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September-Preisrätsel (2005)

Rätselhaftes aus Pfaffenbrunn! Diesmal geht es buchstäblich um Haut und Haar. Eine kennt Mittel gegen (fast) alle Beschwerden. Mit ihren 104 Jahren lässt sie sich nichts mehr vormachen. Munter wie immer greift zur Feder und berichtet:

Kräuterfrau Creszenzia Niedernhuber

Grüß Gott, liebe Leser!

Vor wenigen Tagen hielt ein blaues Automobil vor meinem Haus, der Fahrer hupte frech, und wer entstieg dem Gefährt? Der Gaissmayer Dieter! Nun ja, er war ja schon lange nicht mehr bei mir, da muss man einen Besuch auch mal ertragen können.

Am Ende hat es mich doch gefreut, denn er kam gerade zurück von einer Weltreise. Das Auto war voll gepackt mit Blumenzwiebeln. „Vom Bio-Züchter“, hat er erzählt, und als kleines Geschenk für meine Rätselschreiberei sollte ich mir etwas aussuchen. Bei natürlichen Pflanzen lasse ich mich als Kräuterfrau nicht zweimal bitten, wenn nur das Richtige dabei ist.

Offen gestanden sind mir die meisten Zwiebelblüher egal, jedenfalls wenn es um Heilwirkungen geht. Aber eine Art liegt mir sehr am Herzen, und wie es der Zufall wollte, fand ich sie in Gaissmayers Kisten. Was habe ich mich da gefreut.

Der Umgang mit dieser Heilzwiebel gehört seit hunderten von Jahren zum Grundwissen der Kräuterfrauen. Sogar die alten Griechen sollen sie nicht nur wegen ihrer Symbolkraft, sondern auch wegen ihrer Heilwirkungen verehrt haben. Und wenn ich Ihnen aufzählen sollte, wen ich in Pfaffenbrunn damit schon behandelt habe, bräuchte ich viel Zeit und viel Platz. Beides habe ich nicht, deshalb sollen ein paar Fälle ausreichen:

Nach einem nächtlichen Ritt in winterlicher Kälte von Marktl über Mehlmäusl kam der Moosleitner Maxl zu mir, mit einer ordentlichen Frostbeule im Gesicht. Da hatte es ausgerechnet den eitelsten Bauern erwischt! Ich habe ihm mit einer Tinktur aus dem frischen Zwiebelsaft geholfen. Anderntags hat mir der Maxl ein Paket mit frischen Würstln geschickt.

Oder die Schöpplstein Huberta, die sich viele Monate mit einem nässenden Abzess zwischen den Fingern herumgeschlagen hatte und vor Scham schon gar nicht mehr das Haus verlassen wollte. Einige Anwendungen mit dem Zwiebelsaft, und weg war das Hautleiden.

Einmal kam die Mittermayer Resi mit ihrer jüngsten Tochter zu mir, die unter ihrem Vornamen Schejenn litt und von einer üblen Schuppenflechte geplagt wurde. Wieder konnte ich helfen, wieder mit demselben Saft.

Leider wirkt dieses Heilmittel nicht immer, auch wenn alte Kräuterbücher etwas anderes behaupten. Der Iglhaut Wastl zum Beispiel verlor früh sein Haupthaar, aber irgendwie hatte er erfahren, dass der Saft der Rätselzwiebel gegen Haarausfall helfen sollte. Heilige Madonna, was die Leute manchmal so glauben! Damals sprach ich zum Wastl: „Schau Dir Deine Vorfahren an: Alle waren sie in jungen Jahren kahlköpfig. Dein Vater Fredl, Dein Großvater Seppl und auch Dein Urgroßvater Loisl. Ich habe sie alle gekannt, und bei jedem sollte ich versuchen, ihnen zu neuen Haaren zu verhelfen. Aber was können die Geschenke aus Gottes Garten gegen schlechte Erbanlagen ausrichten?“ Darauf hat sich der Iglhaut Wastl verdrießlich von dannen geschlichen.

Wenn Sie, liebe Leser, nicht mit Heilpflanzen experimentieren möchten, sollten Sie trotzdem diese Zwiebel in Ihren Garten pflanzen, denn die weißen Blüten sind ein wunderbarer Schmuck, so unschuldig und rein. Für mich als Kräuterfrau ist sie die schönste Heilpflanze überhaupt.

Haben Sie schon eine Ahnung, welche Rätselzwiebel gemeint ist? Einen kleinen Hinweis will ich meinen treuen Lesern noch geben: Fragen Sie doch einfach mal unseren neuen Pfarrer Matthäus Lothar, der ist ganz narrisch auf die betörend duftenden Blüten und hat irgendwas von unbefleckter Empfängnis gemurmelt, als ich ihm einen Strauß für seine Kirche gab. Oder fragen Sie einen anderen Hochwürden. Es muss ja nicht gleich unser früherer Nachbar aus Marktl sein.

Weil es vielleicht etwas schwieriger ist als sonst, begleiten Sie diesmal bei der Auflösung meine ganz besonderen Wünsche.

Gott befohlen!
Ihre Creszenzia Niedernhuber

Die Rätselfrage lautet:

Wie heißt die Rätselzwiebel?

Die Lösungsantwort: