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Mai-Preisrätsel (2005)

Gestern noch voller Vorfreude, heute niedergeschlagen: Kein Besuch des Ministerpräsidenten zum 104. Geburtstag, nicht einmal ein Orden! Wer hätte ihn mehr verdient als unsere älteste freie Mitarbeiterin? Neues von

Kräuterfrau Creszenzia Niedernhuber

Grüß Gott, liebe Leser!

ER ist nicht gekommen. Keine Blumen, nur einen Gruß hat ER geschickt. Kruzitürken, wie vielen Kranken muss ich noch helfen, um vom Ministerpräsidenten einen Verdienstorden zu bekommen? Und wie alt soll ich dann sein? So ein Undankbarer! Soll ER doch in seinem Schloss bleiben, wenn ich 105 werde!

Der Singerl Fredi hat mich getröstet, unser Bürgermeister. „Creszenzia“, so hat er gesprochen, „du brauchst keinen Orden. Die Leute lieben dich auch so. Sogar Luca lässt Dich schön grüßen.“

Ach ja, das kleine Luca, dem Fredi sein Jüngstes. Als er den Namen erwähnte, erinnerte ich mich an zahlreiche Wehwehchen, die Luca vor ein paar Jahren heimsuchten. Da wusste ich, um welches Heilkraut es in meinem neuen Rätsel gehen soll.

Wir Kräuterfrauen verraten unseren Patienten nicht gern, mit welchen Mitteln wir sie kurieren. So kann es vorkommen, dass wir für verschiedene Leiden nur ein einziges Kraut verwenden. Natürlich muss es sich dann um ein Heilkraut handeln, das so viele segensreiche Wirkungen hat wie unser Rätselkraut. Deshalb habe ich auch in diesem Jahr wieder reichlich von dem Kraut ausgesät. Die Samentütchen gibt’s übrigens beim Gaissmayer Dieter.

Schauen wir uns das Kind Luca an: Einmal litt es hundserbärmlich unter Bauchkrämpfen, bis ich ihm einen Tee aus den Blüten mit den hohlen Köpfchen aufbrühte. Ein anderes Mal war es ein hartnäckiger Schnupfen, der nach mehreren Inhalationen aufgab. Dazu hatte ich das Kraut mit heißem Wasser überbrüht und Luca mit einem Tuch über dem Kopf tief den heilsamen Dampf einatmen lassen.

Es gibt kaum ein Heilkraut, das ähnlich bekannt ist wie unser Rätselkraut. Die kosmetische Industrie wirbt damit, und die Deckel mancher Cremedose schmückt eine Blüte des Krautes. Da haben wir Kräuterfrauen einen schweren Stand, doch ich sage Ihnen, selbst gemacht ist selbst gemacht. Da weiß ich wenigstens, dass alles echt ist.

Verweilen wir noch einen Augenblick bei der Frau Bürgermeister. Singerl Resi, welche Lucas Mutter ist, litt während der Wahlkämpfe ihres Mannes oft unter Schlaflosigkeit, weiß der Himmel warum. Ich riet der Resi, vor dem Schlafengehen ein Bad zu nehmen, mit den Blüten des Rätselkrautes versteht sich. Anschließend durfte sich Resi nicht abtrocknen, sondern nass in ein Handtuch hüllen und sofort zu Bett gehen. So wusste es schon der berühmte Pfarrer Kneipp.

Soll ich Ihnen, lieber Leser, noch verraten, dass nach solchen Bädern das Kind Luca regelmäßig zu spät zur Schule kam? Nun, Sie werden es sich denken können, warum.

Jetzt schreibe ich noch einen Verdacht aufs Papier, aber erzählen Sie es bitte nicht weiter: Bevor seine Haare grau wurden, schimmerte das Haupt unseres Ministerpräsidenten seidig blond. Wie schaffte ER das bloß? Ich habe da so eine Vermutung…

Sie wissen schon längst, um welche Kraut es diesmal geht? Ein ziemlich leichtes Rätsel habe ich für Sie aufgeschrieben, weil ich mich dadurch bei den vielen Menschen bedanken möchte, die mit elektrischen Briefen den Gaissmayer Dieter gebeten haben, mir Glückwünsche zum Geburtstag auszurichten.

Und so begleiten Sie, liebe Leser, diesmal Dankbarkeit und viele gute Wünsche, wenn Sie das Rätsel lösen.

Gott befohlen!
Ihre Creszenzia Niedernhuber

P.S. Erst gestern dachte ich zum ersten Mal: Könnte ich bloß auch solche elektrischen Briefe schreiben – was würde ich IHM damit auf die Schnelle ins Stammbuch schreiben!

Die Rätselfrage lautet:

Wie heißt das vielseitige Heilkraut?

Die Lösungsantwort: