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Essbare Blüten

Von Blüten haben wir eine klare Vorstellung. Sie sind Vorboten der Obsternte, dekorieren unsere Gärten, schmücken Wohnungen und manchmal auch das Haar einer exotischen Schönheit. Viele Blüten verströmen einen einzigartigen Duft und sind trotz aller Künste der Chemie der wichtigste Grundstoff edler Parfüms. Und woher sollten wir unseren Honig beziehen, wenn Blüten nicht auf Bienen eine so unwiderstehliche Anziehungskraft ausüben würden?

Nun hat sich inzwischen wieder herumgesprochen, dass es für Blüten eine weitere vorzügliche Verwendungsmöglichkeit gibt: Viele von ihnen sind essbar, manche sogar ein Hochgenuss. Vermutlich gibt es eine große Zahl von Leserinnen und Lesern, die längst darum wissen. Aber Hand aufs Herz, haben Sie essbare Blüten außerhalb der angesagten Spitzenrestaurants schon einmal probiert, vielleicht sogar zu Hause?

Ein Blick zurück

Würzen und kochen mit Blüten geht weit in die Geschichte zurück. Doch nicht nur die an Dekorationselementen reiche höfische Küche oder die viel zitierten alten Römer, die ihren Wein für die legendären Festgelage mit Rosen- oder Borretschblüten aromatisiert haben sollen, sind Beleg dafür. Blüten waren zu allen Zeiten ein ganz selbstverständlicher Teil der Volksküche, die auf pragmatische Weise verwendete, was gerade frisch zur Verfügung stand. Rosenblüten wurden zu Sirup und Marmelade verarbeitet, Löwenzahnblüten verwandelten sich ganz ohne Mithilfe der Bienen in „Löwenzahnhonig“, Waldmeister aromatisierte Getränke, kandierte Veilchenblüten waren eine begehrte Leckerei, duftende Holunder- oder Mädesüßblüten wurden in Teig ausgebacken, Dillblüten teilten ihr Aroma den selbst eingelegten Gurken mit.

Blüten zum Würzen und Färben

Dass Blüten immer auch Würz- und Färbemittel waren, verwundert nicht. Verwenden wir doch auch heute mit der größten Selbstverständlichkeit Gewürznelken, die getrockneten Blütenknospen eines tropischen Baumes. Und ebenso vertraut ist uns, dass Safran, das kostbarste Würz- und Färbemittel überhaupt, aus der Blüte des gleichnamigen Krokusses gewonnen wird.

Vor der Erfindung der chemischen Speisefarben war es ganz natürlich, Speisen mit Blüten zu färben: Für unsere Vorfahren waren Blüten der Ringelblume oder der Färberdistel der „Safran der kleinen Leute“. Auch Klatschmohn und Stockrose wurden für diesen Zweck gerne verwendet. Und würzige Kapern müssen durchaus nicht immer die Blütenknospen vom originalen Kapernstrauch sein: Blütenknospen der Kapuzinerkresse, des Gänseblümchens oder der Ringelblume sind ein inzwischen fast vergessener und deshalb origineller Kapernersatz.

Essbare Blüten anderswo

Andere Kulturen gehen bis in die Gegenwart viel selbstverständlicher mit den „Blumen im Kochtopf“ um. Hemerocallisknospen und –blüten gelten in China als unentbehrliche Zutat für Suppen und Wokgerichte. In Japan und Korea fühlt man sich kulinarisch zu den reizvollen Blüten der Hosta hingezogen.

Wer jemals Gelegenheit hat, in Japan ein authentisches Sukiyaki zu essen, der findet mit Sicherheit Sprosse oder Blütenblätter der japanischen Nationalblume, der Chrysantheme, in diesem Gericht. Bei unseren Nachbarn südlich der Alpen genießen gefüllte Zucchiniblüten auch heute noch ein hohes Ansehen. In ganz Asien wird Tee mit Jasminblüten verfeinert. Und in allen Kulturen finden sich traditionsreiche Rezepturen, Tee, Sirup, Öl, Essig oder ganz einfach Wasser mit dem flüchtigen Duft der Blüten zu parfümieren.

Sollten Sie sich jetzt fragen, was das denn das alles mit Wohlfühlen zu tun hat, dann sagen wir ganz einfach: Probieren Sie es aus, der Erfolg wird Ihnen Recht geben. Farbenfrohe, duftende Blüten sind nämlich nicht nur im Garten ein wunderschöner Anblick, sondern verleihen mit ihrer Schönheit selbst einfachen Gerichten den Hauch des Besonderen.

Blüten auf dem Teller sind ein Fest für alle Sinne und vielleicht ja auch eine prima Idee für ein nicht alltägliches Essen mit dem oder der Liebsten. Denken Sie an das Märchen vom Bauernmädchen, das mit einem Krug kühlen Wassers, das nach Aloe, Begonienblüten und Lotusblumen duftete, das Herz eines Prinzen gewann!

In unserem Wohlfühlkräuter-Katalog laden wir Sie ein zu einer Reise durch das Alphabet der essbaren Blüten. Unser ganz besonderer Tipp für Sie: Die wunderbaren, klaren Blautöne der Ochsenzunge sind in der Blütenküche noch immer ein Geheimtipp. Roh schmücken die Blüten Salate; in Essig eingelegt behalten sie ihre schöne Farbe. Kandiert verzieren sie Süßspeisen. Auch mit den schönen radförmigen Phloxblüten eröffnet sich ein weites kulinarisches Experimentierfeld für Duft- und Farbenthusiasten.