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November-Preisrätsel (2012)

Unabänderlich werden die Tage kürzer. Die Tag-und-Nacht-Gleiche ist längst schon vorbei, Werden und Vergehen ist spürbarer als sonst und Blätter fegen von den Bäumen. Aber: ist nicht gerade das Vergängliche besonders schön? Grüß Gott bei uns auf der Jungviehweide.

Max und Tobias, Lehrlinge im 3. und 2.Lehrjahr sollen den „Neuen“ Sabrina, Henrike und Fabia Pflanzen und Aufbau der Mustergräber erläutern und zeigen, was sie über Grab­gestaltung wissen. Gärtnermeister Sebastian ergänzt ein wenig und wir hören zu.

Tipp: Der Botaniker Sir Hooker hat die Rätselpflanze zuerst beschrieben. Er gehörte zu den Pionieren der Landbrücken-Theorie, die die Verbreitung ähnlicher Blütenpflanzen in Südamerika und Australien/ Neuseeland erklären sollte, aber das ist eine andere Geschichte. Unsere Rätselpflanze hat ihre eigene Strategie zur Ausbreitung genutzt.

„Also, wir haben hier zwei Mustergräber, eines für Sonnenstandorte und eines für Halbschatten bis Schatten. In der Bestattungskultur findet ja aktuell ein starker Wandel statt, davon sind natürlich auch die Grabgestaltungen betroffen. Trotzdem spielen Pflanzen schon seit jeher eine wichtige Rolle bei der Anlage von Gräbern, auch wegen Ihrer Symbolkraft.“
„Hey Max, hast Du das auswendig gelernt?“
„Das klingt ja wie …“
„Drittes Lehrjahr eben!“

„Eine Gestaltung mit Flächendeckern im Vordergrund und höheren Stauden und kleinen Gehölzen weiter hinten zur Umrahmung des Grabsteins ist grundsätzlich eine sinnvolle Sache. Jetzt frag ich aber erstmal in die Runde: welche Pflanzen kennt ihr denn hier schon?“
„Da sind wieder diese Blätter, die verfolgen mich, erinnern mich immer am Friedhof.“
„Die Bergenien? Ja, aber das passt doch. Hast Du etwa ein Problem mit Friedhöfen?“
„Ja, nein. Eher mit dem Tod.“

„Jetzt möchte ich mich mal einschalten. Jede Pflanze hat, wie Fabia gut bemerkt hat, ihre eigene Ausstrahlung. Meist bezieht sich dann ihre Symbolik auch darauf – wie etwa beim Vergissmeinnicht, da stehen die kleinen hellblauen Blüten für eine zärtliche Erinnerung an den Verstorbenen. Ich denke, das könnt ihr leicht nachvollziehen, oder? Bei einer guten Grabgestaltung ist die Kombination der Pflanzen besonders wichtig, Gräber sind ja nicht so groß. Die markanten, aber eher auch etwas schwermütigen Bergenien sollten also so wie hier einen ruhigen Vordergrund haben und mit helleren Grüntönen und vielleicht Gräsern kombiniert werden. Die Pflanzung soll ja über verschiedene Sinngehalte an das Leben des Verstorbenen erinnern und nicht einfach nur Trauer ausdrücken.“
„Pflanzen helfen also beim Umgang mit dem Tod? So hab ich das bisher gar nicht gesehen.“
„Ja, das kann man so sagen. Sie vermitteln, das können sie.“

„Weiter jetzt zum Sonnengrab: Ich finde das sehr gelungen, hinten eine kleine Pinie, steht für Lebenskraft und Ausdauer, dann der Buxus …und nicht zu vergessen: Sempervivum hier vorne als Symbol für das ewige Leben, heißt ja auch: semper vivum.“
„Ach ja!“
„Und die kleinen blaugrünen Blättchen mit den putzigen Stachelkugeln hier, was ist das?“
„Ein Bodendecker für sonnige Standorte und steinige, aber frische Böden.“
„Etwas seltsame Kombination, oder? Steinig, aber frisch?“
„Wie in seiner Heimat, den Steppen in Neuseeland, wo er richtige Matten ausbildet.“
„Ist ja auch hier ein richtig schöner Teppich.“
„Übrigens sind die Blätter wintergrün, wichtig für Gräber!“

Die Rätselpflanze mit den kleinen unpaarigen Fiederblättchen wurde vermutlich über den Import von Schafwolle eingeschleppt. Die kleinen Stachelfrüchte haften nämlich wie Kletten im Fell von Tieren. Diese Verbreitungsstrategie hat sich offensichtlichgut bewährt.

Die gesuchte Art passt –auch für Gräber- gut zu einer interessanten Segge, die gleichfalls nach einem neuseeländlichen Botanik-Kollegen von Sir Hooker benannt ist. Ob sich die beiden Forscher dort unten begegnet sind? Wer weiß? Facebook hätte es gewusst.

„Ich mag Neuseeland, also, wenn ich mal unter der Erde lieg, pflanzt mir das bitte auf mein Grab, ok?“
„Klar doch, das merken wir uns. Grins…“

Welche Rosaceae hat den Weg von der Südhalbkugel zu uns gefunden?

Die Rätselfrage lautet:

Welche Rosaceae hat den Weg von der Südhalbkugel zu uns gefunden?

Die Lösungsantwort: