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Heinz Klose – Staudengärtner und Züchter (1926 – 2001)

1926 im schlesischen Waldenburg (heute Wałbrzych) geboren, prägten Hitler-Zeit, Krieg und der Verlust der Heimat Kindheit und Jugend Heinz Kloses. Nach der Vertreibung gelang es dem gelernten Friedhofsgärtner, 1946 in der bekannten Staudengärtnerei von Heinz Hagemann in Hannover eine Anstellung als Gehilfe zu bekommen. Der Chef führte ein strenges Regiment, die Zeiten waren hart und die Arbeit nicht minder. Heinz Kloses Lebensmut hat das nicht gebrochen. Er arbeitete sich voller Wissensdrang in die ihm neue Welt der Stauden ein und traf bei Hagemann auf einen Kollegen, der später einer der herausragendsten Staudenkenner des 20. Jahrhunderts werden sollte – den 14 Jahre älteren Richard Hansen, mit dem er sich ein karges Zimmer teilte.

Aber lange hielt es Heinz Klose nicht bei Hagemann. Sein Sehnsuchtsort war die Staudengärtnerei Goos und Koenemann in Niederwalluf, berühmt für ihr seinerzeit unübertroffenes Päonien-Sortiment. Und Päonien sollten für immer seine große Leidenschaft bleiben. Fleißig, energisch und voll Glauben an die Zukunft ging er seinen Weg, mehrte unermüdlich seine Kenntnisse und knüpfte tatkräftig viele wertvolle Kontakte im Kollegenkreis, denn bei Goos und Koenemann traf man die Crème de la Crème der Staudengärtner.

Aber es waren schwere Jahre, mit Goos und Koenemann ging es bergab. Heinz Klose wechselte erneut – mit dabei etliche der berühmten Päonien-Züchtungen seines früheren Arbeitgebers. Das sollte sich nicht nur für ihn als Glück erweisen, denn nach der bald folgenden Betriebsschließung der einst renommierten Gärtnerei wurden die gesamten Bestände vernichtet, ein damals unschätzbarer Verlust. Nur die von Heinz Klose geretteten Sorten blieben erhalten und sind zum großen Teil auch heute noch in Kultur.

Es ging zurück nach Hannover. 1950 trat Heinz Klose als Obergärtner bei Peter Peltzer an und legte 1951 als einer der ersten in der neu geschaffenen Sparte »Staudengärtner« seine Meisterprüfung ab – kein anderer als sein gestrenger erster Arbeitgeber Hagemann war der Prüfer. Heinz Klose bildete schon in dieser Zeit etliche zukünftige Staudengärtner, aber auch Landschaftsarchitekten aus, denn damals war eine Gärtnerlehre noch selbstverständlicher Bestandteil des Studiums. Hier lernte er auch seine zukünftige Frau Rosa kennen, die ihm fortan ein Leben lang zur Seite stehen sollte. 1954 heirateten die beiden und hatten ihr Ziel klar vor Augen. Sie verließen Hannover und wechselten zunächst in Rosa Kloses elterlichen Gärtnerei-Betrieb Lintner in Nieder-Ofleiden im Vogelsberg-Kreis. Rosa Kloses Vater war ein überregional anerkannter Farnexperte. Einige Jahre später eröffnete sich ihnen die ersehnte Chance, eine eigene Staudengärtnerei aufzubauen. 1959 ging es nach Kassel-Lohfelden, wo sie am 1. Januar 1960 in der neu geschaffenen Gärtnerei-Siedlung ihren eigenen Betrieb gründeten – mit im Gepäck natürlich, wie bei jedem Umzug, die geretteten Päonien von Goos und Koenemann, die bald weitere erlesene Gesellschaft bekommen sollten. Trotz entbehrungsreicher und enorm arbeitsintensiver Gründungsjahre reiste Heinz Klose schon bald unermüdlich, zunächst ins europäische Ausland, später in die USA, dann in die ganze Welt. Mangelnde Sprachkenntnisse machte er mühelos mit seinem Kommunikationstalent wett. Er lernte fast alle bedeutenden Päonienzüchter kennen, trug Sorte um Sorte zusammen und nahm sie in Kultur. Seine Sammlung erwarb sich in der Gartenwelt bei Profis und Gartenliebhabern rasch einen Ruf. Als Heinz Klose im Jahr 1992 in Ruhestand ging, nannte er über 500 Päonien-Sorten aus aller Welt sein eigen, die auf dem weitläufigen Gärtnereigelände aufgepflanzt und vermehrt wurden.

Päonien waren allerdings keineswegs seine einzige Leidenschaft. Mit unerschöpflicher gärtnerischer Neugier widmete er sich auch der Züchtungsarbeit. Aber es war nicht, wie man vielleicht vermuten würde, sein Hauptziel, Päonien zu kreuzen, das wäre neben der zeitintensiven Arbeit im wachsenden Betrieb mit dem dafür erforderlichen Aufwand kaum möglich gewesen. Daher begnügte er sich mit der Vermehrung attraktiver Mutationen, die in den Mutterpflanzenquartieren entstanden, machte Aussaaten und prüfte über viele Jahre mit sicherem Blick die vielversprechendsten Sämlinge. Auf diese Weise konnte er einige ausgezeichnete Sorten auslesen und einführen.

Aber sein eigentliches Züchterinteresse galt den Stauden. Es gelangen ihm weit über 100 Einführungen quer durchs Sortiment, darunter hervorragende Hohe Rittersporne, die denen von Altmeister Foerster an Schönheit und besten Eigenschaften nicht nachstanden. Einige sind leider verloren gegangen, andere finden sich auch heute noch in den Sortimenten der Staudengärtnereien. Sehr hatten es ihm auch die Funkien angetan, denen er sich intensiv und erfolgreich widmete. Und ganz ähnlich wie sein berühmter Kollege Dr. Hans Simon war auch Heinz Klose begeistert und stets wachen Auges unterwegs, um Pflanzen am Naturstandort zu erleben und entdeckte nicht selten – so manche Vollbremsung auf offener Straße ist überliefert - vielversprechende Stauden am Wegesrand, wie die auffällig schöne, breitblättrige Wald-Hainsimse, die er auf einer Tour in Österreich zwischen »normalen« Exemplaren erspähte, mit nach Hause nahm und als die heute noch erhältliche Sorte 'Tauernpass' einführte.

Wie das alles in ein Gärtnerleben passen konnte, mit den heute kaum mehr vorstellbaren Entbehrungen der frühen Jahre, ist eine Lebensleistung, die ohne Heinz Kloses Ehefrau Rosa nicht denkbar wäre. Selbst ausgebildete Gärtnerin, stand sie ihrem Mann an Tatkraft, Energie und Liebe zum Thema nicht nach, unterstützte ihn in allem nach Kräften und hielt trotz der großen Familie (vier Kinder waren großzuziehen) die Fäden im Betrieb fest in der Hand.
Ein langer Ruhestand war Heinz Klose nicht vergönnt, er starb kurz vor Vollendung des 75. Lebensjahres nach längerer Krankheit im Jahr 2001. Nach der Betriebsübergabe im Jahr 1992 führte sein Sohn Heinz-Richard die Gärtnerei noch 20 Jahre weiter, bis sie 2012 geschlossen wurde.