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November-Preisrätsel (2004)

Diesmal leicht verstimmt, aber dennoch bereit, ein neues Heilkräuter-Rätsel zu verfassen. Vorhang auf für eine der ältesten Kräuterheilkundigen im Land:

Kräuterfrau Creszenzia Niedernhuber

Grüß Gott, liebe Leser!

Ein Groll steckt in mir! Kommt der Gaissmayer Dieter vorbei und legt mir als Geschenk seinen neuen Arznei- und Heilkräuter-Katalog auf die Anrichte. Und stellt ein Fläschchen dazu. „Was soll das?“ frage ich ihn, doch da lacht er und sagt mir frech ins Gesicht: „Für neue Ideen.“

Als ob mir die Ideen ausgehen würden! 103 bin ich geworden, war mein ganzes Leben lang Kräuterfrau – und dann so ein Flegelspruch. Wie ich dann in den Katalog geschaut habe, wurde ich erst richtig wütend, denn da wird ja vieles verraten, was ich mir zum Herausfinden so alles ausdenke.

Später habe ich mich aber wieder beruhigt, denn da stehen wirklich Sachen drin, die ich, na ja, also Sachen stehen da drin, die ich bestimmt mal gewusst haben könnte. Aber bei allen Heiligen! Das Kraut, um das es diesmal geht, das verwende ich immer schon. Fläschchen hin, Fläschchen her. Und jetzt kommt er mir mit neuen Ideen!

Sie glauben mir nicht? Nun, dann frage ich Sie: Wie hätte ich denn den Katalog vom Gaissmayer Dieter mit seiner Schrift klein wie Fliegenbeine in meinem Alter lesen können, wenn ich nicht regelmäßig ein bisschen von diesem Kraut genommen hätte? Da ist ein Stoff drin, wie heißt der denn nur, hat irgendwas mit Buchweizen zu tun, ist aber keiner. Der ist gut für die kleinen Blutgefäße, auch im Auge. Das wussten früher schon ganz berühmte Maler. Jetzt wissen Sie es auch, aber kennen Sie auch den Namen?

Von jenseits der Berge hat es zu uns gefunden, dieses besondere Kraut. Und die kalten Wintertage in Pfaffenbrunn machen ihm gar nichts aus. Die Blätter sind etwas rundlich, ihr Duft ist herb und aromatisch. Schön sind die gelben Blüten – nur nicht für Fliegen, denn die machen sich davon, wenn ich dieses Kraut in einer Vase auf den Tisch stelle.

Seine Heilwirkung ist seit Urzeiten bekannt. Eine Urahnin von mir, ihr Name war Eulalia von Bärenclau, soll sich damit sogar vor der Pest geschützt haben. Als neulich die Mittermayer Resi vor meiner Tür stand und über Kopfschmerzen klagte, habe ich ihr dasselbe Kraut gegeben, aber sehr vorsichtig und nur ganz wenig. Ihren Sohn behandle ich damit aber nicht, ob er nun Yannick heißt oder nicht. Für Kinder ist das Kraut einfach nicht geeignet.

Aber bei meinem Gustl, Gott hab in selig, hat das Kraut gut gewirkt. Ein Tollpatsch war er, der Gustl, ständig verstauchte und verrenkte er sich die Glieder, und dann noch das Rheuma. Da habe ich ihn mit dem Kraut behandelt, und alsbald hörte ich ihn wieder in der Scheune hämmern.

Der liebe Gustl, so ein braves Mannsbild, 70 Jahre hat er es mit mir ausgehalten. Musste er denn mit 98 Jahren noch in die Krone des Apfelbaums klettern und das letzte Obst pflücken? Wie er so unter dem Baum lag, mausetot, da wurde mir ganz besinnlich zumute. Ja, so dachte ich bei mir, gegen vieles ist ein Kraut gewachsen, aber leider nicht gegen alles.

Mit diesen bedenkenswerten Worten entlasse ich nun meine treuen Leser und wünsche allen Glück, Gesundheit, stets sichere Leitern und die richtige Lösung des Rätsels. Ich lese jetzt noch ein wenig im Heilpflanzen-Katalog und trinke ein Gläschen aus der Flasche vom Gaissmayer Dieter. Grappa und noch etwas steht da drauf. Nicht, was Sie vielleicht denken: Medizin ist es! Für meine Augen!

Gott befohlen!
Ihre Creszenzia Niedernhuber

Die Rätselfrage lautet:

Welcher Pflanze traut Creszenzia Niedernhuber zu, die Sehfähigkeit zu verbessern?

Die Lösungsantwort: