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Oktober-Preisrätsel (2003)

…diesmal von unserem Gast-Kräuterrätsel-Autor:

Küchenmeister Jürgen Willer
aus dem „Gasthof Krone“ in Illertissen

Verrückte Welt! Seit Monaten versuche ich mich mit Vergnügen an der Auflösung der Preisrätsel von Dieter Gaissmayer, da steht er plötzlich vor mir und sagt: „Jetzt bist Du an der Reihe. Schreib doch bitte mal einen Rätseltext!“

„Schreib doch bitte mal…!“ Ich bin Koch, kein Schreiber. Mein Name ist Willer, Jürgen Willer, Küchenmeister im Gasthof Krone in Iller-
tissen. Kochen ist mein Hobby, mein Beruf, und manchmal überlege ich, ob Kochen sogar eine Berufung sein könnte. Doch schreiben? In den letzten Rätseln von Gaissmayer ging es ja literarisch ziemlich gebildet zu, Pagnol und Wedekind. Ich bin Koch!

Das Buch von Pagnol aus dem Thymian-Rätsel habe ich mir extra besorgt. Ein schönes Buch. Als ich die zitierte Stelle nachlas, da fand ich sie, die Idee für das neue Rätselkraut: Pèbre d’Ai. Der Verfasser Pagnol lässt einen gewissen Francois dort sagen: „Ach, Thymian! Da ist mir Pèbre d’Ai schon lieber.“ Sogar der Rat, mit dem Kraut den Bauch eines Hasen zu füllen, fehlt nicht. Stimmt genau, möchte ich als Koch hinzufügen. Ich mache es schließlich ebenso.

Wie oft habe ich es meinen Köchen schon erklärt? Dieses Kraut ist die kulinarische Weiterführung von Thymian. Es verbindet mediterranes Flair und Bodenständigkeit. Ideal ist es als Pfannenkraut, das dem Fleisch beim Braten ein kräftiges Aroma gibt. Es hat sogar eine gewisse Eleganz. Und weil es verschiedene Arten davon gibt, kann man Variationen für Auge und Gaumen ausprobieren. Essbare Blüten, weiß und lila. Und dann die köstliche Art mit dem Zitronenaroma.

Unser Kraut ist gesellig. Damit will ich sagen, dass es vorzüglich mit anderen Kräutern harmoniert, zum Beispiel mit Oregano, Lavendel und Thymian. Zu Knoblauch passt es ebenfalls sehr gut.

Das Kraut hat Tradition. Schon das macht es mir sympathisch. Die bodenständig-heimische einjährige Art war im Mittelalter eines der wichtigsten Würzkräuter, half Fettiges und Schweres leichter zu verdauen. Auch eilt ihm der Ruf voraus, das Liebesleben der Menschen höchst wirkungsvoll zu befördern. Ob das ein Grund dafür ist, dass die Gerichte mit diesem Kraut aus meiner Küche besonders begehrt sind? Ich weiß es nicht.

Also nochmals: Schreiben ist nicht mein Ding, ich bin Koch. Deshalb mache ich mir an dieser Stelle die Sache leicht und sage: Besuchen Sie mich im Gasthof Krone und lösen Sie das Rätsel bei Tisch. Ich habe mir extra für Sie ein Menü mit dem Rätselkraut ausgedacht:

Als Vorspeise gibt es Suppe aus weißen Bohnen, Fischfond, Garnelen und Tomatenwürfelchen. Garniert mit Brotwürfelchen, die ich in Olivenöl mit Knoblauch und dem Rätselkraut röste.

Zarter Lammrücken und Bohnenspätzle – natürlich mit dem Rätselkraut – kommt als Hauptgericht auf den Tisch.

Zum Dessert serviere ich in Weißwein mit Sternanis, Vanilleschote und dem Rätselkraut pochierte Albecker Birnen. Den aromatischen Sud könnte ich Ihnen auf Wunsch auch gefrostet als Sorbet oder Granité servieren.

Als passenden Wein empfehle ich kühlen Rosé, einen leichten Rotwein oder im Barrique ausgebauten Weißwein.

Ach ja, für alle Fälle habe ich die Tische mit Sträußchen der spät blühenden Art des Rätselkrautes mit den leckeren weißen Blüten schmücken lassen. Da sollte doch gar keine Frage mehr offen bleiben.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Auflösung der Rätselfrage, und wenn Sie mich besuchen möchten, so würde ich mich freuen.

Ihr Jürgen Willer

Die Rätselfrage lautet:

Welches Küchenkraut steht im Mittelpunkt von Jürgen Willers Menü?

Die Lösungsantwort: