Lustmolche
Ein Beitrag von Wolfram FrankeManchmal kann ich mich nur wundern. Vor paar Jahren an einem Sonntag im Juni am »Tag der offenen Gartentür« öffnete ich meinen Kreativgarten auf dem Reitsbergerhof von 11.00 – 17.00 für Besucher. Das Wetter spielte mit, es war ein schöner sonniger Tag. Gäste finden sich rasch ein. Ich begrüße sie mit einer kurzen Ansprache, dann lasse ich dem weiteren Geschehen seinen Lauf. Manche verwickeln mich sofort in ein Gartengespräch, andere machen schweigend ihre Runde durch den Garten und gehen dann wieder. Wieder andere bleiben eine Stunde im Garten, andere verlassen ihn nach einer Viertelstunde und tauchen nach ein oder zwei Stunden noch einmal auf.
Mein ökologisches Glücksgefühl
Immer wieder entwickeln sich gute Gartengespräche. Über dieses habe ich mich aber doch sehr gewundert: Ein Besucher betrachtete meinen Badeteich, in dessen flachem Wasser nahe dem Ufer sich drei, vier der immer seltener werdenden Bergmolche tummelten. Darauf bin ich sehr stolz! Denn, egal ob Frösche, Kröten oder eben Molche – ihre Anwesenheit beweist doch, dass ich nicht nur meinen Garten gestaltet habe, sondern erfolgreich auch einen Lebensraum für Tiere und für Amphibien, in diesem Fall für Molche, geschaffen habe, die sich hier auch gern vermehren.
In dieses Glücksgefühl hinein stellte der Besucher die Frage, was ich denn gegen Molche unternähme. – Wie bitte? – Ich dachte ich hörte nicht recht! Ich sagte: »Ich freue mich über jeden einzelnen!« Dann erklärte ich ihm, dass sie sich in der Vegetationszone meines Badeteichs offensichtlich wohlfühlen, an welcher Stelle ich sie vom Ufer besonders gut beobachten kann, und dass sie im Laub unter meiner Altholzhecke und in den Fugen der Trockenmauer meiner Kräuterarena überwintern.
Plage? – Nö!
»Werden die bei Ihnen denn nicht zur Plage?« Ich musste lachen. »Nö«, sagte ich. »Ich habe dieses Jahr sechs Exemplare gesichtet, vielleicht sind es auch ein paar mehr – aber was soll daran eine Plage sein? Molche richten doch keinen Schaden an!«
»In meinem Teich habe ich schon über 20 gezählt«, sagte er mir. »Freuen Sie sich doch!«, erwiderte ich. »Molche sind doch schöne Tierchen!«
»Aber wenn die sich doch immer weiter vermehren …?«
»Dann freue ich mich! Und irgendwann wird denen der Lebensraum in meinem Teich zu klein, und dann wandern sie ab. Oft lassen sich bei mir auch Krähen blicken, nachts schleicht ein Marder durch den Garten, und ich glaube, die eine oder andere Katze hier vom Bauernhof erwischt hin und wieder einen mit ihrer Tatze. Im Wasser werden die Molchlarven auch von anderen Tieren dezimiert, zum Bespiel Wasserwanzen oder dem Gelbrandkäfer oder anderen Amphibien, wie Frosch und Kröte. – Also freuen Sie sich über Ihre Molche, viele andere Gartenfreunde würden Sie beneiden!«
Ich weiß nicht, ob ich ihn damit überzeugt habe. Gleich darauf stellten mir andere Besucher Fragen, und so habe ich den Besucher aus den Augen verloren.
Erfülltes Geschlechtsleben
Im Frühjahr des vorigen Jahres musste ich wieder an diesen Besucher denken. Um das Herbstlaub vom Teich fernzuhalten, decke ich ihn im Herbst immer mit einem Netz ab. Das bleibt bis zum nächsten Frühjahr, weil von außerhalb weiteres Laub angeweht wird. Am Rand des Teiches hängt dann das Netz teilweise im Wasser. Als ich es entfernte, fand ich acht, zehn Bergmolche darin. Von Jahr zu Jahr nehmen sie in meinem Teich zu. Sie scheinen ein erfülltes Geschlechtsleben zu haben. Das kann ich sogar manchmal im klaren Wasser meines Teichs beobachten. Dann tänzelt das Männchen auf dem Teichboden um das Weibchen herum. Wenn es Glück hat, wedelt das Weibchen ihm mit seinem Schwanz seine Kloake zu, das Signal, paarungsbereit zu sein. Und der Duft steigert sicher auch die Lust. Nicht ohne Grund spricht man ja auch von »Lustmolchen«. Das Weibchen heftet die befruchteten Eier unter die Blattunterseiten der Wasserpflanzen. Die geschlüpften Larven sehen auf den ersten Blick aus wie kleine Fische. Doch es sind Molchlarven. – Wenn ich die erblicke, freue ich mich riesig über den Molchzuwachs!
Text und Fotos: Wolfram Franke