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September-Preisrätsel (2006)

105 Lebensjahre und Sport – passt das zusammen? Kein Problem bei unserer Autorin, die das sportliche Treiben aufmerksam verfolgt und sich dabei in den Pfaffenbrunner Kaderschmieden besondere Verdienste erworben hat. Überzeugend wie immer, diesmal als versierte Sportheilerin, schreibt

Kräuterfrau Creszenzia Niedernhuber

Grüß Gott, liebe Leser!

Sie werden es nicht glauben, aber ich interessiere mich mit meinen 105 Lebensjahren noch sehr für die Leibesübungen. Von den bisherigen 29 olympischen Sommerspielen habe ich 25 genau verfolgt, zuerst durch Erzählungen, dann im Radio, zuletzt ganz neumodisch auch im Fernsehen.

Meine Sportbegeisterung hat natürlich auch etwas mit Pfaffenbrunn zu tun. Lange bevor ich Ihnen von den Menschen in unserem Dorf und ihren Leiden berichtete, kannten Sie Pfaffenbrunn bestimmt schon aus Sportberichten. Immer wieder bringt Pfaffenbrunn Spitzenkönner in aussterbenden Sportarten hervor, was ja unter Gesichtspunkten des Artenschutzes höchst achtbar ist. Einmal stellten wir sogar den Weltmeister im Gummistiefelweitwurf. Sie erinnern sich vermutlich auch noch an die frühere olympische Disziplin des Dreibeinlaufens, die in Pfaffenbrunn ebenfalls eine lange, erfolgreiche Tradition hat.

Bis vor einigen Jahren gab es bei uns auch den Hahnenkampfsport. Immer zum Jahrestag des 1672 gemeuchelten Wilderers Schweinsteiger Bastl stahlen ein paar mutige Burschen in Wurmannsquick ein erbärmliches Federvieh und ließen es gegen den besten Hahn von Pfaffenbrunn antreten. War das eine Gaudi! Leider musste unser Bürgermeister Singerl Fredi auf Geheiß des Ministerpräsidenten diesen alten Brauch verbieten.

Heute zeigen unsere Sportler hervorragende Leistungen beim Klotstockspringen, das vor Jahrzehnten ein Urlauber aus Norddeutschland bei uns bekannt gemacht hat. Das ist so eine Art Stabweitsprung. Seither überqueren die heiratsfähigen Mannsleute auf diese Art die Nebenflüsse des Inn und hinterlassen damit bei den Dirndln mächtig Eindruck.

Warum ich Ihnen das mit dem Sport in Pfaffenbrunn erzähle? Nun, Sie wissen ja sicher: Wo Hochleistungssport betrieben wird, ist der Arzt nicht weit. Oder eben die Kräuterfrau. Mancher Sportler braucht vor seinem Wettkampf ein wenig Aufmunterung, mancher eine Beruhigung. Die passenden Elixiere bringe ich in kleinen, unauffälligen Fläschchen mit. Was da drin ist? Na, hören Sie mal, das geht aber jetzt zu weit! Nur so viel: Alles rein pflanzlich, wirksam und statthaft. Schließlich sind wir hier nicht beim Radrennen. Oder haben Sie schon mal von Sportskandalen in Pfaffenbrunn gehört? Na bitte. Aber diese Mittel sollen Sie besser gar nicht erst erraten. Herausfinden sollen Sie stattdessen ein bekanntes Heilkraut, das nicht nur Sportlern gute Dienste leistet.

Dazu erzähle ich Ihnen eine Geschichte, die wieder einmal vom Raufbold Heubl Christian handelt. Der wollte einst mit einem gewaltigen Klotstocksprung seiner späteren Gattin imponieren, der zugereisten Schakeline. Leider hat er beim Absprung wohl mehr auf das Mädel als auf den Fluss geachtet, denn der Stab verhakte sich unglücklich am Grund des Flusses und schleuderte den Heubl Christian ins Wasser, wo er unsanft auf einem Felsbrocken landete. Schakeline lachte laut und Christian humpelte beschämt von dannen, um sich unverzüglich meiner Behandlung zu stellen.

Ich erkannte eine schwere Verstauchung im Knöchelgelenk, erfragte mögliche Allergien und verordnete Umschläge mit einem bewährten Heilkraut. Die Zauberpflanze lindert Schmerzen auch bei Prellungen, Blutergüssen und Zerrungen, darf aber keinesfalls bei offenen Wunden verwendet werden. Auch für innere Anwendungen ist die Pflanze ungeeignet, obwohl mein Urgroßvater selig sie als Schnupftabak sehr geschätzt hat. Hin und wieder behandle ich Krampfadern oder – nach übermäßigem Üben unserer Pfaffenbrunner Spitzensportler – Muskelkater mit diesem Heilkraut. Bei meinen Konkurrenten aus der Homöopathie gilt dieses Kraut sogar als das wichtigste Wundheilmittel.

Nun könnte ich Ihnen noch erzählen, wie es mit dem Heubl Christian und seiner Schakeline weitergegangen ist, aber inzwischen kennen Sie mich ja gut genug, um sich den guten Ausgang der Geschichte selbst ausdenken zu können. Deshalb endet hier mein Rätsel, freilich nicht ohne gute Wünsche, die Sie beim Lösen gewiss so gut brauchen können wie beim Sport.

Gott befohlen!
Ihre Creszenzia Niedernhuber

P. S. Auf besonderen Wunsch unseres Bürgermeisters erfolgt noch eine weltweite Mitteilung: Aus Wurmannsquick wird ein deutscher Rekord berichtet: Hier fielen am 4. August 2006 nicht weniger als 39 Liter Regen pro Quadratmeter. Der Herrgott weiß warum. Ich auch.

Die Rätselfrage lautet:

Womit kurierte Creszenzia Niedernhuber den Heubl Christian?

Die Lösungsantwort: