Alles über den Spargel

Text: Christian Seiffert
Fotos: Staudengärtnerei Gaißmayer

In meiner Kindheit wurde ich wiederholt Zeuge, wenn mein Vater und mein Großvater darum stritten, wer wohl den wohlschmeckendsten Spargel anbaut. Mein Vater, Brandenburger, war ein Verfechter des Bleichspargels, mein Großvater, Italienkenner, hatte den Wohlgeschmack des Grünspargels kennengelernt. Er baute Grünspargel an.

Da es weit und breit nur Bleichspargel zu kaufen gibt, entschloss ich mich, im Jamlitzer Garten ein Beet mit Grünspargel anzulegen. Der Unterschied besteht allein darin, dass der Bleichspargel angehäufelt wird, der Grünspargel dagegen das Sonnenlicht genießen darf – was zur Folge hat, dass der Sonnenspargel aromatischer, kräftiger schmeckt. Aber das ist, wie schon geäußert, eine Streit- und Geschmackssache.

Auf spezielle Sorten kommt es meiner Meinung nach dabei nicht an. Gute Bleichspargelsorten eignen sich auch gut als Grünspargel. Einige Züchter meinten wohl, den blauen Farbstoff wegzüchten zu müssen, damit der Grünspargel milder schmeckt. Daraus ging ein Spargel hervor, der ausgesprochen fad schmeckt, genauso gut könnte man japanischen Koch-Rettich essen. Ja im Gegenteil: Je blauer bzw. violetter eine Spargelsorte ist, desto besser schmeckt sie.

Spargel hat man entweder zu viel – oder zu wenig. Im Jamlitzer Garten haben wir beides gleichzeitig! Verbringen wir von April bis Juni eine längere Zeit dort, dann müssen wir 5 Tage lang die Ernte ansammeln, um für uns und Gäste eine ausreichende Mahlzeit zusammenzutragen.

Glänzen wir in der Spargelzeit aber durch Abwesenheit, müssen wir die Nachbarin bitten, den Spargel zu ernten und zu essen. Da sie Gefallen daran findet, trägt dies vielleicht zur Propagierung des Grünspargelanbaus  in Brandenburg bei.

Könnte man Grünspargel in der Niederlausitz kaufen, wäre dies auf jeden Fall rentabler als der Eigenbau. Allerdings müsste man auf einige Freude und Erfahrungen verzichten:

Erst einmal die Erfahrungen: Der Spargel ist bekanntlich eine Staude. Die professionellen Spargelbauern ernten 12 Jahre lang. Der Spargel lebt also, zusammen mit der Schonzeit der ersten 3 Jahre, in der noch nicht geerntet wird, insgesamt 15 Jahre. Und da taucht beim Grünspargel ein Problem auf, das es beim Bleichspargel kaum gibt: Ausdauernde Unkräuter nisten sich ein. Da die Spargelwurzeln ziemlich flach liegen, muss man beim Jäten sehr vorsichtig vorgehen. Nun kommt im Brandenburger Sand ein Gras vor, das die Lausitzer »Pede« nennen, in anderen deutschen Landen heißt es Quecke. Wie dieses Gras auch immer heißt, botanisch: Elymus repens, früher Agropyron repens, es ist, wo man nicht intensiv dagegen vorgehen kann, außerordentlich unangenehm. Seine langen unterirdischen Ausläufer durchziehen das ganze Beet und auch die Wurzelsterne des Spargels. Das bedeutet jährliche, sehr intensive Handarbeit, bei der möglichst viele der langen Ausläufer herauszuziehen sind. Das zweite Problem sind die Spargelhähnchen. Beim Bleichspargel werden sie erst gefährlich, wenn die Ernte abgeschlossen ist und die Spargel ins Kraut schießen dürfen. Beim Grünspargel treiben die Hähnchen ihr Unwesen schon an jenen Spargeln, die man ernten möchte. Auch hier ist gründliche Handarbeit von Nöten.

Trotzdem: Es macht natürlich auch Freude, Spargel anzubauen. Welche Gemüsekultur sonst wächst immer wieder nach und kann von April bis zum 21. Juni geerntet werden? Deutlich spiegelt die Erntemenge den Witterungsverlauf. Ist es zu kalt, wächst der Spargel nicht. Ist es zu trocken, mag er auch nicht recht. Fängt er sehr früh im April an zu schießen, dann sollte man im Juni die Ernte eher beenden. Denn ohne ausreichendes Wachstum kann er kaum Kräfte für das kommende Jahr sammeln. Als Dünger bekommt er verrotteten Pferdemist oder Kompost. Und hin und wieder wird das Spargelbeet gewässert. Schön ist das übermannshohe Spargelkraut. Und obwohl die Spargelwurzeln rein männlich gewesen sein sollen, (die Männchen sind angeblich ertragreicher), haben einige Pflanzen im Herbst rote Beeren.

 

 

 

Ein Nachwort:

Diesen Beitrag schrieb ich vor ein paar Jahren. Inzwischen haben die Quecken das Spargelbeet total erobert. Durch meine häufigere Abwesenheit als Anwesenheit ist das Abenteuer Spargelbau als beendet zu betrachten. Das aber soll niemanden davon abhalten, sich damit zu befassen. Bevor der Spargel treibt, ist Pflanzzeit. Aber es muss bedacht werden: Spargel ist eine pflegeintensive Kultur. Zum Düngen mit Kompost oder verrottetem Mist kommt Mulchen gegen Austrocknen des Bodens und ungewünschte Beikräuter, vor allem Vorsicht vor Quecken und anderem ausdauernden Teufelszeug!

 

Anmerkung der Redaktion: Christian Seiffert hat recht, natürlich kann man jeden Spargel für die Grünspargel-Kultur verwenden, aber es gibt inzwischen auch gute, ertragreiche und bewährte Zuchtsorten mit hervorragendem, herzhaftem Geschmack, wie 'Mary Washington', die die Gärtnerei Gaißmayer als Topfware anbietet.

Christian Seiffert
aus Jamlitz und Eresing Seit 2001 experimentiert Christian Seiffert parallel in zwei geographisch weit auseinanderliegenden Gärten: in Oberbayern und in der Niederlausitz, im Land Brandenburg.
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Text: Christian Seiffert
Fotos: Staudengärtnerei Gaißmayer