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November-Preisrätsel (2003)

…wieder von unserem Gast-Kräuterrätsel-Autor:

Küchenmeister Jürgen Willer
aus dem „Gasthof Krone“ in Illertissen

Er hat es mal wieder geschafft. Dabei hat mir das Oktober-Rätsel ganz schön zugesetzt. Sie wissen ja, ich bin kein Schriftsteller, sondern Jürgen Willer, Küchenmeister im Gasthof Krone in Illertissen. Von großer Beteiligung am letzten Rätsel hat Dieter Gaissmayer geschwärmt. Und dass es schwerer als sonst gewesen sei. Wer diesmal gewinnt, lockte Dieter Gaissmayer, der hätte sich wieder ein schönes Menü verdient, das ich als Sonderpreis ausloben könne.

Da soll ein Koch nicht schwach werden! Also gut, neues Rätsel, neues Glück, neues Menü und neuer Sonderpreis. Ach was: Zwei Sonderpreise!

Wenn ich kein Koch wäre, würde mir zu diesem Rätselkraut zuerst der typische Geruch in Omas Kleiderschrank einfallen. Sie verwendete reichlich davon, und so ging ihr keine Motte an… nein, sagen wir es anders: So flogen die Motten im weiten Bogen um die Wäsche herum. Dabei riecht das Kraut überhaupt nicht schlecht, vor allem in freier Natur, wo unter südlicher Sonne ganze Felder damit bewachsen sind.

Wenn ich kein Koch wäre, würde ich vielleicht auf die Idee kommen, mir ein Duftkissen anzufertigen. Das würde ich mit dem Rätselkraut füllen, aber auch Thymian und Oregano hinzugeben. Beim sanften Einschlummern brächte mich der Duft vielleicht sogar auf die Idee, mit unserem Rätselkraut in der Küche etwas anzufangen.

In Wirklichkeit mache ich das natürlich längst. Stellen Sie sich zur Einstimmung einfach mal vor, Sie hätten ein Glas Rätselkraut-Honig aus Forcalquier mitgebracht. Jetzt bestreichen Sie damit beim Braten Entenbrüstchen oder Wachteln. Läuft Ihnen beim Gedanken daran nicht schon das Wasser im Mund zusammen?

Das Kraut selbst: Etwas harzig bestimmt, gleichzeitig aber – verflixt, wie soll ich sein Aroma beschreiben? Samtseidig vielleicht. Oder süßwürzig. Man muss es einfach ausprobieren, gerade in dieser Jahreszeit, als wehmütige Erinnerung an den Sommer sozusagen. Zu Wildgerichten passt es sehr gut, auch zu Wildgeflügel. Und kosten Sie einmal Lamm oder Leber mit einer Soße aus unserem Rätselkraut. Die Stängel und Blätter können Sie gleich mitbraten, die Blüten eignen sich mehr zum Aromatisieren.

Ein Dessert vielleicht? Denken Sie einmal über eine weiße Mousse au Chocolat mit kandierten Blüten des Rätselkrautes nach.

Zum Abschluss einen Likör, natürlich ebenfalls aromatisiert mit unserem Rätselkraut. Dieter Gaissmayer versuchte mir einzureden, nach dem ersten Schluck öffne sich über unserem Illertal der Himmel der Provence. (So reden Gärtner.) Ich selbst sah nach dem ersten Schluck immer noch denselben Himmel, aber der Likör schmeckte mir ausgezeichnet. (So reden Köche.)

Sollten Sie jetzt immer noch nicht wissen, wie des Rätsels Lösung heißt, so könnte Ihnen das Menü mit dem Rätselkraut weiterhelfen, das ich für Sie im November im Gasthof Krone bereithalte:

Als Vorspeise bereite ich Ihnen Wildlachs mit Endivie und Pinienpesto zu. Das Besondere: Der Wildlachs wird grilliert und auf Stroh – Blätter und Blütenstiele – aus unserem Kraut serviert.

Wunderbar zarte Wildentenbrüstchen – sanft gegart in einem gewürzten Fond aus Butter und Portwein – bilden den Hauptgang. Glaciert mit Honig aus unserem Rätselkraut erhalten sie ein exquisites Aroma. Dazu gibt es Schwarzwurzeln und Steinpilz-Polentataler. Schwarzwurzeln schmecken sehr fein, wenn sie richtig zubereitet werden: Längs in Späne gehobelt, angebraten in Olivenöl, abgelöscht mit Weißwein, dazu ein Spritzer Apfelessig, Salz, Pfeffer und Muskat aus der Mühle und etwas Trüffelbutter.

Als Dessert reiche ich Creme brulé mit Rätselkrautaroma, Honighalbgefrorenes und Quittenkompott.

Meine Weinempfehlung: Ein guter Barbera aus dem Piemont oder ein kräftiger Spätburgunder aus Baden.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Auflösung der Rätselfrage. Mein Vorschlag: Besuchen Sie mich im Gasthof Krone und lösen Sie das Rätsel bei Tisch. Natürlich sind Sie mir genauso herzlich willkommen, wenn Sie längst Bescheid wissen und das Menü ausprobieren wollen. Ein Glückspilz kann das Menü für zwei Personen sogar gewinnen. Sie müssen nur wissen, wie mein Rätselkraut im November heißt.

Ihr Jürgen Willer

Die Rätselfrage lautet:

Welches duftende Kraut steht im Mittelpunkt von Jürgen Willers Menü?

Die Lösungsantwort: