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Mai-Preisrätsel (2010)

Es gibt Tage, da wünschen wir, wir wären unsere Kunden. Und hätten mehr Zeit, unsere Gärtnerei zu genießen. Im Mai zum Beispiel, denn dann haben wir einfach nicht genug Hände. Natürlich ist es meistens andersherum und unsere Kunden würden liebend gerne mit uns tauschen. Grüß Gott im “Paradies auf der Jungviehweide”!

Max und Tobias, die Lehrlinge, arbeiten mit Gärtnerin Marie im Mutterpflanzenquartier. Sebastian ist heute mit Kommissionieren beschäftigt und kommt immer wieder vorbei. Gut so, denn Tobias hat viele Fragen.

“Sebastian, Du wolltest mir doch noch etwas bei meinem Referat für Freitag helfen.”
“Ja, was brauchst Du denn?”
“Es geht um meine Lieblingsblume, Du weißt schon.”
“Staude?”
“Ja, natürlich Lieblingsstaude, genau. Etwas Geschichte dazu wäre cool.”
“Also, die Blüte wurde z. B. häufig für Entwürfe von Tapetenmustern genutzt.”
“Interessant. Und sonst?”
“Die Pflanze stammt aus China und wurde Anfang des 19. Jahrhunderts nach England eingeführt. Wegen unsachgemäßer Pflege ging sie aber wieder ein – da siehst Du wie wichtig Kulturanleitungen sind! Dann hat sie ein Pflanzensammler im Auftrag der Royal Horticultural Society of London ein paar Jahrzehnte später noch mal nach England geschickt – diesmal scheinbar mit Kulturanleitung, denn die Pflanze gedieh und kam gut an. Soviel erstmal, ich komm nachher wieder vorbei …”

“Sag mal, wieso ist denn diese Herzschmerzblume dein Favorit?”
“Ich kenne sie aus Oma’s Garten und …”
“Eben, ich finde sie nämlich altmodisch.”
“Ich finde, sie ist elegant und außerdem blüht sie immer, wenn ich Geburtstag habe.”
“Oh: Alles Gute!”

“So, Tobias, es folgt Teil II, Kurzfassung:
Dieser Pflanzensammler war Herr Fortune, Vorname schaust Du selber mal nach. Er hatte den Auftrag, neue winterfeste Gartengewächse ausfindig zu machen und zu verschiffen. Damals war das Entdecken neuer Pflanzen ein einträglicher Job, und für die Auftraggeber ging es viel um Prestige. Damals wollte man z. B. blaue Pfingstrosen, gelbe Kamelien, Azaleen, Lilien, Orangen und Pfirsichbäume. Die beiden Ersteren wurden nie gefunden, aber dafür viele andere, z.B. auch Rhododendren. Auch einige unserer Stauden tragen seinen Namen, nämlich die mit Artnamen “fortunei”.
So, ich muss weiter …”

“Ach ja, eine Hosta heißt doch auch so. Ich schreib das alles grad mal auf oder kannst Du dir das merken bis zur Pause, Max?”
“Ich? Nee, ich kann immer nur eine Sache.”
“Denken?”
“Nur wenn ich nicht grabe.”
“Wie haben die eigentlich die Pflanzen hierher gebracht, früher, wisst ihr das?”
“Na, irgendwie mit dem Schiff.”
“Weißt Du mehr, wenn Du mal grad den Spaten weg stellst?”
“Na klar. Manches ging auf dem Weg natürlich kaputt. Später haben sie dann so eine Kiste erfunden, damit ging’s einfacher. Oder sie haben Saatgut verschickt.”
“Nicht schlecht, Max, aber nicht gerade Multi-Tasking. Hopp, weiter.”

“Sebastian? Haben sie meine Pflanze auch in irgendwelchen Kisten aus China geschickt?”
“Wahrscheinlich schon. Als Fortune sich aufmachte, wurde kurz vorher der sogenannte Ward’sche Kasten erfunden, ein transportables Minigewächshaus mit geschlossenem Mikroklima. Damit bekam das Pflanzenjagen eine neue Dimension, weil viel mehr Pflanzen lebend und frisch in Europa ankamen. Der Erfinder war ein Arzt und Naturforscher. Jetzt aber wieder hurtig an die Arbeit!”

“Na, Max, siehst Du, Multi-Tasking ist angesagt! Dieser Ward hatte sogar zwei Berufe gleichzeitig. Und Sebastian kann auch Kommissionieren und Dozieren.”
“Kann ich ja eigentlich auch. War vorhin nur Understatement.”

“Wir halten sie … für die werthvollste Acquisition, welche wir Herrn Fortune zu danken haben,” schreibt Eduard Regel im ersten Band der von ihm begründeten Gartenflora 1852 ….und sagte der Art eine glänzende Karriere voraus.
(>> aus dem Katalog: “Historische Stauden”, Gärtnerei Gaissmayer, 2010)

Welche grazile Halbschatten-Staude ist gesucht (es gibt sie auch in reinem Weiß)?

Die Rätselfrage lautet:

Welche grazile Halbschatten-Staude ist gesucht (es gibt sie auch in reinem Weiß)?

Die Lösungsantwort: