Es muss nicht immer Rasen sein

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Wenn andere Leute bei schönem Sommerwetter draußen auf der Terrasse zu Mittag essen wollen, wirft nicht selten irgendein Nachbar seinen Rasenmäher an. Von Mittagsruhe scheint er noch nichts gehört zu haben …

Oft handelt es sich bei dem Mäher um ein uraltes Modell mit einem lärmenden und stinkenden Zweitaktmotor. Der ist meist für die zu mähende Fläche viel zu klein. Und so ziehen sich Lärm und Gestank über eine Stunde hin. Da kann einem der Appetit vergehen!

Ein anderes Beispiel: Herr Neureich hat sich ein schickes Statussymbol zugelegt: einen Rasentraktor. Für seine kleine Rasenfläche im Reihenhausgarten braucht er den eigentlich nicht, aber man muss ja zeigen, was man sich leisten kann! Mit diesem unhandlichen Rasenmäher-Ungetüm erreicht er natürlich nicht jede Ecke seines grünen Teppichs. Die muss er dann wiederum mit einem  – vielleicht wieder lärmenden – kleinen Mäher »ausputzen«. Oder er nimmt einen entsetzlich quäkenden Rasentrimmer zur Hand. Nun ja, der stinkt wenigstens nicht!

Der Traum vom »Englischen Rasen«

Was haben diese Zeitgenossen bloß an langweiligem eintönigen Grün für einen Narren gefressen, für das sie so viel Zeit und Energie verschwenden? Nicht zuletzt geben sie auch noch viel Geld für »Rasendünger mit Unkraut- und Moosvernichter« aus, um einen »englischen« Rasen zu bekommen. Wer wie ich schon viele Gärten in England besucht hat, weiß, dass die meisten Rasenflächen dort keineswegs so »englisch«, sprich makellos, aussehen, wie es sich so mancher deutsche Gartenbesitzer erträumt. Auch dort gibt es Moos, wachsen Gänseblümchen, Gundermann, Klee und manchmal auch Löwenzahn im Rasen. – Der »Englische Rasen« existiert nur in den Träumen deutscher Rasenfanatiker!

Die guten Seiten des Rasens

Zugegeben: Rasen hat zweifellos seine praktischen Seiten. Wir können darauf einen Kaffeetisch aufstellen, eine Wolldecke ausbreiten, Kinder können Ball spielen… Doch viele Rasenflächen sind in unseren immer kleiner werdenden Gärten so klein, dass auch das nur in begrenztem Maß möglich ist. Aber ich will nicht verschweigen, dass zum Beispiel ein Rasenweg eine gute Alternative zur Bodenversiegelung durch einen Plattenbelag sein kann. Und: Rasen kann man absolut biologisch anlegen und pflegen. Es gibt organische Rasendünger, und wer einen Mulchmäher einsetzt, gibt das zerhäckselte Mähgut direkt als Dünger an den Rasen zurück. Damit spart man Wasser und jede zusätzliche Düngung wird überflüssig. Auf kleinen Rasenflächen tut’s auch ein preiswerter, von Hand geschobener Spindelmäher mit dem gleichen Effekt. Statt Moosvernichter auf den Rasen zu streuen, wird die Grasnarbe im Frühjahr mit dem Vertikutierrechen vom Filz befreit oder mit einer Aerifiziergabel (zur Not geht auch eine Grabegabel) belüftet und anschließend mit Sand abgestreut. – Gewiss: das ist ein bisschen mehr Arbeit, aber wer z. B. Golf spielen kann, hat sicher auch dazu genügend Kraft.

Aber: Muss es denn immer Rasen sein?

Wie wär’s zum Beispiel mit einer Blumenwiese. Die braucht nicht einmal groß zu sein. Ein zwei bis drei Meter breiter Blühstreifen ist auch schon recht attraktiv. Im Gegensatz zum Rasen darf eine Blumenwiese nicht gedüngt werden, sonst würden Gräser und unerwünschte Wildkräuter die zarteren Blumen verdrängen. Die Wiese wird zweimal im Jahr mit der Sense gemäht und das Mähgut abgeräumt. Sie bereitet weit weniger Arbeit als ein Rasen. Ein Nachteil: Man sollte sie möglichst nicht betreten, sonst wäre die blühende Pracht bald dahin. Aber es spricht nichts dagegen, sich mit dem Rasenmäher eine Schneise durch wie Wiese zum Blumen pflücken freizuhalten.

Blumen-Schotter-Rasen

Er bildet einen Kompromiss zwischen Rasen und Wiese. Der Blumen-Schotter-Rasen besteht aus einer Mischung trittfester Kräuter, die auf kargem Boden, also auch Schotter, gedeihen. Durch das wiederholte Betreten werden die Kräuter so kurz wie ein Rasen gehalten, und wo der Fuß nicht so oft hintritt, kommen die Kräuter wie z. B. Schafgarbe (Achillea millefolium), Heidenelke (Dianthus deltoides) oder Gamander Ehrenpreis (Veronica chamedrys) zum Blühen. Der Blumen-Schotter-Rasen braucht keinerlei Pflege, er muss weder bewässert noch gedüngt werden.

Trittfeste Stauden und Kräuter

Das gilt auch für eine Reihe von Kräutern und flach wachsenden Stauden, die wie ein Blumen-Schotter-Rasen betreten werden können. Allen voran die Römische Kamille (Chamaemelum nobile). Von ihr gibt es neben der ungefüllt blühenden Wildform die Sorten 'Plenum' mit gefüllten weißen Blüten und die nicht blühende Sorte 'Treneague'. Wer über einen Kamilleteppich schreitet, kann den aufsteigenden Duft der Kräuter genießen.

Weiterhin sehr beliebt als betretbarer Bewuchs sind die flach wachsenden Thymiane wie der Purpurrote Feldthymian (Thymus serpyllum 'Purple Beauty'), der Rote Sandthymian (T. serpyllum 'Coccineus') oder der Citronen-Quendel (T. serpyllum 'Amade').

In meinem Garten breitet sich der Scharfe Mauerpfeffer (Sedum acre) ganz von selbst aus. Manchmal knipse ich ein paar Sprossen ab, streue sie auf meinen Kieswegen aus und trete sie fest. Auch daraus ist schon ein dichter Belag entstanden.

Ich fragte Dieter Gaißmayer einmal nach einem betretbaren Bodendecker, der auch im Halbschatten gedeiht. Er nannte mir das Stachelnüsschen (Acaena buchananii). Ich habe es auf einen kleinen Platz gepflanzt, über dem im Sommer zwischen zwei Pfählen eine Hängematte hängt. Darunter haben sich die langen Triebe des Stachelnüsschens ausgebreitet und einen an den Boden geschmiegten, flachen Teppich gebildet.

Einfach wachsen lassen

Letztendlich lasse ich manches einfach wachsen. So haben sich auf einigen Wegen der Kriechende Günsel (Ajuga reptans) und das Pfennigkraut (Lysimachia nummularia) ausgebreitet, die gelegentliches Betreten ebenso wenig übelnehmen wie die Duftveilchen (Viola odorata) und Schlüsselblumen (Primula veris), die sich teilweise auf den Wegen ausgesät haben.

Auf den Illertisser Gartentagen,

halte ich einen Vortrag zu diesem Thema,

und zwar am Samstag, den 13. September 2025 um 10.00 Uhr

und am Sonntag, den 14. September 2025 um 13.00 Uhr.

 

Ich freue mich auf Ihren Besuch!

Wer das Thema vertiefen will, dem empfehle ich mein Buch
»Es muss nicht immer Rasen sein«

58 Seiten, 37 Farbfotos

BoD Taschenbuch 2025, € 15

ISBN 978-3-7693-2433-4

Wolfram Franke
aus Vaterstetten Handfeste Gartenarbeit und Schreiben, sowohl mit grüner Tinte als auch mit dem Computer, gehören für Wolfram Franke zusammen. Seinen seit 1994 gewachsenen Kreativgarten in Vaterstetten hat er mit alten Baustoffen gestaltet.
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Text und Fotos: Wolfram Franke