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November-Preisrätsel (2005)

Unsere Rätsel für die Wintermonate werden von Blickfang: Alte Zeiten zur Verfügung gestellt. Sylvia Bauer und Peter Menzel sind seit Jahren regelmäßige Gäste bei den Märkten in Illertissen und bieten dort nicht nur Garten-Antiquitäten, sondern auch hochwertige, traditionelle Gartenwerkzeuge aus England, Holland
und Deutschland an.

Heinrich, räum’ den Schuppen auf !

“Heinrich, steh mir doch nicht immer im Weg rum! Seit deiner Pensionierung machst du nichts weiter als Zeitung zu lesen, fernzusehen oder willst dich nützlich machen, wo ich es nun überhaupt nicht brauchen kann. Überleg’ dir doch mal was Sinnvolles!”

Heinrich Faust war Deutschlehrer gewesen und nunmehr seit drei Monaten pensioniert. Seine jetzigen Ambitionen, sich im Haushalt nützlich zu machen, waren aber am entschiedenen Widerstand seiner Gattin Hilde gescheitert.

„Du könntest dir ja mal den Gartenschuppen vornehmen, da hat seit Menschengedenken niemand mehr aufgeräumt. Da liegt wahrscheinlich sogar noch Zeug von deinem Großvater herum!“ Das war eine Idee! Er könnte dort aufräumen und sich eine Werkstatt zum Basteln einrichten. Heinrich ging pfeifend in den Keller, zog sich seine grünen Gummistiefel an und machte sich auf den Weg.

Der Schuppen stand ganz in der hinteren Ecke des Gartens und war vor Urzeiten wohl einmal ein Hühnerstall gewesen. Sein Sockel aus gemauerten Backsteinen leuchtete rot durch den Morgennebel und sein Aufbau aus gefügten Holzbrettern, ursprünglich kräftig blau lackiert, war schon reichlich abgeblättert. Als Heinrich die Tür des Schuppens öffnete, durchbrach ein quietschendes und knarrendes Geräusch die morgendliche Stille.

„Da steh ich nun ich armer Tor…“ seufzte er, als er das Tohuwabohu im Innern schemenhaft erkannte. Der Lichtschalter klickte und das schummrige Licht erhellte nur schwach die schauerliche Szenerie. „Aufgeräumt muss heute werden, frisch Gesellen seid zur Hand…“

Heinrichs Blick schweifte langsam umher. An der Innenseite der Tür fand er das Gesuchte: An einem rostigen Nagel hing eine ziemlich staubige Schürze. Schon das kurze Ausschütteln umgab Heinrich mit einer immensen Wolke, die von seiner stets geröteten Nase mit kräftigem Niesen kommentiert wurde. „Heinrich mir graut’s vor dir“, murmelte er und band sich die Schürze um die wohlgewölbte Leibesmitte.

Zuerst musste etwas Platz geschaffen werden. „Das alte Holz kommt auf einen Haufen, das gibt ein schönes Herbstfeuerchen“, gab Heinrich sich selbst Anweisungen „und den ganzen Eisenschrott werf’ ich in die alte Zinkwanne dort.“ Er zerrte die Zinkwanne vor den Schuppen, ein Stuhl mit gebrochenem Fuß, etliche alte Bohnenstangen und leere Obstkisten bildeten kurze Zeit später die Grundlage des Holzhaufens. Neben der Zinkwanne lagen Ofenrohre und Blecheimer.

„Meine Güte ist die schwer“ stöhnte Heinrich, als er auf eine mit Eisenteilen gefüllte stabile Holzkiste stieß. „Die muss ich wohl einzeln ausräumen“, murmelte er und legte los. „Auuuutsch“, ein kurzer schneidender Schmerz im linken Zeigefinger dämpfte sein beherztes Zugreifen. Was war das denn? Während er den kleinen Schnitt mit geschürzten Lippen aussaugte, hielt er mit der rechten Hand das „corpus delicti“ vor sein prüfendes Auge.

Das T-förmige Teil war aus Eisen geschmiedet und hatte einen schön gedrechselten Griff aus Holz. Im unteren Bereich sah es wie ein halbes Rohr aus, das zunehmend schmaler und spitzer wurde. Die Kanten waren rasiermesserscharf. Heinrich überlegte. Plötzlich fiel es ihm wieder ein. Um das Gerät hatte es zwischen seinem Großvater und seiner Großmutter immer wieder Streit gegeben. Großmutter brauchte es zwar nur ein- oder zweimal jährlich im Haushalt, aber wenn sie es dann brauchte, war es total verdreckt und angerostet, weil es ihr Mann im Garten zweckentfremdet hatte. „Aufgewärmter Stunk mit „r“ benannte sein Großvater immer diese Krise. Dabei wusste Opa Gottfried das Produkt, das mit diesem Gerät bearbeitet wurde, ebenso zu schätzen wie Ludwig Uhland, Heinrich Heine oder eine gewisse Witwe B…. Welches Werkzeug hatte Heinrich da gefunden?

Viel Spaß bei der Lösung des Rätsels wünschen Ihnen
Sylvia Bauer und Peter Menzel von Blickfang: Alte Zeiten

Die Rätselfrage lautet:

An welchem Werkzeug hat sich Heinrich geschnitten?

Die Lösungsantwort: