Staude des Jahres 2026:
Schönaster (Kalimeris): sommerliche Blütensterne mit ökologischem Mehrwert
»Schönsein« reicht schon lange nicht mehr, um im Garten erfolgreich zu sein. Deshalb hat die Schönaster, der der Bund Deutscher Staudengärtner in diesem Jahr den Titel der »Staude des Jahres 2026« zugesprochen hat, auch viel mehr zu bieten als ein attraktives Äußeres: Sie punktet mit langem Blütenflor, ist ein Insektenmagnet und hat sich resilient gegenüber den Herausforderungen des Klimawandels, respektive Hitze und Trockenheit, erwiesen. Für viele Gärtner ist Kalimeris bisher eine Unbekannte – das wird sich mit der Auszeichnung hoffentlich ändern!
Eine überschaubare Gattung
Kalimeris – im Deutschen wechselweise als Schönaster, Scheinaster oder Sibirische Buschaster bezeichnet – blüht zwischen Juni und Oktober, ihre Hochzeit erlebt sie, wenn »die Fülle des Frühsommers vorüber ist und die Zeit der Spätblüher erst noch kommt« – so Ulrike Leyhe, langjährige Technische Leiterin des Sichtungsgartens in Freising Weihenstephan. Einfache Sternenblüten mit gelbem Zentrum, die an Gänseblümchen erinnern, bringt sie hervor. In üppigen Blütenwolken schweben sie an reich verzweigten, straff aufrechten Trieben. Um die gelbe Mitte gruppieren sich Zungenblüten in Weiß, Creme, Mauve oder zartem Blauviolett. Die Blüten sind kleiner als die später blühender Astern, bieten aber über viele Wochen Hummeln, Bienen und anderen Pollen und Nektar. Kein Wunder, dass die Insekten auf sie fliegen!
Schmal, lanzettförmig und je nach Art und Sorte leicht gezähnt sind die frischgrünen Blätter, die dicht am Stängel stehen. Als Blattschmuck machen sie sich gut im Beet, von Mehltau oder Schnecken bleiben sie verschont. Unabhängig von der Höhe – je nach Art und Sorte sind es bei Kalimeris 60 bis 100 Zentimeter – sind die Triebe standfest und bleiben selbst in Wind und Regen stabil.
Willkommener Zuwachs aus dem Osten
Die Heimat der Schönastern erstreckt sich über Ostsibirien, die Mongolei und Korea bis nach Japan und das östliche China. Dort siedeln die Stauden an Gehölzrändern oder auf Freiflächen. Erstmals beschrieben wurde die Art im Jahr 1825 vom französischen Botaniker Alexandre Henri de Cassini. In Europa tauchen Kalimeris-Vertreter erst ab den 1920er-Jahren in Sammlungen und botanischen Gärten auf, ab dem 21. Jahrhundert werden die Stauden vor allem von Garten-Profis zunehmend wegen ihres pflegeleichten, klimaresilienten Charakters vermehrt eingesetzt.
Detail am Rande: Die botanische Zuordnung von Kalimeris ist noch nicht endgültig geklärt. Kalimeris wurde eine Weile als Unterart der Aster gesehen, unter anderem wegen der früheren Blütezeit, aber später als eigene Art geführt. Inzwischen werden die Artennamen Kalimeris und Aster vor allem im englischen Sprachraum wieder synoym verwendet, Kalimeris incisa wird also gleichberechtigt als Aster incisus bezeichnet.
Bewährte Sorten
Von Kalimeris sind in Ostasien zahlreiche Arten bekannt, nur wenige werden in Europa gärtnerisch verwendet. Am häufigsten wird Kalimeris incisa verwendet, diese Art hat auch das größte natürliche Verbreitungsgebiet. In der Staudengärtnerei halten wir neben der Art auch die Auslese 'Madiva' für Sie vor, zu deren bekennenden Fans die Gartengestalterinnen Petra Pelz und Isabelle van Groeningen gehören: Sie erreicht mit gut 80 Zentimetern eine stattliche Höhe, ihre im Vergleich zur Art größeren Blüten bezaubern in einem fast durchsichtigen Blauviolett. Besonders erwähnenswert ist die gelborange Herbstfärbung des Laubs. Stolz sind wir auch auf unsere Eigenzüchtung 'Antonia', die die dunkelsten Blüten aller Kalimeris-Vertreter aufweist: Ihr intensives Lilablau setzt sich markant von den gelben Staubgefäßen ab. Diese Sorte zählt botanisch zu Kalimeris mongolica, die sich durch stärker eingeschnittenes Blattwerk auszeichnet. Trotz einer Höhe von einem Meter zeichnet sich 'Antonia' durch sehr gute Standfestigkeit aus. Relativ spät, erst im Juli, öffnet Kalimeris pinnatifida var. hortensis ihre Knospen. Mit ihren am Rand weißen, in der Mitte gelblichen Pomponblüten sieht die Japan-Schönaster wie eine Mini-Chrysantheme aus.
Standort und Pflege
Schönastern zeigen sich vollkommen unkompliziert, passen wunderbar in Gärten für intelligente Faule: Sie sichern bei geringst nötiger Pflege größtmögliche Schönheit. Sonne bis Halbschatten behagen ihnen, dazu frische bis mäßig trockene Böden. Staunässe sollte unbedingt gemieden werden, in puncto Standfestigkeit kann ihnen weder Regen noch Wind etwas anhaben. Ihr Nährstoffbedarf ist gering: Etwas Kompost wird im Frühjahr im Beet verteilt, mehr brauchen sie nicht. Lieber weniger als mehr heißt die Devise, denn auf zu fetten Böden leidet die ansonsten beispielhafte Standfestigkeit.
Auf Winterschutz sind Schönastern nicht angewiesen, dafür spricht auch ihre sibirische Herkunft. Die Pflanzung kann jederzeit zwischen März und November erfolgen, wenn der Boden offen ist. Erst im Frühjahr kann der bodennahe Rückschnitt erfolgen. So kann man den Winter über die von Frost und Raureif überzuckerten Triebe optisch genießen. Während der Blüte ist kein Ausputzen notwendig, denn neue Knospen schieben sich ständig über Verwelktes.
In guter Gesellschaft
Gestalterisch können Sie mit Kalimeris aus dem Vollen schöpfen, auch weil ihre Standortamplitude breit ist: Mit ihren zarten Farben und dem fiederschnittigen Laub eignen sich Schönastern prächtig als harmonisierender und integrierender Vermittler zwischen farbintensiveren Stauden mit markanten Blütenformen. In Rabatten geben Schönastern hervorragende Füllstauden ab, die ihre Pflanzpartner nicht be- und schon gar nicht verdrängen, sondern sich optisch ansprechend mit ihnen verweben. Zuverlässig stehen sie Sonnenanbetern wie Pfingstrosen oder Fetthennen zur Seite, auch als Rosenbegleiter bieten sie sich an.
In naturnahem Ambiente, in Prärie- und Steppenpflanzungen, fügt sie sich – beispielsweise in Drifts gepflanzt – mit ihrem an Mutterkraut erinnernden wiesenhaften Charme wunderbar ein. Ansprechend in der Sonne sind Kombination mit Sonnenhut (Rudbeckia), Patagonischem Eisenkraut (Verbena bonariensis) und Kerzenknöterich (Bistorta amplexicaulis), in schattigeren Bereichen mit Dreiblattspiere (Gillenia trifoliata) oder Kaukasus-Storchschnabel (Geranium renardii). Ihre natürlich anmutenden Blüten kommen auch zwischen den Samenständen mittelhoher Ziergräser wie Pennisetum oder Panicum gut zur Geltung.
Doch damit ist in Bezug auf die Verwendung noch lange nicht Schluss! Viele Gartenfreunde schätzen Kalimeris als Schnittblume für die Vase oder Kübelpflanze. In letzterem Fall setzt man auf ein ausreichend großes Gefäß und eine eher kleinwüchsige Sorte.