Magische Orte

Schöne Steine, zufällig gefunden, gezielt gesucht, gekauft, gestohlen, mühselig geborgen, ...werden von vielen Menschen zusammengetragen und in ihrer Umgebung nett arrangiert. Oft verbinden sie Erinnerungen und Geschichten mit diesen Findlingen. Ich bewundere solche Sammlungen und freue mich an den lebhaften Erzählungen, haben solche Leute doch immer so eine archaische, naturnahe Empfindsamkeit und »was zu sagen«! Diese Lust am Zusammentragen kann ich seit Kindesbeinen auch auf viele andere Dinge und Materialien ausweiten. Mich faszinieren technische Formen, Maschinenteile, Gerätschaften mit ansprechender Ästhetik oder skurriler Scheußlichkeit. Holz! In allen Formen des Vergangs, als interessanter Wurzelhals am lebenden Baum, als Baumscheibe, Brett, Tisch oder Wurzelknorren!

So, jetzt kann man all das jahrelang mit Inbrunst zusammentragen und auf einem Grundstück lagern, dann ergibt das einen Gerümpelacker oder ein Messie-Refugium. Wenn sich diese Dinge aber gegenseitig in Szene setzen, sich stützen, einen Hintergrund abgeben, einen Einblick gewähren, ... dann werden plötzlich Sehgewohnheiten irritiert, dann kann man sich an unerwarteten Konstellationen freuen – oder schockiert sein. Dann wird so ein Gartenrundgang auch für Menschen interessant, die eigentlich gar nicht sonderlich auf Garten stehen. Die schwere Lust am Arrangieren all dieser Dinge wird an manchen Tagen, oft nur in wenigen Stunden oder gar Minuten zu einem selbstvergessenen, glücklichen Spiel! Was als »erst einmal wegräumen, bis einem damit etwas einfällt« beginnt, ist plötzlich ein rauschhafter Schöpfungsakt, in den ich ganz eintauche. Diese verwunschenen, magischen Kleinode, in angemessener Zahl und geeigneter Rhythmik in den Garten eingebettet, das ist das, was ihn meines Erachtens anziehend macht!


Text: Hubertus Albersmeier
Fotos: Ute Eckartz