Margery Fish –
»Zu wenig Gartenarbeit und zu viel Walter!«

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»Eines der reizvollsten Dinge an der Gartenarbeit ist die Freimaurerei mit anderen Gärtnern und das Interesse und Vergnügen, das alle Gärtner durch den Besuch der Gärten anderer Menschen erfahren.«
(Margery Fish)

Die berühmte Schriftstellerin und Gärtnerin Vita Sackville-West empfahl in einer ihrer Kolumnen im Observer 1956 ein Buch einer bisher kaum bekannten Gärtnerin, das für jeden Garteninteressierten eine inspirierende Lektüre sei. Unter dem Titel »We made a Garden« hatte Margery Fish (1892–1969) eine Art gärtnerisches Erinnerungswerk an ihren verstorbenen Mann Walter Fish (1874–1947) herausgegeben, das es in sich hatte.

Vita Sackville-West schreibt in ihrer Rezension, in East Lambrook Manor, Somerset, sei von einer Frau, »zusammen mit ihrem Mann aus dem Nichts heraus die Art von Garten geschaffen« worden, »die wir alle gerne hätten: einen Landhausgarten in etwas größerem Maßstab«. Damals längst als eine der großen Garten-Ladies ihres Landes bekannt, ist sie sogar der Ansicht, »jeder Hobbygärtner« könne aus den in diesem Buch vermittelten Erkenntnissen und Erfahrungen »Freude, Ermutigung und Nutzen« ziehen.

Das Buch von Margery Fish ist jedoch kein Gartenbuch im klassischen Sinne, wiewohl es durchaus zahlreiche praktische Tipps enthält, etwa wie man Dahlien perfekt zur Geltung bringt, welche Vorzüge Bartfaden oder Storchschnäbel haben oder wie man Wege anlegt. Schwerpunkt des Buches ist vielmehr die Geschichte eines Londoner Ehepaares, das sich angesichts des drohenden Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges ein recht baufälliges Haus auf dem Lande kauft und gemeinsam beginnt, rings um das Haus einen Garten anzulegen.

Vita Sackville-West wird bei der Lektüre an ihre eigene Lebensgeschichte erinnert worden sein. Auch sie und ihr Mann Harold Nicolson hatten sich in den frühen 1930er Jahren mutig ans Werk gemacht, um die verfalleneren Gebäudereste von Sissinghurst Castle zu retten und einen Garden anzulegen. Zwei Ehepaare und zwei Gärten, die nicht unterschiedlicher hätten sein können, letztendlich jedoch beide bemerkenswerte Gartenanlagen und inspirierende literarische Darstellungen hervorbrachten. Während die gärtnerische Beziehung von Vita Sackville-West und Harald Nicolson eine kooperative und schöpferisch-ergänzende war, gestaltete sich diejenige von Mrs. und Mr. Fish weit weniger harmonisch.

Doch nicht allein die Persönlichkeiten der Gartenbesitzer waren unterschiedlich, auch die Ausgangsbedingungen waren verschieden. Das Ehepaar Fish legte den Garten mit der Vorstellung an, ihn selbst pflegen können zu müssen. Längst war es nicht mehr möglich, zahlreiche Arbeiter oder Dienstboten zu beschäftigen. Während sich die Nicolsons in Sissinghurst Obergärtner und Gehilfen leisten konnten und in konstruktiver Zusammenarbeit ihren Gartentraum erfüllten, fiel es den Fishs schwer, sich in der praktischen Umsetzung auf eine gemeinsame Konzeption zu einigen, und das Budget für Hilfskräfte war gering.

Margery Fish wollte die Beete mit einfachen Gartenpflanzen eines ländlichen Gartens ausstatten, wohingegen sich Mr. Fish ordentliche Rasenflächen, gerade Wege, helle Sommerbeete mit Rosen, Clematis und speziell Dahlien, so groß und leuchtend wie nur möglich, wünschte. Margery Fish versuchte, einen durch das ganze Jahr hindurch blühenden Garten zu kreieren, für ihren Mann hingegen war »der Sommer die Zeit, in der man einen Garten genießen kann«. Im Winter war er kaum zu bewegen, hinaus zu gehen, wie Margery Fish schreibt. Damit ausreichend Platz für Sommerblumen sei, sollten keine Früh- und Spätblüher im Garten wachsen. Nahezu alle Details in Fragen der Gestaltung analysierte ihr Ehemann präzise. Alles musste perfekt sein, und insbesondere sollten die Wege frei von jeglichem Grün bleiben.

Auf raffinierte Weise unterlief Margery Fish seine Konzeption und platzierte so viele Gewächse wie möglich in Mauernischen und zwischen Steinplatten. Wie sich ganzjährig ein blühender Garten gestalten ließe, war im Übrigen ein Thema, das sie lebenslang beschäftigen sollte, und dem sie später ein weiteres Buch widmete.

Im Rückblick auf die gemeinsamen Jahre urteilte Margery Fish, dass sie als Gärtnerin »eine große Herausforderung« für ihren Mann gewesen sei. »Ich wundere mich heute, dass er so viel Geduld mit mir hatte«, heißt es weiter. Auf den ersten Blick verhielt sie sich geduldig wie eine typische Ehefrau der 1930er und 1940er Jahre und erduldete seine endlosen Ausführungen über die Nützlichkeit von Strukturen, Mauern, Rasen, Wegen und die wenig bedeutungsvolle Existenz ihrer so geliebten Blumen.

Sie erhielt die Fiktion seines Gartenkonzeptes aufrecht und behauptete, alle neuen Pflanzen hätte sie geschenkt bekommen. Gleichzeitig studierte sie Pflanzenkataloge und fing den Postboten ab, wenn sie neue Pflanzen erwartete. Anders als ihr gärtnerisch erfahrener Mann, der sich nicht für Neues interessierte, faszinierten Margery Fish kapriziöse Kostbarkeiten, deren Anpflanzung sie herausforderten. So versuchte sie erfolglos, die Flammen-Kapuzinerkresse (Tropaeolum speciosum) an zahlreichen Standorten zu ziehen. Als sich die Flammen-Kapuzinerkresse endlich an einer der von Walter Fish geliebten Ramblerrosen emporwand und bald erblühen würde, hatte ihr Mann beschlossen, die Rose abzuschneiden – und die Kapuzinerkresse war dahin.

Nach dem Tod von Walter Fish musste Margery Fish die Arbeiten im Garten weiter vereinfachen und besann sich darauf, dass zumindest einige seiner Grundsätze hilfreich waren. Sie berücksichtigte die Bedeutung einer guten Grundstruktur kombiniert mit einer intelligenten Verwendung von immergrünen Pflanzen. So war der Garten stets »gekleidet«, egal zu welcher Jahreszeit. Das Ziel aller Gärtner sollte schließlich ein immer vorzeigbarer Garten sein, wie sie betonte.

Margery Fish setzte das gemeinsam begonnene Werk fort. Immer weitermachen sei letztlich das, »was Gartenarbeit ausmacht«. Gleichzeitig begann sie zu schreiben und suchte nach der Fertigstellung des Manuskriptes mit dem Titel »Gardening with Walter« (»Gärtnern mit Walter«) einen Verlag. Wie ihr Neffe Henry später verriet, lehnte es der erste Verleger unwirsch mit den Worten ab: »Zu wenig Gartenarbeit und zu viel Walter!«

Glücklicherweise erschien das Buch zu guter Letzt doch und war ein regelrechter Startschuss für eine erfolgreiche Karriere als einflussreiche und hoch geschätzte Gärtnerin, Sammlerin, Autorin und Gärtnerei-Besitzerin. Nach Ansicht der britischen Gartenbuch-Autorin Jane Brown war es Margery Fish, die Gertrude Jekylls Erbe antrat und neu interpretierte, lange bevor Jekylls gestalterische Ideen und ihre Verwendung von Cottage-Blumen allgemein wiederentdeckt wurden.

Der Cottage-Garten von East Lambrook Manor wird bis heute im Geiste seiner Schöpferin gepflegt. Er bezeugt, wie Margery Fish Jekylls Ideen aufgriff und an die veränderten Bedingungen nach dem Zweiten Weltkrieg anpasste. Wie dieser gartengestalterische Umwandlungsprozess vor dem Hintergrund eines emanzipatorischen Befreiungsaktes gegenüber ihrem selbstbewussten Ehemann ablief, bleibt eine so lehrreiche wie unterhaltsame Lektüre. Inwieweit es sich hierbei um einen Garten oder doch um eine Beziehung dreht, mag gewiss jeder selbst entscheiden.

Editha Weber
Editha Weber studierte Geschichte, Evangelische Theologie und Kulturgeschichte in Deutschland und Großbritannien. Sie wurde mit einer Arbeit über Englandreisen promoviert, arbeitete in der wissenschaftlichen Forschung und schrieb Bücher und Aufsätze...
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Text und Fotos: Editha Weber