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November-Preisrätsel (2009)

November auf der Jungviehweide. Der Nebel wird dichter und die Sonne scheint ferner denn je. Rilkes Herbstgedichte kommen in den Sinn und auch die Ahnen, ja: Totengedenken ist an der Zeit. Aber es ist immer auch noch Pflanzzeit in den Gärten für Stauden und Zwiebeln. Grüß Gott bei uns.

Im Verkaufsquartier stellt Gärtnermeister Sebastian passende Staudengruppen zusammen. Im Herbst werden gerne Gräser gekauft, weil die auch über den Winter noch etwas hermachen, wie Sebastian sagt. Da kommen Kunden.

„Grüß Gott.“
„Grüß Gott, wir wollen erstmal schauen.“
„Ja, gerne.“

„Mein Sohn will mir ein neues Beet anlegen. Es sollen Pflanzen dort wachsen, die ich von früher gut kenne“, sagt Frau Moser.
„Aber es soll auch peppig kombiniert sein“, ergänzt Moser Junior.
„Mein Sohn studiert nämlich! Gartenarchitekt!“
„Das ist mein erstes Projekt. Ich hab schon eine Idee, brauche aber noch Hilfe.“
„Na – dafür sind wir ja da! Was haben Sie denn vor?“ erkundigt sich Sebastian.
„Wir wollen Astern und Gräser kombinieren. Der Boden ist frisch, als Begrenzung haben wir eine Mauer.“
„Haben Sie volle Sonne?“
„Ja. Wir hätten gerne Kissenastern und höhere Astern mit guten Sichtungsergebnissen.“
„Da hör ich schon den angehenden Fachmann heraus …“

Im Verkaufsquartier werden gemeinsam violette Kissenastern und höhere Rauhblatt-Astern ausgesucht, dazu Rutenhirse mit rötlicher Herbstfärbung und einige Lampenputzergräser.

„Wir brauchen noch Stauden, die länger als September blühen.“
„Wie wär’s mit einzelnen Oktobermargeriten?“ schlägt Staudenprofi Sebastian vor.
„Sind das die vom letzten Rätsel?“
„Ja genau.“
„… dann hätten wir stellenweise weiße Blüten zu den violetten Astern. Ja, das ist o.k.“
„Und wie gefallen Ihnen diese hier als weitere Ergänzung: es sind zwar keine Astern, aber doch verwandt und blühen bis in den November hinein…“ (dies ist die gesuchte Gattung).
Student Moser schaut auf’s Etikett einer weißen Blüte: „Ja, weiße Blüten, Poesie, Blüte bis November, das klingt gut.“
„Vielleicht können Sie sich als farbliche Ergänzung noch diese Sorte dazu vorstellen?“ deutet Sebastian an.
„Naja“, klingt es eher skeptisch: „ich glaub nicht – braun?“ (dies ist die gesuchte Sorte).
„Ein schönes Rotbraun. Eine alte Sorte. Ich finde sie exzellent zu den ausgesuchten Gräsern. Auch die pomponförmige Blüte ist eine schöne Abwechslung zu den vorher blühenden Astern“, sagt Sebastian. Und in Richtung Frau Moser: „Sie ist auch eine herrliche Schnittblume für Herbststräuße.“
Frau Moser gefallen sie: „Ja, die kenne ich von früher, nehmen wir welche davon!“
„Ja, naja, warum nicht, Astern und Co sind ja wirklich wieder schwer im Kommen.“
„Ich finde es schön, dass sie als junger Mensch sich auch damit anfreunden können.“
„Zusammen mit Gräsern finde ich sie schon echt fesch“, gibt Moser Junior, Gartenarchitekt in spe, zu.
Gärtnermeister Sebastian und Herr Moser fachsimpeln ein wenig, man versteht nicht alles genau.
„… mag Winternässe nicht, also…. Frost, so wie in diesem Jahr … können Sie die Blüten mit einem Vlies … “

„Kinder, was blüht denn in meinem Beet eigentlich im Frühling und Sommer?“ ruft Frau Moser.
„Moment, wir suchen gleich noch Blumenzwiebeln dazu …“

Die gesuchte Gattung hat hinsichtlich der Nomenklatur schon einiges mitgemacht und Umbenennungen wurden auch schon auf Protest der Floristen, Gärtner und Hobbygärtner zurückgenommen.
Die ehemals recht umfangreiche Gattung wurde vor Jahren in mehrere neue Gattungen aufgespalten, unsere Gesuchte jedoch behielt den bekannten Namen.
Und die gesuchte Sorte ist bei uns die spätest-blühende Sorte, sie wird in Schwaben gerne auch „…-äugle“ genannt.

Die Rätselfrage lautet:

Welche dunkel- und spätblühende Sorte suchen wir?

Die Lösungsantwort: