Radfahrer am Nachmittag

Business-Class, dynamisch frisches Auftreten, deutlich gehobenes Ausstattungsniveau – nicht nur bei ihren E-Bikes! Leistungsträger! Gelöste Ausflugsstimmung!

Steige bei der Begrüßung – auch in Feierlaune – mit meinem Lieblingsgedicht »Sozusagen grundlos vergnügt« von Mascha Kaléko ein, das für mich nächstenliebendste, einfühlsamste und zuversichtlichste Gedicht der Welt, unterhalte dann die Gruppe eine Stunde lang bei einer Führung – mit Hingabe! Wir können gemeinsam viel lachen, es wird auch betont, eine schöne, interessante Zeit im Garten gehabt zu haben, und dann wird gefragt: Wie kommt jemand dazu, so ein zeit-, arbeits- und sicher auch kapitalintensives Hobby zu betreiben und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen?

Ich erkläre kurz, dass der Garten als Ausgleich zum Berufsalltag immer viel eingebracht hat, erwähne Lebensfreude, Gesundheit, und, und, und... dass der Mensch doch eigentlich eine Verpflichtung hat, seine Mitwelt an dem, was einem selbst gut tut, teilhaben zu lassen. Komme sodann auf den karitativen Zweck der Eintritts- und Gartenführungsgelder zu sprechen (Bildungsarbeit mit bedürftigen Kindern in Bolivien), höre dazu auch respektvolle, ermunternde und zustimmende Kommentare, weise schließlich dezent auf die Spendenbox am Eingang mit ausführlicheren Informationen zum Verwendungszweck hin.

Zur Verabschiedung erfrage ich noch in fröhlicher Runde den nächsten Tagesordnungspunkt: Sundowner und Abendessen in unserer so guten Lippetaler gehobenen, aber preiswerten Gastronomie und beglückwünsche die Gruppe zur Wahl.
Zum Tagesausklang gönne ich mir und meiner neuen Profi-Formschnittheckenschere noch eine anspruchsvolle Hainbuche und mache Feierabend. Noch schnell die Tageseinnahmen aus der Spendenschatulle mitnehmen: Hut drunter, Schloss öffnen, Bodenklappe fällt. Neun blanke Taler purzeln mir munter entgegen. Ein ungläubiger Blick durch den Einfüllschlitz bestätigt, dass kein nasser Schein an der Innenwandung klebt.

Auf der nachdenklichen Fahrt nach Hause betreibe ich Rechenspielchen: neun Euro – das ist eine Tagessuppe und ein kleines Bier. Neun Euro, das ist knapp vor dem Einstieg ins Vorspeisensegment.
Ich würde sie nach dieser Ernüchterung gern dringend in einen doppelten Obstler umsetzen!


Text: Hubertus Albersmeier
Fotos: Ute Eckartz