Trommelwirbel: Buntspechte und ihre Verwandten
Es klingt wie eine Trommel, mitten in der Natur. Unwillkürlich geht der Blick nach oben, wenn wir das Geräusch hören, im Garten oder unterwegs im Park oder Wald: Da muss doch irgendwo ein Specht sein?!
Meist ist es dann ein Buntspecht, die häufigste Specht-Art hierzulande: schwarz-weiß-rot gefiedert, so groß wie eine Amsel und wenn man ihn fliegen sieht, weiß man, warum sein Style »Wellenflug« heißt. Die Männchen haben ein rotes »Käppi« im Nacken, ansonsten unterscheiden sich die Geschlechter kaum.
Getrommel ist übrigens nicht gleich Getrommel. Manchmal hämmern Spechte gerade eine Bruthöhle, manchmal hacken sie im Baumstamm nach Insekten. Am lautesten sind Spechte zur Balzzeit im Winter. Denn anstatt mit Gesang markieren Spechte ihr Revier mit Trommelwirbeln. Oft probieren sie verschiedene »Instrumente« aus, bis der gewünschte Klang gefunden ist. Das kann ein hohler Stamm sein, aber auch eine Regenrinne oder ein Verkehrsschild. Auch die Weibchen trommeln übrigens und zeigen damit, dass sie da sind und möglicherweise auch Interesse an mehr haben.
Ist die Paarung absolviert, hämmern die Spechte wieder. Diesmal um Nisthöhlen zu bauen, bis zu einen halben Meter tief in einen Baumstamm. Je weicher und älter das Holz, desto leichter geht’s. Weil Spechte immer gerne umziehen, hinterlassen sie eine Menge Höhlen für andere Tiere, die nicht so gerne und gut handwerken. Eichhörnchen, Hornissen, Meisen, Kleiber, sie alle freuen sich, wenn sie Nachmieter werden können. Aber auch Fledermausarten, Siebenschläfer und Hornissen nisten in ehemaligen Spechthöhlen. Oder verbringen darin ihren Winterschlaf.
Spechtpärchen tun sich für die Brutzeit zusammen, sind aber nicht monogam. Ältere und bruterfahrene Weibchen holen sich häufig noch ein junges Männchen dazu. Auch dieses Männchen bekommt ein Nest mit Eiern und wird quasi angelernt. Gebrütet wird knapp zwei Wochen und dann dauert es noch mal drei Wochen bis die Kleinen flügge werden.
Auch danach wird weitergehämmert: Buntspechte hämmern sich ihre Insekten-Nahrung aus der Erde oder aus der Baumrinde. Sie kommen durchaus auch ans Futterhäuschen und holen sich da Nüsse und Sonnenblumenkerne. Allerdings auch das auf ihre rustikale Art: sie hauen mit dem Schnabel zu, dass die Körner zu allen Seiten fliegen und manchmal auch das Material nachgibt. Insektennisthilfen zerlegen Spechte ebenfalls. Sie sind spezialisiert, Borke aufzustemmen, um tief im Holz verborgenen Käfer oder Wildbienenlarven zu erwischen. Das bisschen Sperrholz hält sie nicht auf.
Buntspechte haben Verwandte. Mittelspecht und Kleinspechte sehen von den Gefiederfarben ähnlich aus, sind aber etwas bzw. sehr viel kleiner. Deswegen sehen wir sie seltener. Sie sind auch insgesamt etwas menschenscheuer und außerdem spezialisierter, was Nahrung und Lebensraum betrifft. Deswegen kommen sie nicht so häufig in normale Gärten, Friedhöfe oder Parks. Der größte Kollege ist der Schwarzspecht. Dann gibt es noch den Grünspecht, mit rotem Kopf und schwarzer Maske. Seine Leibspeise sind vor allem Ameisen. Hat er einen Bau gefunden, hämmert und meißelt er mit seinem Schnabel Löcher hinein, soweit, bis seine lange Zunge reinpasst. Die ist klebrig wie ein Fliegenfangstreifen und alles was im Bau ist, Ameisen, Larven, Puppen, bleibt daran kleben und wird von ihm einverleibt. Wenn es im Garten genug kleine Ameisenhaufen gibt, dann kommt auch der Grünspecht gerne zu Besuch.