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Gute Phloxe, schlechte Phloxe?

Die zuverlässige Bewertung von Sorten ist schwierig, wenn sie so sensibel auf Unterschiede des Standorts und des Klimas reagieren, wie dies beim Hohen Stauden-Phlox der Fall ist. Ergebnisse von Sortenversuchen besitzen deshalb stets nur regionale Bedeutung.

Die Hohen Stauden-Phloxe, die wir heute alle unter dem Namen Phlox paniculata zusammenfassen, unterscheiden sich nicht nur durch äußerlich erkennbare Merkmale wie Wuchshöhe, Blütenfarbe und Blühtermin. Auch die „inneren Eigenschaften“ sind sehr verschieden, was sich erst im Verhalten im Garten offenbart. Während sich einige Sorten gut entwickeln und von Jahr zu Jahr schöner werden, kränkeln andere oder sind gar nur kurzlebig. Sich auf Grund solcher Erfahrungen ein Urteil über Sorten zu bilden, erweist sich meist als voreilig, wenn man hört, dass die Erfahrungen in anderen Gärten genau gegenteilig sind.

Deutlich wird aus solchen Ergebnissen die Variabilität des Stauden-Phloxes und die Tatsache, dass den „inneren Eigenschaften“ mehr Beachtung geschenkt werden muss. Bedenken wir die Herkunft der Pflanzen, wird ihr Verhalten verständlich. Das Hauptverbreitungsgebiet der Phlox-Wildpflanzen befindet sich westlich der Appalachen im  Bereich des Ohio-Flusses. Dort kommt Phlox paniculata vorwiegend in dünn  bewaldeten alluvialen Niederungen auf mineralstoffreichen Böden vor, oft entlang der Flüsse. Im riesigen Verbreitungsgebiet gibt es sehr verschiedene Standorttypen.

Das führt zu unterschiedlichen Formen der Blätter (gewellt, behaart, von herzförmig bis weidenblättrig), der Stängel (rotstielig, marmoriert, hell- oder dunkelgrün, schwach, aber auch sehr starktriebig) sowie der Wuchshöhe (von etwa 80 cm bis 2 m) und der Blütenfarbe. Auch in Bezug auf Boden und Klima gibt es unterschiedliche Anpassungen. Diese ausgeprägte Variabilität hat dazu geführt, dass es für die Züchtung eine breite Ausgangsbasis gab.

Nach meiner Einschätzung entstanden zwei große Stammlinien: einmal die große Zahl der Sorten mit den klassischen Standortansprüchen, nämlich frischer, nährstoffreicher, lehmiger Boden in absonnigen Lagen. Des Weiteren die kleinere Zahl der Züchtungen, die auch sandige, trockenere und wärmere Standorte toleriert oder an solchen sogar besser gedeihen.

In Illertissen wurde im Laufe von zehn Jahren ein großes Phlox-Sortiment mit mehr als 300 Sorten allein von Phlox paniculata zusammengetragen. Illertissen, im Voralpenland in Schwaben gelegen, weist ein für viele Stauden-Phloxe günstiges Klima auf, mit hohen Niederschlägen von mehr als 900 mm im Jahr und vergleichsweise kühler Witterung. Der Boden, ein sandiger Lehm, liegt bei einem pH-Wert knapp unter 7. Die Eigenschaften und das Verhalten der Sorten wurden in den letzten Jahren regelmäßig erfasst. Darüber hinaus wurde die Sortenechtheit überprüft. Eine vorerst abschließende Bewertung erfolgte durch die Fachleute des Vereins Perenne im Juli des Jahres 2000.

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Ein Beitrag von Dieter Gaissmayer aus der Zeitschrift Gartenpraxis Ausgabe 7/2000
Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass einige Angaben zu Sorten usw. inzwischen nicht mehr aktuell sind.