot, das im Verblühen allmählich aufhellt.

Eines haben die spektakulären Mohne allerdings gemein: Ihr gerade noch frischgrüner, stattlicher Horst welkt nach der Blüte rasch – er zieht ein, wie das in der Gärtnersprache heißt. Es wird Sommerschlaf gehalten, da ist nichts zu machen. Nach dem Abschneiden des unansehnlich gewordenen Laubs kündigt erst im Frühherbst frisch austreibendes Grün den neuen Wachstumszyklus an. Was also tun, wenn keine hässlichen Leerstellen im Beet zurückbleiben sollen? Ganz einfach: Wir machen uns den frühen Zeitpunkt des Einziehens zunutze und umpflanzen die Sommerschläfer mit Begleitern, die jetzt erst richtig loslegen, also entstehende Lücken freundlich überwallen werden. Eine hervorragende Wahl sind hier dauerblühende hohe Katzenminzen (Nepeta) oder die üppige Schleierkraut-Hybride (Gypsophila) „Rosenschleier“. Aber auch diverse Storchschnabelsorten (Geranium) übernehmen diese Arbeit gern. Denn einen Garten ohne Mohn – wer will den schon!

Für heute macht die Gärtnerin Feierabend – Bis zum nächsten Mal…


Text und Fotos: Angelika Traub