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Langzeithelden

Was glauben Sie, wie alt können die langlebigsten Stauden werden? Altmeister Karl Foerster bringt uns auf die Spur, er sagte einmal, Phloxe könnten älter werden als ein Landpfarrer, wenn man sie nur hin und wieder umziehen lässt. Und natürlich wissen wir auch, dass in so manchem Garten noch von der Großmutter stammende Päonien seit vielen Jahrzehnten am selben Platz ihre Schönheit entfalten. Da können einige Gehölze nicht mithalten, kurzlebige Arten haben oft nur eine Lebenserwartung von gerade mal 50 Jahren! Aber es gibt noch viele weitere staudige „Langzeithelden“, die uns ein Gartenleben lang begleiten. Zwar lassen sie sich mit ihrer Entwicklung ein wenig Zeit, belohnen aber unsere Geduld überreich.

Ein immer gesunder, Struktur schaffender Prachtkerl ist der durchschnittlich 150 cm hoch werdende nordamerikanische Kandelaber-Ehrenpeis (Veronicastrum virginicum). Wie die meisten “Langzeithelden” legt er zunächst ein gemütliches Tempo vor, wird aber am richtigen Standort seinem Namen bald alle Ehre machen und kann Jahrzehnte am selben Platz bleiben. Sonnige bis halbschattige, nährstoffreiche und nicht zu trockene Böden sind so recht nach seinem Geschmack. Aber Vorsicht, zu viel Schatten mindert Standfestigkeit und Blühfreude! Mittlerweile stehen etliche attraktive Sorten unterschiedlicher Höhe zur Verfügung, so dass auch kleinere Gärten nicht auf ihn verzichten müssen.
Sehr gut harmonieren seine “Kandelaber” mit den großen Blütenbällen der ebenfalls langlebigen Wasserdoste (Eupatorium fistulosum). Zwei ausgezeichnete Sorten sind 'Augustrubin' (mit etwa 150 cm eher niedrig) und sein Pendant 'Riesenschirm', dessen namengebende riesige Dolden deutlich höher hinaus wollen.

Dritte im Bunde an diesem Standort könnte die purpurviolette Vernonie (Vernonia crinita) sein – auch sie ist eine hohe Gestalt, deren herrliche Farbe sich aufgrund der späten Blütezeit für die Kombination mit gelbblühenden Herbststauden empfiehlt. Unbedingt sollte man dieses Langzeit-Trio um eine der hervorragenden höheren Sorten der unverzichtbaren, ebenfalls langlebigen Chinaschilfe (Miscanthus) ergänzen.
Auch die gut einen Meter hohe, mit der Zeit üppig werdende Indigolupine (Baptisia) liebt es sonnig, kann aber aufgrund ihrer langen Pfahlwurzeln auch längere Trockenperioden gut überstehen. Man sieht sie und ihre schönen Sorten noch viel zu selten. Dabei sind die auch Färberhülsen genannten Baptisien unkomplizierte Gartenbewohnerinnen und nicht nur zur Blütezeit eine Augenweide. Ihr Laub ist bis in den Herbst hinein attraktiv, den auffälligen Schmetterlingsblüten, je nach Sorte Weiß, Gelb oder Violett, folgen schmückende Samenstände.

Von exotischer Ausstrahlung ist eine weitere Nordamerikanerin, die ebenfalls gut bei uns gedeiht, jedoch deutlich extremere Bedingungen schätzt. Kalkhaltig, trocken und heiß mag es die winterharte Palmlilie (Yucca filamentosa), ein stattliches Agavengewächs. Mit ihrem prächtigen Blütenschaft, der eine Unmenge milchweißer Blütenglocken trägt, hat sie das Zeug zum eindrucksvollen Solitär – oder man verstärkt ihre Wirkung gar noch und verwendet mehrere Exemplare eingestreut in großzügigen Steppenpflanzungen.

Aber auch im Dunkeln ist für “Langzeithelden” gut Munkeln!
Ein Star der Schattenwelt ist das eng mit den Rodgersien verwandte Tafelblatt (Astilboides tabularis). Seine riesigen, schirmartigen Blätter sind ein mit den Jahren immer spektakulärer werdender Blickfang. Man räume ihm also beizeiten reichlich Platz ein! Zur Blütezeit im Juli schmückt sich das Tafelblatt mit einer lockeren, astilbenähnlichen weißen Traubenrispe. Der Boden sollte feuchtkühl, humos und nährstoffreich sein, auf Staunässe reagiert es jedoch empfindlich. Zuviel Sonneneinstrahlung sollte man dem Tafelblatt ebenfalls ersparen, um unschöne Verbrennungen der großen Blätter zu vermeiden.
Etwas weniger empfindlich reagieren da die mit den Jahren zu imposanten Schattenschönheiten heranwachsenden Rodgersien, aber auch ihnen sollte keine Mittagssonne zugemutet werden.

Zu den langlebigsten Stauden überhaupt zählt die unüberschaubare Zahl der Arten und Sorten der begeisternden Gattung Hosta. Funkien gehören zu unseren absoluten Lieblingen, sie sollten in keiner Schattenpflanzung fehlen! Das Spektrum reicht vom daumennagelkleinen Winzling bis zu riesigen Exemplaren, die gut und gerne zwei Quadratmeter füllen. Die Zahl der Formen, Panaschierungen und Grüntöne lässt keine Wünsche offen, übrigens eignen sich auch einige Sorten für sonnige Standorte. Funkien begleiten uns ein Gartenleben lang, majestätische 40 und 50 Jahre alte Exemplare sind keine Seltenheit.
Aber auch die verschiedenen Silberkerzen (Cimicifuga) erfreuen durch ausgesprochene Langlebigkeit. Einmal etabliert, sind sie treue Freunde, die mit ihren weißen bis zartrosa Blütenkerzen Licht und Eleganz in schattige Areale bringen.

Nicht vergessen dürfen wir das liebenswerte “Fussvolk”, denn es hat viel zu bieten. Zauberhafte Vorfrühlingsboten sind Leberblümchen (Hepatica), Alpenveilchen (Cyclamen coum), Lenzrosen (Helleborus orientalis) und viele weitere kalkliebende “Frühaufsteher”, auch sie überdauern Jahrzehnte und bilden üppige Bestände. Unverwüstlich und auch für schwierige Standorte geeignet ist der ausbreitungsfreudige Turiner Meister (Asperula taurina). Er bildet dichte, attraktive Matten und wird doppelt so groß wie der heimische Waldmeister.

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