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Winter-Preisrätsel (2015)

Die Bäume haben keine Blätter mehr, also ist es Winter. Grau und Braun, Grüngrau, Nebelgrau, Schlammbraun, Graubraun und Tannengrün sind ja auch Farben. Und wie leuchten umso mehr Hage­butten und silbergraue Samenstände im Schaugarten: Grüß Gott bei uns auf der Jungviehweide!

„♫ ♫ ♫ ♫, ♫ ♫ ♫, ♫ ♫ …“
„Was summst Du da?“
„Ach, mein Lieblingswinterlied. Schneeflöckchen, Weißröckchen.“

Unsere Azubis hatten im Museumsglashaus Saatgut zum Trocknen und Sortieren ausgelegt, nun werden die Samen geputzt, eingetütet und etikettiert: Kornrade, Venuskamm oder auch den Zahnstocher-Ammi . Henrike, Max und Tobi arbeiten im Museum der Gartenkultur. Emma, eine Schülerjournalistin ist mit dabei, neugierig und wortgewandt.

„Und was ist das?“
„Samen von einer wunderschönen Einjährigen, gab es früher häufiger, ist aber heute vom Aussterben bedroht.“
„Sieht aus wie kleine Bucheckern.“
„Stimmt, nur diese Fruchtkapseln hier sind zweiteilig, und die Samen sind an der Innenwand, schau.“
„Ja, wie Fenchel sieht die Innenseite aus.“
„Gut beobachtet. Diese Pflanze ist tatsächlich verwandt mit Fenchel und Kerbel – Doldenblütler.“

„Aber sag doch mal, wieso sammelt ihr Samen von Unkräutern?“
„Von Wildkräutern, das ist schon ein Unterschied!“
„Weil die Pflanzen schön sind. Und praktisch. Wenn Du zum Beispiel einen Garten in Weiß gestalten willst, pflanzt Du verschiedene Stauden mit ausreichend Abstand. Dazwischen kannst Du diese weißen Einjährigen säen. Sie machen keine Arbeit und samen sich dann weiter aus, also sie verbreiten sich selber, aber werden nicht lästig. Sie tauchen dann in den nächsten Jahren immer wieder in den Beetlücken auf, dort wo sie eben genug Sonne haben. So ist Dein Garten immer etwas anders und Du hast auch keinen nackten Boden im Beet.“
„Und wenn es mal zu viele sind, reißt Du sie einfach raus, es bleiben immer genug übrig. Praktisch.“

„Noch nie gehört. Warum machen das nicht alle Gärtner so?“
„Keine Ahnung. Schlaue Gärtner, manche Gartengestalter und Landschaftsarchitekten machen das so. Andere hacken scheinbar lieber Unkraut oder mögen nackten Boden oder strenge Ordnung.“
„Schau doch später mal in das Buch “Blackbox Gardening”, da ist das gut erklärt. Und tolle Fotos.“

„Also, Du solltest auch noch aufschreiben, wie die Pflanze überhaupt aussieht. Sie hat nämlich stark vergrößerte Randblüten, das macht sie für Insekten besser sichtbar. So ist sie außerdem auch hübscher als ihre Verwandten, etwa als der Wiesenkerbel, schau hier ist ein Foto.“
„Oh, sehr schön sieht das aus, vor allen wenn es so viele sind. Wie ein weißer, weicher Teppich.“

„Wie würdest Du denn die Pflanze noch beschreiben?“
„Fligran. Zart, zauberhaft. Ein wenig wie ein Spitzendeckchen.“
„Schöner Vergleich!“

„Da fällt mir die Geschichte ein, die Sebastian neulich erzählt hat: am Schlosshang in Heidenheim soll die Pflanze in günstigen Jahren den ganzen Trockenhang mit weißen Blüten überzogen haben. Da die ursprüngliche Heimat dieser Pflanze in Südeuropa ist, sucht die Geschichte nach einer Erklärung, wie die Pflanze hierher kam, natürlich nur eine Sage, denn vermutlich kam das Saatgut mit Getreide­lieferungen aus Südeuropa oder dem Vorderen Orient.“

„Nicht abschweifen, Sabrina, ich will die Geschichte hören!“

„Also: eine italienische Prinzessin…“
„Bestimmt eine hübsche…“
„Ja, bestimmt. Sie war zu Besuch auf Schloss Hellenstein und hatte einen Blumenstrauß aus ihrer Heimat mitgebracht. Eine Magd soll später den verblüten Strauß über die Mauer geworfen haben, wo die Blume sich dann ausgesamt hat.“
„Bestimmt war das so. Eine italienische Prinzessin….“
„Es gibt noch viel mehr Storys, Emma – zu fast jeder Pflanze gibt es mindestens eine Geschichte!“

Wir lieben diese weißblühende Einjährige, die von Juni bis August blüht. Die Stiftung Gartenkultur gibt das seltene Saatgut gegen Spende ab. Und: auch die Gewinner des Rätsels erhalten jeweils ein Tütchen!

Die Rätselfrage lautet:

Wie heißt die gesuchte Pflanze?

Die Lösungsantwort: