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Iris-Duft

Von den klassischen Schwertlilien

Im Garten der Eltern gab es eigentlich nur eine Schwertliliensorte: eine einfache, hellgelb blühende. Die allerdings breitete sich im märkischen Sand kräftig aus, während eine blaue sich nur notdürftig erhielt. Es war keine Liebe auf den ersten Blick. Viele Jahre später traute ich meinen Augen nicht, als ich die Farbenfülle der im Sichtungsgarten Weihenstephan aufgepflanzten Schwertlilien genoss. Ihr Anblick legte den Grundstein für meine Irisleidenschaft.

In den 60er Jahren entdeckten wir bei einem Spaziergang in einem bayerischen Fichtenwald eine Iris-Staude ohne Blüten. Was die wohl im Schatten des Waldes zu suchen hatte? Vermutlich gab es dort einmal einen Garten. Oder, weniger romantisch – irgendwer hat Iris-Rhizome in den Wald entsorgt.

In die Sonne gepflanzt entpuppte sich diese Iris als äußerst wuchs- und blühfreudig, wenn sie auch bei weitem nicht so farbenfroh leuchtete wie die Weihenstephaner: Kleinblütig, violett und gelbgrün verlaufend.

Alles Iris germanica?

Später die Aufklärung: In der älteren Literatur sind weder die einfache Gelbe noch die Waldiris Iris germanica. Die gelbe wurde Iris flavescens genannt, vom lateinischen flavus = gelb, die andere Iris squalens, was starrend, rau bedeutet. Inzwischen ist man sich der Sache nicht mehr sicher und redet von stabilisierten Bastarden aus dem Komplex der Iris germanica.

Und da gehören noch ein paar andere dazu: Etwa die Iris sambucina, die der Iris squalens sehr ähnlich ist, aber einen wertvollen Unterschied aufweist, sie duftet und zwar nach Holunderblüte. Deshalb erhielt sie auch ihren Namen: Sambucus = Holunder.

Duft nach Veilchen?

Die berühmteste unter den „stabilisierten Bastarden“ und unter den duftenden Iris ist die Iris florentina, die heute korrekt Iris germanica 'Florentina' genannt wird. Sie wurde und wird teilweise noch heute in der Toscana angebaut, nicht wegen der Blüten, sondern um ihre Rhizome zu ernten, die getrocknet in Apotheken als „Iridis Rhizoma“ oder Veilchenwurzel vertrieben wurden. Das getrocknete Rhizom duftet in der Tat nach Veilchen, war den Kindern beim Zahnen behilflich und wird auch heute vielen Kosmetika zugesetzt.

Doch man muss nicht die Rhizome der 'Florentina' ernten, um in den vollen Genuss dieser Pflanze zu kommen. Auch ihre edle weiße Blüte mit manchmal blauem Schimmer an langen Stielen (bis 80 cm) duftet angenehm blumig, würzig und frisch. Die 'Florentina' ist anspruchslos, sie braucht natürlich viel Sonne und einen mineralreichen nicht zu schweren Boden.

Als wertvoll bei der Gestaltung stellt sich ihre frühe Blüte heraus: In den beiden letzten Jahren begann sie in Ostdeutschland schon am Ende der ersten Maiwoche zu blühen. Etwa 10 Tage später beginnt eine himmelblaue, ebenso hohe und prächtige Iris zu blühen: Die Iris pallida. Auch sie Lieferant der „Veilchenwurzeln“. Ja sie hat die 'Florentina' im Feldanbau weitgehend abgelöst, wahrscheinlich ist sie ertragreicher. Im Garten zeigt sie sich äußerst vital und blühfreudig. Ihr Blütenduft übertrifft noch den der 'Florentina', geht ins Fruchtig-Würzige.

Der Name Iris germanica

Was verbirgt sich eigentlich dahinter? Wohl keine Irisart, sondern ein ganzer Komplex von Hybriden, der schon im Mittelalter oder davor entstanden ist. Das geschah aber nicht in Deutschland, wie der Name vermuten ließe, sondern im Mittelmeer-Raum. Linné, der den Namen gab, bezog sich vermutlich auf die um einige deutsche Burgen verwildert vorkommenden Iris. Um ihre Entstehung wird viel spekuliert, z.B., dass die Iris pallida daran wesentlichen Anteil haben könnte. Auch vermutet man, dass die Iris variegata an den Iris germanica beteiligt ist.

Die Iris variegata

Iris variegata, in Mitteleuropa, dem Balkan und Südrussland heimisch, hat Blüten mit einem gelben „Dom“ und Hängeblätter mit schwarzroter Aderung. Die Hängeblätter hängen nicht, sondern stehen waagerecht ab, eine Eigenschaft, die sie an verschiedene moderne Sorten weitergegeben hat. Iris variegata gedeiht gut auf Magerstandorten, Wärme und Trockenheit sagen ihr zu. Ein Makel: Sie duftet nicht. Aber man kann ja nicht alles verlangen. Und noch ein Ratschlag: Ich würde sie nie zu anderen Bartiris pflanzen, sondern eher mit Gräsern, niedrigen Sedumarten und mit Wildarten verschiedener Nelken kombinieren.

Text von Christian Seiffert