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Eryngium giganteum

Um den ungewöhnlichen Namen dieser Staude (Miss Willmott’s ghost) rankt sich eine skurrile Geschichte, wie sie wohl nur bei leicht versnobten britischen Gartenliebhaberinnen vorkommen kann. Kennen Sie Miss Willmott? 1858 geboren, konnte sie als upper class lady ihr Leben ganz ihrer Gartenleidenschaft widmen. Dass Miss Willmott dabei in Gummistiefeln und mit Spaten ihrer Gartenarbeit nachging, ist allerdings eine abwegige Vorstellung: Miss Willmott ließ gärtnern. In ihren besten Zeiten beschäftigte sie mehr als 100 Gärtner. Als Chefin war sie der Überlieferung nach eher schwierig. Sie duldete nicht das allerkleinste Hälmchen am falschen Platz oder Unkräutlein in ihrem Garten…

Exzentrisch war sie, unsere Miss Willmott, und in Geschmacksfragen wohl unerbittlich. In punkto Gartengestaltung ließ sie nur eine Auffassung gelten, ihre eigene. Da konnten benachbarte Gärten nach Miss Willmotts Überzeugung nur schlecht aussehen. Wenn sie zu sagen pflegte, „nun ja, zum Glück ist der Besitzer damit zufrieden…“ – dann war es wohl das höchste Lob, zu dem sie fähig war.

Völlig gleichgültig war ihr die Gartengestaltung der Anderen allerdings nicht. Bei Besuchen in fremden Gärten, so erzählte man sich, pflegte sie stets eine Handvoll Samen der Elfenbeindistel – Eryngium giganteum – in der Rocktasche mit sich zu tragen. Unauffällig, fast schon geisterhaft, ließ sie hier und da ein paar Samenkörner zu Boden fallen. Schließlich war Miss Willmott der Überzeugung, in die vermeintliche Unordnung fremder Gärten durch die edlen Disteln Blickfänge und ordnende Elemente einfügen zu können. Halten wir ihr also zugute, dass sie ihren Mitmenschen auf solche Weise eine Wohltat erweisen wollte. Später, wenn die Elfenbeindistel dann erschien, erinnerten sich ihre neuen Besitzer, dass an eben diesen Stellen Miss Willmott vorbeispaziert war. So wurde aus der prachtvollen Distel im Volksmund eine Wiedergängerin: Miss Willmotts Geist.

Wir wissen nicht, ob die starke Verbreitung der Elfenbeindistel in England auf das geisterhafte Treiben von Miss Willmott zurückzuführen ist. Tatsache ist jedenfalls, dass sie sich auf der Insel großer Beliebtheit erfreut. In Deutschland ist die prachtvolle Elfenbeindistel bisher nur selten anzutreffen. Das ist schade, und dem wollen wir abhelfen.

Miss Willmott hatte recht: Imposante kegelförmige Blütenköpfe, die von dekorativ geaderten Hüllblättern umgeben sind und hohe, sich reich verzweigende Stiele machen die wunderschöne Distel zu einer begehrenswerten Strukturpflanze für jedes sonnige Staudenbeet und Kiesflächen. Schon vor der Blüte wirken die silbrig-grünen Knospen sehr dekorativ. Die Blütenstände verändern ihre Farbe von silbrig-blau zu silbergrau. Auf Bienen und Hummeln üben sie eine magische Anziehungskraft aus. Der silbrige Glanz, der sich im Mondlicht verstärkt, gibt der herrlichen Pflanze eine zusätzlichen Reiz.

Die Elfenbeindistel hat eine sehr lange Blütezeit, ist nach der Blüte noch lange schön und ist wunderbar zum Trocknen geeignet. Die kunstvoll gemaserten Hüllblätter sind elfenbeinfarben bis silbern, wirken filigran und erlesen, sind jedoch mit kräftigen Stacheln bewehrt. Sie bewahren ihre Schönheit und Form bis weit in den Herbst hinein.

Die großartige Strukturpflanze bevorzugt sonnige, trockene, durchlässige, auch nährstoffarme Lagen, gedeiht aber auch auf feuchteren Böden. Staunässe verträgt sie nicht. Für eine optimale Entwicklung sollten Sie ihr genügend Platz einräumen. Beim Einpflanzen sollten Sie darauf achten, dass das Herzblatt nicht zu tief gepflanzt werden darf, sonst wächst die Pflanze nicht. Die Elfenbeindistel wächst relativ langsam und samt sich aus, ohne lästig zu werden. Im ersten Jahr entwickelt sich eine unscheinbare Blattrosette, im folgenden Sommer erscheinen die Blütenstände. Da die schöne Distel es übel nehmen kann, wenn sie verpflanzt wird, lässt man sie am besten aussamen.

Eryngium giganteum passt wunderbar zu Rosa- und Blautönen und zu Pflanzen mit silbernem Laub. Piet Oudolf kombiniert die Elfenbeindistel mit filigranen silberlaubigen Artemisien. Unser Vorschlag: Verbinden Sie Eryngium giganteum mit den kontrastierenden leuchtend roten Blüten von Echinacea 'Fatal Attraction' ® zu einer aufregend attraktiven ungewöhlichen Kombination.

Miss Willmott starb übrigens verarmt im Jahr 1934. Ihr englischer Garten Warley Place verfiel und ist heute ein Naturreservat. Überdauert hat ihr aufwändiges mehrbändiges Hauptwerk „The Genus Rosa“, das 1992 eine Neuauflage erlebte. Überdauert haben auch Pflanzenbezeichnungen, die Willmottiae, Willmottianum oder Warley, Warleyensis, Warley Rose im Namen tragen oder die nach Miss Willmott benannt wurden, wie z. B. das rosa Fingerkraut Potentilla nepalensis 'Miss Willmott'. Und überdauert hat nicht zuletzt „Miss Willmotts Geist“.