Rückblick und Vorschau
Text: Christian Seiffert
Fotos: Christian Seiffert und Staudengärtnerei Gaißmayer
Ein sonntäglicher Gartenrundgang: Es ist Bilderbuch-Aprilwetter, mal Sonne, mal ein Schauer. Die Felsenbirnen haben ihren Blühhöhepunkt überschritten. Ihnen zu Füßen blüht die Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias) mit schwerem süßem Duft. Beachtlich hat sich das hybride hellgelbe Buschwindröschen ausgebreitet. Anemone lipsiensis kann sich nur vegetativ vermehren, das tut sie aber inzwischen reichlich. Aus ihrem Bestand schießen die wilden Päonien hervor, die schon Knospen zeigen. Sie haben sich im Garten reichlich durch Samen vermehrt.
Überall, an passenden, aber auch an nicht passenden Stellen leuchtet das intensive Blau der Traubenhyazinthen (Muscari armeniacum), sie gehören offenbar zu den durch Ameisen verbreiteten Pflanzen. Was für ein exotischer Duft! Man könnte aus Spaß sagen, die Traubenhyazinthen duften »armenisch«. Pünktlich zur Rapsblütenzeit zeigen auch die Lunarien Blütenpracht. Lunaria annua in Lila, Lunaria rediviva in Weiß. Es gibt ein paar Stauden im Garten, die schon mindestens 2 Jahrzehnte am selben Platz stehen. Dazu gehört die staudige Lunaria. Obwohl sie gut Samen ausbildet, gibt es nirgends Nachkommen von Lunaria rediviva. Warum?
Zu den Sonntagsfreuden gehören auch die mittelfrühen Tulpen. Die wurden vor langer Zeit in den Boden gesteckt, bilden mehrstielige Horste. Einige feurige Tulpen bekamen wir vor 40 Jahren geschenkt. Soweit die Momentaufnahme vom 19. April 2026. In einer Woche wird sich das Bild deutlich geändert haben.
Diesen Lichtblicken stehen Veränderungen und Verluste gegenüber. So nehmen die Lenzrosen (Helleborus x orientalis) derartig zu, dass sie zur Gefahr für viele Stauden und für das Gesamtbild des Gartens werden. Ihre Blüten bleiben bis zur Samenreife so attraktiv, dass man offenbar gehemmt ist, sie vor der Reife zu schneiden. Nur in angenehmen Maßen vermehrt sich dagegen Helleborus foetidus, die Nieswurz. Sie ist ein sympathischer Vorfrühlingsbegleiter und taucht an unerwarteten Stellen sogar zwischen Pflastersteinen auf. Als Verlust ist die rosa blühende Zistrose 'Belle de Jour' zu verzeichnen. Sie ist in diesem verrückten Winter erfroren.
Nach 40 Gartenjahren in Eresing merke ich, wie wichtig es ist, Gelerntes auch konsequent zu befolgen. Beetstauden verlangen Beete mit offenem Boden. Der Boden bedarf der Pflege. Pflanzen, die nicht dazu gehören, müssen entfernt werden, man nennt‘s auch Jäten. Was anfänglich apart aussehen mag, wenn sich z.B. im Staudenbeet Winterlinge oder Lerchensporn oder das Leinkraut (Linaria purpurea) ausbreiten: es entwickelt sich zu einer Katastrophe. Aber ebenso schlimm sind einjährige, aber auch staudige Gräser, es sei denn, sie wurden bewusst ins Staudenbeet gepflanzt. Aber auch unter jenen samen manche aus, z.B. das Diamantgras. Lässt man die Zügel locker, dann gehen die Pferde durch, dann mischen sich bald auch die an anderer Stelle erwünschten Wildstauden mit den Beetstauden zum Chaos, für beide Staudengesellschaften ist das nicht schön. Wie es heißt, wird man aus Schaden klug. Wer in dieser Situation Zeit und Kraft hat, der fängt von vorne an, nimmt die Stauden auf, teilt sie, säubert die Wurzeln vom Unerwünschten. Der Boden muss von Wurzeln, Rhizomen, Knollen und Zwiebeln befreit werden. Nicht immer hilft tiefes Umgraben.
Kehren wir nach diesem düsteren Kapitel wieder ans Tageslicht zurück. Die Iris-barbata-Blüte beginnt mit »Nanas« und es wird gar nicht so lange dauern, bis die »Florentinas« blühen und ihren Duft entfalten. Und dann kommt die herrliche Zeit der Päonien, unsere Paeonia officinalis aus dem Mte. Baldo-Gebiet zeigt schon Rot.
Text: Christian Seiffert
Fotos: Christian Seiffert und Staudengärtnerei Gaißmayer