Clitoria – ein unbekanntes Juwel

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Die Gattung Clitoria aus der Familie der Fabaceae umfasst etwa 58 anerkannte Arten, die überwiegend in tropischen und subtropischen Regionen verbreitet sind. Ihr natürliches Vorkommen erstreckt sich über Teile Süd- und Südostasiens, z. B. Indien, Sri Lanka, Malaysia, Indonesien und die Philippinen, sowie über Afrika, Australien und Teile Amerikas.

Clitoria ternatea, die wunderschöne Blaue Schmetterlingsblume, ist eine mehrjährige Kletterpflanze. Aufgrund ihrer intensiv leuchtenden, tiefblauen Blüten ist sie eine außergewöhnlich attraktive Pflanze. Uns ist diese Art zum ersten Mal bei unserer Arbeit in Santal-Dörfern in West-Bengalen begegnet. Jeden Tag waren wir bei unserer Projektarbeit in den Dörfern mit dem Fahrrad unterwegs. Die herrlichen Blüten der Clitoria waren für uns immer ein Grund, vom Fahrrad abzusteigen, um die Schönheit der Blüten zu bewundern. Die rankenden Pflanzen schmücken in den Dörfern so manchen Zaun. Die Blüten sind nicht nur bezaubernd, sondern locken auch Schmetterlinge und andere Insekten an.

Die Pflanzen sind trockenheitsresistent und wenig anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Nur bei großer, langanhaltender Trockenheit konnten wir Befall mit Weißer Fliege oder Spinnmilben an den Blättern feststellen.

Kulinarische, medizinische und religiöse Verwendung in Indien

Die Clitoria-Blüten enthalten hohe Konzentrationen an Anthocyaninen, insbesondere Ternatin, weshalb sie sich hervorragend als natürlicher Farbstoff eignen. Sie sind in Thailand, Malaysia und anderen südostasiatischen Ländern wegen ihrer leuchtend tiefblauen Farbtöne sehr beliebt. Traditionell werden sie zum Färben von Reis, Mehl, Tapioca-Desserts und Tees verwendet. Durch Zugabe von etwas Zitronensaft verändert sich die Farbe hin zu einem kräftigen Violett – ideal für Kräutertee. Auch zum Färben von Wolle und Seide können die Blüten verwendet werden. Die jungen Schoten sind für den menschlichen Verzehr geeignet, sie enthalten Proteine und Eisen. Durch den hohen Eiweißgehalt kommen sie auch gut als Viehfutter in Frage. In Clitoria ternatea wurden Gerbstoffe, Phlobatannine, Proteine, Alkaloide, Triterpenoide, Phenole, Kohlenhydrate, Saponine, Flavonoide, Flavonolglykoside, Anthocyane sowie Herzglykoside nachgewiesen.

In Indien werden die Blüten bei religiösen Zeremonien verwendet. Clitoria ist die Lieblingspflanze der hinduistischen Gottheit Shiva. Die blaue Farbe symbolisiert das Dritte Auge von Shiva. Außerdem steht die Blüte für seine göttliche Schönheit und Reinheit. Shiva wird oft mit einer Blütenkette aus Clitoria-Blüten abgebildet, damit wird auch seine Liebe und Hingabe zur weiblichen Gottheit Parvati ausgedrückt. Für religiöse Zeremonien, sei es täglich vor dem Haustempel oder bei größeren Puja-Feierlichkeiten, spielt die Pflanze besonders im ländlichen Indien auch heute noch eine große Rolle. Deshalb ist sie in Hausgärten häufig zu finden.

Neben der Blauen Schmetterlingsblume gibt es auch eine weiße Form: Clitoria ternatea 'Alba'. Im Handel werden auch Sorten mit gefüllten blauen und weißen Blüten unter den Bezeichnungen 'Double Blue' und 'Double White' angeboten.

Anbau in Mitteleuropa

Leider sieht man die Blaue Schmetterlingsblume (noch) viel zu selten in unseren Breiten. Dabei ist die (einjährige) Kultur dieser wunderschönen Pflanze auch in Mitteleuropa problemlos möglich. Saatgut, Tee aus getrockneten Blütenblättern und sogar vorgezogene Pflanzen sind im Handel erhältlich.

Die Aussaat erfolgt im Frühjahr an einem warmen und geschützten Standort. Es empfiehlt sich, das Saatgut über Nacht einzuweichen – die Keimung erfolgt nach etwa zwei Wochen. Die Auspflanzung im Kübel oder an Rankgerüsten erfolgt dann nach den Eisheiligen. In Indien beginnen die Pflanzen bereits vier Wochen nach der Pflanzung zu blühen, bei uns dauert das allerdings etwas länger.

Ein Tipp: Durch gezieltes Entfernen junger Triebspitzen wird das Wachstum angeregt, was zu einer dichteren Verzweigung und einem buschigeren Wuchs führt.

Wir finden: In jedem Garten und auf jedem Balkon sollte sich ein Platz für diese außergewöhnlich schöne Pflanze finden lassen!


Text und Fotos: Anne und Rolf Bucher