Eisenhut-Zeit
Text: Christian Seiffert
Fotos: Christian Seiffert und Staudengärtnerei Gaißmayer
Nein, es ist nicht nur die Abfolge der Wetterereignisse in diesem Jahr, die den Eisenhüten besonders zusagt. Es waren sicher vor allem ein paar Hände mehr Dünger, die zum Erfolg beitrugen. Ich hätte es wissen müssen: Meine erste Begegnung mit Eisenhut war bei einer Almhütte, dort, wo die Hinterlassenschaften von Rindern einen offenbar ideale Wachsstumsbedingungen schufen. Der Eisenhut ist also ein Stickstoffzehrer! Den Anfang machten im Eresinger Garten die »Kleinen Ritter«. Sie sind eine niedrige Auslese des in den Alpen und Mittelgebirgen heimischen, blau blühenden Eisenhuts (Aconicum napellus). Auch ein zweiter Eisenhut macht von sich Reden: Der herbstblühende Aconicum carmichaelii 'Arendsii'. Der Züchter Georg Arends hat ihn dankenswerter Weise in den Kriegsjahren gezüchtet, als es vor allem um Kartoffeln und Rüben ging. Der Herbsteisenhut überzeugt dieses Jahr durch besonders kräftige Stiele und gesundes Laub. Bis zu seiner Blüte wird aber noch ein Vierteljahr vergehen.
Soviel aus dem Eresinger Garten. Nur 2 km Wanderweg entfernt windet sich die Windach, ein Nebenflüsschen der Amper, durch einen Auenwald. Über diesen Auenwald habe ich vor Jahren berichtet, weil man in ihm so plakativ die phänologischen Jahreszeiten studieren kann. Der Hochsommer sei aber noch einmal aufgeklappt, weil in dieser Zeit dort der hellgelbe Eisenhut (Aconitum lycoctonum ssp. vulparia) blüht. Dieser botanische Name beinhaltet zwei Raubtiere: lycos, griechisch der Wolf und vulpes, lateinisch der Fuchs. Den beiden Ziegen- und Gänseräubern ging es somit schon in der Antike an den Kragen, mit Hilfe des hochgiftigen gelben Eisenhuts.
Nicht weniger giftig ist der Dritte im Bund, der blaue Bergeisenhut (Aconitum napellus). Man muss nur mal einen Blick in Marianne Beucherts Buch »Symbolik der Pflanzen« werfen. Auf Seite 75 erklärt sie, wie beim Eisenhut hohe Giftigkeit und Symbolik ineinander greifen. Wenn die Autorin krankhafte Liebe, Reue, Streit, Zauberei und Tod nennt, wofür der Eisenhut stehen soll, so stecken dahinter nicht nur Tod den tierischen Räubern, sondern auch Mord. Aber es lohnt nicht nur die Seite 75. Für 100 Pflanzen hat Marianne Beuchert Symbolisches zusammengetragen, aus alter und neuerer Literatur. Das kleine Büchlein aus dem Inselverlag vermittelt mit spannender Geschichte und erregenden Geschichten viel Wissenswertes aus den Randbereichen der Pflanzenwelt. Das Buch ist meisterlich und reich illustriert und wird gerade neu aufgelegt, obwohl die erste Auflage schon vor 30 Jahren erschien.
Zurück in den Garten. Wer mit Eisenhut umgeht, muss Vorsicht walten lassen. Der direkte Kontakt mit bloßen Händen ist unbedingt zu vermeiden. Aber wie bei zahlreichen Giftpflanzen, kommt es auch bei Aconitum auf die Dosierung an. In der Medizin sind Aconitum-Präparate schmerzlindernd. Wer z.B. schon einmal von unerträglichen Ohrenschmerzen geplagt wurde, weiß die Wirkung von Aconit-Ohrentropfen sehr zu schätzen. Aconit-Schmerzmittel helfen sogar bei sich anbahnender Erkältung vorbeugend.
Zum Weiterlesen:
Marianne Beuchert
Symbolik der Pflanzen
Mit 101 Aquarellen von Maria-Therese Tietmeyer
Broschur, 391 Seiten
Suhrkamp/Insel
Text: Christian Seiffert
Fotos: Christian Seiffert und Staudengärtnerei Gaißmayer