Summen und Brummen: Wildbienen und Hummeln
Manchmal ist es erst Februar, wenn die ersten Wildbienen auftauchen. Den Anfang machen oft die Königinnen der kleinen Wiesenhummeln. Ein paar warme Tage reichen, dass die Sonne sie aus der Kältestarre weckt und auf die Suche schickt, einen guten Platz zu suchen um ihr neues Volk zu gründen. Nach und nach verlassen auch Gartenhummel, Ackerhummel oder die Waldhummel ihr warmes Versteck. Ihr dicker Pelz schützt sie vor Auskühlung und mit ihrem Gebrumm beheizen sie sich quasi von innen. Auch die verschiedenen Mauerbienen sind früh im Jahr am Start. Perfekt, wenn es reichlich passende Stellen gibt und sie schnell fündig werden: Laubhaufen, Totholz, Steinspalten, Mäuselöcher, Baumhöhlen, Vogelhäuschen, all das gefällt den Wildbienen. Viele Insektenhotels dagegen sind eher gut gemeint als gut gemacht.
Zum Beispiel werden in diesen Bauten oft haufenweise rote Lochziegel verwendet, sie sind preiswert und fast jeder hat im Schuppen ein paar übrig gebliebene Exemplare liegen. Allerdings: Wildbienen bewohnen sie gar nicht gerne. Die meisten Wildbienenarten finden Holz viel besser. Aber auch hier mit Bedacht arbeiten, denn Wildbienen besiedeln in der Natur Fraßgänge von Käfern – die ihre Gänge in der Regel seitlich durch den Stamm bohren, also quer zum Stirnholz. Stirnholz liegt in der Natur selten frei. Baumscheiben mit Bohrlöchern, teils bunt bemalt von kleinen Kindern und dann an den Gartenzaun gehängt, werden deshalb oft nicht als Wohnung erkannt. Auch auf das richtige Holz kommt es an. Hartholz sollte es sein: Obstbäume, Buche, Esche. Weichholz fasert zu stark und Nadelholz harzt. Abgelagert außerdem – frisches Holz trocknet und reißt dabei auf, bildet Splitter, an denen sich sie Tierchen die Flügel aufreißen können. In die Zwischenräume oder in andere Fächer von Insektenhotels werden oft noch Kiefernzapfen gesteckt, Reisigbündel oder Holzwolle, Muscheln, Schneckenhäuser. Das ist nur Deko. Zwar gibt es eine Bienenart, die Schneckenhausmauerbiene, die tatsächlich in Schneckenhäusern ihr Nest baut, allerdings so hochkomplex mit Steinchen, Holz, Gras und Erde hinein und drumherum – und nur wenn das Gehäuse mit der Mündung auf dem Boden liegt. Schneckenhäuser also einfach da lassen, wo sie liegen, oder ganz bewusst eben für unser Auge.
Weit mehr als die Hälfte der Wildbienenarten nisten übrigens gar nicht in Holz oder Stein. Sondern: in losem Sand, zwischen Pflasterfugen zum Beispiel, einige Sandbienenarten tragen das auch im Namen. Für sie ist ein Sandarium genau das Richtige.
Wie immer: ein wilder, natürlicher, auch mal unordentlicher Garten ist das allerbeste Insektenhotel, vielleicht ergänzt um Totholzstapel, Steinhaufen, Benjeshecke, Sandbeet.
Und Futter brauchen die Wildbienen natürlich auch. Reichlich Frühblüher sind zum Beispiel wichtig für die Hummeln. Zwar haben die Königinnen als Reiseproviant Vorräte in ihrem Honigmagen dabei, aber das reicht nicht ewig.
Spätestens wenn die erste Wabe gebaut und das erste Ei gelegt ist, brauchen sie frischen Pollen, um ihren Nachwuchs zu versorgen. Hummeln sind vielseitig und werden bei fast allen Blumen fündig. Sind die Blüten für ihre Pummeligkeit zu klein, beißen sie von hinten Löcher in den Blütenboden und kommen so doch an den Nektar. Viele ihrer Wildbienenschwestern aber sind auf ganz bestimmte Pflanzengattungen spezialisiert, einige soagr nur auf eine einzige Art. Sie tragen das auch schon im Namen wie die Knautien-Sandbiene, Rainfarnmaskenbiene oder die Zaunrübenbiene. Die Mohn-Mauerbiene mag es noch ein bisschen komplizierter: Sie braucht Mohnblütenblätter, um ihre Brutröhren damit zu tapezieren, und Kornblumenpollenkörner, um jedem Ei ein bisschen Proviant mit in die Röhre zu geben.
Diesen kleinen Feinschmeckern machen nicht nur Glyphosat und Klimawandel das Leben schwer, sondern auch die buckelige Verwandtschaft: die Honigbienen.
Honigbienen sind Nutztiere, die gezüchtet und gefüttert werden, weswegen es weitaus mehr gibt als von Natur aus möglich. Sie überwintern in ihren Bienenstöcken als vollständiger Staat und werden dann vom Imker an gute Pollenplätze chauffiert. Dort schicken sie Kundschafterinnen los, die dann durch Tänzelsprache wie per Telefon die Arbeiterinnen herbeirufen. Sie mögen wie Hummeln alle Blumen und haben Mohn, Rainfarn oder Knautien schon leergeerntet bevor die erste Wildbiene ihre Spezialblume überhaupt erreicht hat. Manche wilden Arten wie zum Beispiel die Schmalbienen sind auch nur 2 bis 3 Millimeter groß und werden von den fünfmal so großen Honigbienen einfach abgedrängt.
Nicht die Butter vom Brot nehmen lässt sich dagegen die blaue Holzbiene, oder besser: die Pollen von der Blüte. Auch wenn Sie noch nie eine gesehen haben: Sie werden sie erkennen. Blauschwarz schillernd, so groß wie eine Hornisse und so laut wie ein Käfer, brummt sie von Blüte zu Blüte und nimmt sich den Platz, den sie braucht. Auch miteinander ist der Umgang hart aber herzlich. Wenn im Frühjahr das Männchen zur Paarung schreiten, das Weibchen aber gern noch ein wenig im Überwinterungsversteck kuscheln möchte, zerrt er sie halt einfach raus. Pennen kann sie später, es gibt viel zu tun, damit der Nachwuchs gut ins Leben starten kann. Erst mal ein Häuschen bauen. Holzbienen nagen sich ihre Brutröhren selbst, dann werden die Kinderzimmer eingerichtet: Bis zu 15 einzelne Brutkämmerchen legen die Holzbienen an, jedes Ei wird liebevoll mit reichlich Pollen bedacht, damit die ausgeschlüpften Bienenlarven genug zu fressen finden, bis sie sich verpuppen und dann zu großen, starken Bienen werden. Die sammeln sich ihr Essen selbst. Wer Holzbienen in den Garten locken will, kann ihnen Natternkopf und Wiesensalbei bieten, auch Wicken lieben sie sehr.
Bei staatenbildenden Wildbienen wie bei den Hummeln gibt’s übrigens erstmal nur Frauen. Erst ab dem späten Sommer schlüpfen auch Männchen: die Drohnen. Sie werden ein kurzes Leben haben, ihr einziger Daseinszweck ist die Paarung. Sonst dürfen sie nichts, nicht Pollen sammeln, nicht Larven hüten, sie dürfen oft noch nicht mal in den Bau; oder sie wollen nicht, wer weiß. Jedenfalls hängen sie rund um die Uhr auf Blüten ab, gern zu mehreren, auch abends und nachts. So bekommen sie genau mit, wenn eine knackige paarungsbereite Jungkönigin vorbeikommt. Danach werden die Männers nicht mehr gebraucht, sie sterben, wie die Arbeiterinnen auch und die Queen Mum. Übrig bleiben nur die neuen Königinnen; auf ihnen allein liegt die Verantwortung, dass es auch im nächsten Jahr wieder Hummeln geben wird. Mit vielen warmen Winterplätzchen können wir in unseren Gärten unseren Beitrag leisten.