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Tambergs: Iris und Hemerocallis der Extraklasse!

Unter einem Hobby-Züchter würden vermutlich die meisten Menschen jemanden verstehen, der in seinem Garten mit der einen oder anderen Gattung ein wenig herumexperimentiert. Das in Berlin lebende Ehepaar Christina und Dr. Tomas Tamberg ist da aus völlig anderem Holz geschnitzt und beweist eindrucksvoll, dass auch Quereinsteiger in der Züchtung zu Fachleuten werden können – so man Leidenschaft, Konsequenz und Geduld beweist und durch professionellen Einsatz von Technologie die Grenzen des Möglichen ausreizt oder sogar erweitert.

Der promovierte Chemiker Tomas Tamberg hegte zusammen mit seiner Frau von jeher eine besondere Liebe für Taglilien (Hemerocallis) und Iris (Iris). Schon in den 1970er Jahren begannen sie mit ersten Züchtungen. Ein Glück für unzählige Pflanzenfreunde, denn es entstanden über Jahrzehnte eine Vielzahl hochattraktiver, ausgezeichneter Sorten beider Gattungen. Neben ihrer Schönheit sind sie von bester Substanz, vor allem aber auch, anders als viele Sorten aus Übersee, an unser Klima angepasst. Sie gedeihen hierzulande weit besser und bringen reizvollere Blüten hervor, als die meisten in wärmeren Klimaten entstandene Kultivare. Im sonnigen Florida werden beispielsweise sehr farbintensive Hemerocallis-Sorten gezüchtet, hierzulande gelangen sie aufgrund der viel kühleren Temperaturen jedoch nicht zu voller Ausfärbung und bleiben weit hinter ihrem Potential zurück.

Zu Beginn konzentrierten sich Tambergs auf Bart-Iris (Iris x barbata). Diese wünschen einen durchlässigen, gern kalkhaltigen, auf jeden Fall nicht zu sauren Boden. Die Bedingungen im damaligen Garten des Züchter-Ehepaars waren für Bart-Iris nicht ideal, was dazu führte, dass sie auch mit der Kreuzung von Wiesen-Iris (Iris sibirica) begannen, die weniger Ansprüche an den Boden stellen. Natürlich bietet ihr jetziger Garten längst beste Voraussetzungen für alle Züchtungsziele und genug Raum, auch einen Bodenmüdigkeit und Krankheiten vermeidenden »Fruchtwechsel« der Kulturen zu gewährleisten. Aber die Liebe zu den Wiesen-Iris ist geblieben.

Tambergs nutzen eine wissenschaftliche Methode für ihre Züchtung: Sie setzen Colchicin, das Gift der Herbstzeitlosen (Colchicum) zur Behandlung von sehr jungen Sämlingen ein. Es hemmt die Zellteilung nach erfolgter Verdopplung eines Chromosomensatzes. Statt des üblichen doppelten (diploiden) Satzes des Erbgutes liegt nun ein vierfacher (tetraploider) Satz vor. Das Ergebnis sind deutlich kräftigere und wüchsigere Pflanzen mit hervorragender Substanz.
Die Colchicinbehandlung eröffnet zudem weitere züchterische Optionen. Kreuzungen von Arten mit unterschiedlichen Chromosomenzahlen bringen in der ersten Generation fast immer sterile Nachkommen hervor. Durch Erzeugung von Tetraploidie aber können fruchtbare Nachkömmlinge entstehen, was das rasche Weiterkreuzen mit Wunschpartnern ermöglicht. So gelang es beispielsweise, dass Wiesen-Iris (Iris sibirica) und Borsten-Schwertlilie (Iris setosa) miteinander gekreuzt werden konnten. Der Weg zu den großartigen Iris Tetrasibtosa-Hybriden war gefunden. Völlig neue Hybridgruppen konnten auf diese Weise aufgebaut werden.

Bei der Taglilienzüchtung nutzen sie die Colchicin-Methode für vergleichbare Effekte. So entstanden beispielsweise mit der 160 Zentimeter hohen Hemerocallis altissima als Ausgangsart zahlreiche Sorten, die nicht nur auffallend hoch wurden, sondern sich auch durch eine feste Substanz der Blüten und Stiele auszeichnen. Das mag auch zu einer besseren Widerstandskraft gegenüber ungünstiger Witterung beigetragen haben, denn Hemerocallis aus dem Hause Tamberg zeichnen sich nicht nur durch reichen Blütenansatz aus – die Knospen blühen auch sicher und makellos auf. Und weil sie vom Sämlingsalter an unter mitteleuropäischen Bedingungen kultiviert und selektiert werden, ist gewährleistet, dass sie unseren klimatischen Anforderungen standhalten. Besonders rote und sehr dunkel blühende Sorten, die aus wärmeren Regionen der Erde stammen, blühen hierzulande nach kühlen Nächten oder bei Regen und tiefen Temperaturen fast nie makellos auf. Die Tamberg-Züchtungen hingegen sind ausgesprochen zuverlässig und bringen auch unter solchen Bedingungen unversehrte, voll entfaltete Blüten hervor.

Alle Zöglinge werden nach strengen Kriterien mit unbestechlichem Züchterauge selektiert und nur eingeführt, wenn sie den selbst gesetzten hohen Standards entsprechen. Das Ergebnis sind sehr besondere, außergewöhnlich attraktive, robuste und widerstandsfähige Sorten, die ihren Besitzern im Garten über viele Jahre Freude machen.
Es verwundert also nicht, dass der Name Tamberg bei Iris- und Taglilien-Züchtungen zu einem absoluten Qualitätssiegel geworden ist und die unermüdliche züchterische Arbeit 2010 mit der Verleihung der Georg-Arends-Medaille ausgezeichnet wurde – eine hohe Ehrung, die selten an Amateure verliehen wird. Außerdem wurde Dr. Tomas Tamberg zum Ehrenmitglied der Gesellschaft der Staudenfreunde ernannt, ebenfalls eine rare Auszeichnung, die nur äußerst selten vergeben wird.

Mittlerweile ließ das Ehepaar Tamberg mehr als 100 Taglilien-Sorten und etwa ebenso viele Iris-Züchtungen registrieren. Allmählich fahren beide aus Altersgründen ihre Aktivitäten zurück, sind aber immer noch aktiv und lassen weiterhin auf interessante Iris- und Hemerocallis-Schönheiten hoffen.

2016 gelang es mit Hilfe einer Spende und des Netzwerks Pflanzensammlungen, die Hemerocallis-Züchtungen im Berliner Britzer Garten aufzupflanzen. Möge sich der Wunsch des Ehepaars Tamberg erfüllen, ihr vollständiges Züchtungsprogramm aus über 50 Jahren Arbeit noch zu Lebzeiten einem öffentlichen Garten übergeben zu können. Längst haben sich ihre Züchtungen weit über die Region hinaus auch in Fachkreisen einen hervorragenden Ruf erworben.