header

Oktober-Preisrätsel (2005)

Hustende Freaks in Pfaffenbrunn, und eine grundgütige Kräuterfrau eilt zur Hilfe. Scharfe Sache! Wieder einmal hat sie den Bleistift gespitzt, bringt Heilwissen auf unnachahmliche Weise zu Papier – und verblüfft uns diesmal mit einem Geständnis:

Kräuterfrau Creszenzia Niedernhuber

Grüß Gott, liebe Leser!

Wenn es Herbst wird, überkommt mich immer ein wenig Schwermut. Die Tage werden kürzer, die Nächte kühler. Dann ahne ich, dass ich nicht ewig leben kann. Auch mein Kräutergarten sagt mir, dass die schöne Sommerzeit vorbei ist. Ablenkung finde ich bei der Behandlung der Kranken, denn ihre Zahl wächst im Herbst beständig. Vor allem Menschen mit Erkältungen suchen jetzt meine Hilfe. Da trifft es sich gut, dass der liebe Gott nicht nur gegen fast jede Krankheit ein Kräutlein hat wachsen lassen, sondern dies auch noch zur rechten Zeit.

Diesmal möchte ich von einer Pflanze berichten, der ungeheure Kräfte innewohnen. Und von den Leiden einer narrischen jungen Familie. Wurzel und Familie musste ich einfach zusammenbringen. Die Rede ist von den Trübswetters, die bei mir gleich in der Nachbarschaft wohnen, der struppige Micki, seine Frau Babsi, die einen grässlichen Eisenring im Nasenflügel trägt, und schließlich ein sommersprossiges Knäblein, dessen Namen ich wahrheitsgemäß, aber mit Entsetzen aufschreibe: Er wurde Kies-Richard getauft, und nicht einmal Hochwürden Bierbichler, Gott hab ihn selig, konnte das verhindern.

Die narrischen Trübswetters stören mich zwar oft durch laute amerikanische Musik, außerdem verbrennen sie unablässig fremdartige Kräuter. Aber weil sie immer heiter und hilfsbereit sind, zögere ich nicht, ihnen im Krankheitsfall zur Seite zu stehen. Und krank werden sie mit Gewissheit in jedem Herbst, dann hustet die ganze Sippe um die Wette. Zudem jammert mir die Trübswetter Babsi von ihren Rückenschmerzen vor. Falsche Kleidung, sage ich immer, falsche Kleidung! Bauch und Nieren frei! „Generation Hüfthose“ hörte ich neulich jemanden sagen. Aber sie wollen ja einfach nicht auf mich hören.

Jetzt aber kommen wir zum Einsatz der Rätselpflanze, den ich streng verfolge, manchmal, der Himmel möge es mir verzeihen, auch mit etwas Schadenfreude. So wie bei den narrischen Trübswetters. Sie müssen in meiner Küche die Wurzel fein raspeln. Da tränen die Augen und laufen die Nasen, und alsbald sind schon mal die Atemwege frei. Anschließend muss alles aufgegessen werden. Das gibt ein Schniefen und Schnauben!

Dann noch die Sache mit den Rückenschmerzen. Dazu wird die Wurzel zu Brei verrieben und in Umschlägen auf die schmerzenden Stellen der Trübswetter Babsi gelegt. Das lindert das Leiden fast immer. Doch will dabei wohl bedacht sein, dass die scharfen ätherischen Öle die Haut reizen und röten können, dann ist es aus mit „Generation Hüfthose“. Auch dazu bedarf es der Erfahrung meiner 104 Lebensjahre!

Bei Hochwürden Bierbichler habe ich gelernt, immer ehrlich zu sein und Fehler zu beichten. Das tu ich jetzt auch, indem ich bekenne, beim kleinen Kies-Richard versagt zu haben. Im Kräuterbuch meiner Ur-Ahnin Eulalia von Bärenclau fand ich den Hinweis, Sommersprossen mit Hilfe der Wurzel zu entfernen. Meinem Vorschlag, dies beim kleinen Kies-Richard zu versuchen, folgte die eitle Trübswetter Babsi stehenden Fußes, und ich breitete mit großer Vorsicht einen Brei auf dem Gesicht des Bürschleins aus. Da hat er so laut gezetert und geschrieen, dass im Herrgottswinkel das Foto von unserem Ministerpräsidenten umstürzte. Später war Kies-Richards Gesicht krebsrot, und alle Sprossen fanden sich am alten Platz.

So lehrte mich Erfahrung meine Grenzen.

Vielleicht sollte ich Ihnen noch verraten, dass sich mit der Rätselpflanze ganz ausgezeichnete Gerichte zubereiten lassen, auch aus ihrem jungen Frühlingslaub und sogar mit den Blüten. Früher habe ich die Wurzel gern zu gesottenem Rindfleisch gegessen, aber bei den Zähnen bin ich leider nicht mehr so gut beieinander.

Diesmal ist das Rätsel bestimmt einfacher als im letzten Monat, deshalb begleiten Sie bei der Auflösung nur die notwendigsten Wünsche. Die kommen aber wie immer von Herzen. Bleiben Sie gesund und lassen Sie die Hüfthosen im Schrank!

Gott befohlen!
Ihre Creszenzia Niedernhuber

P.S.: Falls Sie, liebe Leser, im nächsten Monat hier kein neues Rätsel von mir finden sollten, seien Sie mir bitte nicht böse. Ich habe mir vorgenommen, in der dunklen Jahreszeit etwas Zeit zum Aufschreiben meiner Lebenserinnerungen aufzuwenden. Der Gaissmayer Dieter hat mir aber versichert, dass es keine Rätselpause geben wird. Nun, dann muss vielleicht mal ein anderer schreiben…

Die Rätselfrage lautet:

Welche Pflanze half nicht gegen Kies-Richards Sommersprossen?

Die Lösungsantwort: