Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling

Durch Vorgaukelung falscher Tatsachen lässt sich der auf den Großen Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) spezialisierte Schmetterling dreist von seinen Feinden ernähren und beschützen! Wie er das anstellt? So:

Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling verbringt fast sein ganzes Leben auf dem Großen Wiesenknopf und legt so auch seine Eier zwischen die Einzelblüten ab. Etwa drei Wochen nach dem Schlüpfen der Raupen, lassen sie sich absichtlich auf den Boden fallen. Unter Pflanzenteilen versteckt warten sie auf einen ihrer Todfeinde: die Rotgelbe Knotenameise. Werden die Raupen von ihr gefunden, frisst sie sie nicht auf, im Gegenteil! Die wehrlose Raupe wird von der Ameise betrillert, ins Nest geschleppt und von ihr versorgt. Aber warum?

Die jungen Raupen haben mehrere Tricks auf Lager, um die Ameisen zu täuschen! Erstens verfügen sie über Honigduftdrüsen, die für Ameisen attraktiv sind. Auch scheinen sie einen Duft zu produzieren, der die Ameisen besänftigt und ihr Interesse weckt. Drittens verändert die Raupe Ihre Gestalt durch Krümmung und Aufblähen der vorderen Körpersegmente, sodass sie einer Ameisenlarve ähnelt. Wenn dieses Manöver klappt, dann hat die Raupe ausgesorgt. Sie frisst sich in den unterirdischen Brutkammern der Ameisen für die nächsten 10 (!) Monate an deren Larven satt!

Im Juni des folgenden Jahres verpuppen sich die Raupen für 25 Tage und leben dann noch einmal sehr gefährlich! In dieser Phase verfügen sie nur noch über die Honigdrüsen, um die Ameisen zu täuschen.


 

Schlüpft dann schließlich der Falter, muss er schnellstmöglich den Bau verlassen! Hier kommt dann noch der letzte Trick zum Einsatz: als Schutz vor Ameisenattacken ist der ganze Körper des Schmetterlings mit wolligen Schuppen bedeckt, die in den Kiefern der Angreifer zurückbleiben, wenn sie zubeißen. Die ausgewachsenen Schmetterlinge werden nur maximal drei Wochen alt, im Freiland vermutlich sogar im Durchschnitt nur zwei bis drei Tage.

Da dieser Lebenszyklus natürlich extrem komplex ist und stark abhängig von Wirtpflanze und -ameise ist der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling ganz besonders gefährdet, u. A. durch zu häufige und tiefe Mahd, Bodenverdichtung oder Herbizideinsatz. Um so wichtiger ist es, den großen Wiesenknopf so lange stehen zu lassen, bis die jungen Raupen unter der Erde verschwunden sind.


Vielen Dank für die tollen Fotos an Michelle Gutjahr, LBV Neu-Ulm