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Mai-Preisrätsel (2006)

Immer noch ist sie tief bewegt von einer rundum gelungenen Geburtstagsfeier und schwelgt in Erinnerungen. Keine Lust, sich auf ein neues Rätsel zu besinnen? Doch! Wie immer rafft sie sich auf, denn sie weiß, dass eine treue Lesergemeinde auf sie wartet. Vielen Dank dafür – und nachträglich alles Gute zum neuen Lebensjahr, liebe

Kräuterfrau Creszenzia Niedernhuber

Grüß Gott, liebe Leser!

Am liebsten würde ich diesmal kein Rätsel schreiben, sondern nur von meiner Geburtstagsfeier erzählen. Das Fest im letzten Jahr war ja eine ziemliche Pleite, aber diesmal, zu meinem 105. Geburtstag, fand ich alles wunderbar!

Vorsorglich hatte ich den großen Saal im Goldenen Hirschen zu Pfaffenbrunn reserviert. Das war gut so, denn er war bis auf den letzten Platz besetzt. Wie schön sie gesungen haben, und welche Eintracht da herrschte! Der Schermbach Poldi hat sich am Ende mit dem Lautenschläger Xaver versöhnt, der ihm einst eine Watschn verpasst hatte.

Und während der rauflustige Heubl Christian mal wieder besoffen mit unserem Bürgermeister Singerl Fredi herumstritt, turtelte die Heubl Schakeline schamlos mit dem verlegenen Pfarrer Matthäus Lothar. Fräulein Pichl Apolonia bot dem narrischen Trübswetter Micki sogar eine Stelle als Bierverkoster in ihrer Brauerei an, und sein sommersprossiger Sohn Kies-Richard trug ein frommes Gedicht von einem berühmten Heimatdichter vor:

Paulus schrieb an die Apatschen:
Ihr sollt nicht nach der Predigt klatschen.
Paulus schrieb den Irokesen:
Euch schreib ich nichts, lernt erst mal lesen.

Da schmunzelte sogar Hochwürden Matthäus Lothar. So schön ist es bei uns in Pfaffenbrunn!

Ganz besonders habe ich mich über den Besuch unseres Ministerpräsidenten gefreut. Grau ist ER geworden, unser Strauß Franz Josef, dafür aber viel schlanker als früher. ER überreichte mir einen wunderbaren Blumenstrauß und endlich auch die Verdienstmedaille. Dann hat ER ein Ständchen gesungen: "Schwarz-braun ist die Haselnuss" – fast so schön wie der preußische Heini mit der Sonnenbrille. Stellen Sie sich das mal vor!

Dann die vielen Glückwunschbriefe! Viele meiner treuen Leser haben mir geschrieben. Gewundert habe ich mich über die zahlreichen Briefe von einem Verein, der sich wohl für den Vogelschutz einsetzt, denn die hatten alle einen Adler auf dem Briefpapier. Ein gewisser Köhler Horst hat geschrieben (der ist da wohl Vorsitzender), auch ein Ministrant mit Namen Müntefering Franz. Der schrieb mir: "Sie sind der lebende Beweis, dass es möglich ist, das Renteneintrittsalter auf 85 Jahre anzuheben." Worüber diese Vogelschützer so alles nachdenken…

Schade, ich hätte noch so viel zu berichten, aber Sie wollen ja unbedingt ein neues Rätsel lösen. Da habe ich etwas für Sie. Weil den Paffenbrunnern meine Geburtstagsfeier so gut gefallen hat, wollen sich alle am 1. Mai wieder im Goldenen Hirschen treffen, um die neue Eintracht zu feiern. Fräulein Pichl Apolonia will sogar ein Fass Bier stiften. Da möchte ich als Kräuterfrau natürlich nicht nachstehen. Ich werde also für alle eine Bowle zubereiten. Schließlich sollen meine Pfaffenbrunner auch mal etwas anderes zu trinken bekommen als dieses ewige Hopfengebräu.

Das Kraut, das ich für die Bowle verwende, sollen Sie diesmal erraten. In den Wäldern von Pfaffenbrunn findet man große Mengen davon. Natürlich habe ich das Kraut mit dem Honigduft auch in meinem Garten, denn in meinem Alter wird es immer beschwerlicher, zum Kräutersammeln durch den Wald zu kraxeln.

In den Aufzeichnungen meine Urahnin Eulalie von Bärenclau habe ich gelesen, dass sie das duftende Kraut gerne zur blutreinigenden Frühjahrskur und bei Bauchkrämpfen verwendet hat. Inzwischen hat das Kraut allerdings einen schlechten Ruf. Es soll bei Überdosierung sogar Krebs erzeugen. Was die Wissenschaft so alles herausfindet…

Ob das stimmt, weiß ich nicht. Ich kann mich allerdings noch gut daran erinnern, wie mein Gustl selig einmal so viel von der süffigen Bowle getrunken hat, dass ihm der Schädel noch drei Tage später brummte. Deshalb bekommt jeder nur ein Gläschen zum Probieren – einmal ist schließlich keinmal, sag ich! Ich lege übrigens jedes Frühjahr große Sträuße aus dem getrockneten Kraut in meinen Wäscheschrank. Dann schläft man in der frischen Bettwäsche so gut wie früher im Heustadl.

Jetzt sollten Sie das Rätsel lösen können, sag ich. Ich verspreche Ihnen: Je angestrengter Sie nachdenken, desto mehr gute Wünsche begleiten Sie.

Gott befohlen!
Ihre Creszenzia Niedernhuber

Die Rätselfrage lautet:

Aus welchem Kraut braut Creszenzia Niedernhuber eine Bowle?

Die Lösungsantwort: