header

Oktober-Preisrätsel (2016)

Grüß Gott bei uns auf der Jungviehweide, ein herrlich goldener Oktober hat sich hier eingefunden!

Heute geht es etwas wissenschaftlicher zu, eine Gruppe Studenten mit Professor aus Weihenstephan hat das Mutterpflanzenquartier als Studienort auserkoren und fotografiert, studiert, zitiert, schreibt und was Studenten alles so tun müssen. Max, Tobi und Henrike, unsere Lehrlinge sind mit dabei. Sie sollen zuhören, worauf die Studenten Wert legen. Es ergibt sich ein Gespräch:

„Eine Rarität – da sollten Sie als künftige Experten sofort eine Besonderheit der Verbreitungsökologie vermuten…“
„Es könnte aber auch ein Ladenhüter sein, Herr Professor Hagedorn, :)“
„Man kann auch „gefragte Wildart“ dazu sagen, so steht es im Katalog der Gärtnerei soviel ich weiß. Wer von Ihnen hat denn diese Pflanze vorbereitet?“

„Also, wenn ich mich mal einmischen darf, ein Ladenhüter ist das hier ganz sicher nicht, wir haben viel zu wenig davon. Wir vermehren diese Staude generativ, sammeln also diese dunklen Samen ein, säen sie aus – übrigens Frostkeimer- und schulen sie auf. Wir selektieren sie dann und erst nach der Blüte, frühestens im dritten Jahr, verkaufen wir sie: nur rein gelb blühende Sämlinge. Für den stattlichen Preis wollen unsere Kunden schließlich auch genau das richtige Gelb!“
„Ja, dazu kann ich einige Details ergänzen. Die Seltenheit dieser gelben Art …“
„Ja bitte, Frau Pfitzner!“

„ergibt sich tatsächlich aus der Verbreitungsökologie: Durch die letzte Eiszeit und die Einengung der Populationen wurde in Europa ein Hybridisierungsprozess durch Kreuzung verwandter Arten ausgelöst. Da diese Prozesse rezent weitergehen, ist eine Grenzziehung zwischen Art und Unterart schwierig. Erst molekularbiologische Methoden ….
„Wissenschaftler brauchen immer Beweise!“
„…und diese Pflanze hier zeigt wie die komplette Gattung eine variable Ausprägung ihrer Art, deswegen gab es taxonomisch wie systematisch immer wieder Revisionen, man hatte nämlich den Artbegriff in der Vergangenheit oft weit gefasst und fast jede individuelle Population als eigene Art beschrieben. Genau das kann aber in Gebirgen mit stark unterschiedlichem Klima, wie es im Kaukasus der Fall ist, natürlich vorkommen.“
„Im Kaukasus gibt es also verschiedene Arten?“
„Ja, man hat sich auf sechs anerkannte Unterarten geeinigt. Dazu zitiere ich mal einen Zeitungsartikel, damals hatte die Potsdamer Zeitung besondere Pflanzen aus dem Botanischen Garten in einer Serie vorgestellt.“

„Ein Förster entdeckte eine XXXXXX mit gelben Blüten im südöstlichen Kaukasus, das war um 1900. Da XXXXXX normalerweise rote, rosafarbene oder selten weiße Blüten haben, war ihm klar, dass er da etwas Besonderes gefunden hatte. Er brachte also … Wurzelstöcke und Samen der Pflanze in den Botanischen Garten von Tiflis, der heutigen Landeshauptstadt von Georgien. Dort stellte man fest, dass die Pflanze nicht identisch war mit bereits früher entdeckten gelben XXXXXX aus anderen Teilen des Kaukasusgebirges. Daher wurde sie als neue Art beschrieben und nach ihrem Entdecker … benannt.“
Aus: Potsdamer neueste Nachrichten, 14.5.2008. Vorstellung besonderer Pflanzen im Botanischen Garten der Uni Potsdam.

„Die Pflanze hat wirklich einen tollen Namen!“
„Und die Engländer haben einen coolen Kosenamen daraus gemacht: Molly the …“
„Sie hat außerdem noch diese bemerkenswerten Samen. Wenn die reifen Balgfrüchte aufplatzen, gibt es neben den schwarzen fertilen Samenkörnern auch noch sterile rote Locksamen, die Vögel und andere Samenausbreiter gerne fressen. Hier ist mal ein Foto davon – wirklich spektakulär, oder?“

Uns ist es nicht ganz so wichtig, ob die Rätselpflanze nun taxonomisch-systematisch als Art oder Unterart anzusehen ist. Wir suchen die Pflanze, die mit ihrem verdickten Wurzelstock Winter und Trockenheit gut überstehen kann. Eine besondere Anpassung an die trockenen Bergwälder ihrer Heimat sind die behaarten Unterseiten der Blätter, die sich übrigens im Herbst herrlich orangebraun verfärben.

Wie heißt die prachtvolle, langlebige Rarität?

Die Rätselfrage lautet:

Wie heißt die prachtvolle, langlebige Rarität?

Die Lösungsantwort: