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Mai-Preisrätsel (2004)

Von Aufschneidern, Sandalenfilmen und einem Koch, der Gutes im Schilde führt – das neue Rätsel unseres bewährten Gastwirtes und Gastautors:

Küchenmeister Jürgen Willer
aus dem „Gasthof Krone“ in Illertissen

Bisweilen entwickelt unser Stammgast, der Medico, ein Lukull erster Güte, eine Neigung zu hemmungslosen Aufschneidereien. In direkter Linie sei er mit dem Genueser Columbus verwandt, wollte er uns neulich weismachen. Außerdem gehöre Mama Piccanta, die Erfinderin der Pizza aus dem September-Rätsel 2003, zu seinen Vorfahren. Nicht zu vergessen sein berühmter Urururahn Manius, der, sandalenbekleidet, das heutige Rätselkraut nördlich der Alpen heimisch gemacht haben soll.

Schildbürgergerede, erwidert der Staudengärtner. Doch der Medico lässt nicht locker: Zu Manius’ Ehren solle ich mein Mai-Menü mit dem Rätselkraut bestreiten. Obwohl… vielleicht ist das ja gar keine schlechte Idee. Sandalenfilme sind ja immer schon gefragt. Bewaffnet mit Schwert und Schild will uns aktuell sogar Brad Pitt die Antike schmackhaft machen. Wen wundert’s, dass es da auch den einen oder die andere gibt, die sich für die antiken Ernährungsgewohnheiten interessieren?

Das Rätselkraut spielte in der antiken Küche offenbar eine große Rolle. Es sind Rezepte überliefert, die auf seine reichliche Verwendung schließen lassen. Bei Tisch kam es sowohl roh als auch gekocht zum Einsatz. Nach einem üppigen Schlemmermahl wirkt es klärend und erfrischend auf den Magen.

Der Medico kommt aus Florenz, seine Verwandtschaft wohnt verstreut von der Emilia Romana bis zur Poebene. Alle kennen und lieben das Rätselkraut, das dort in den zeitweilig trockenen Bach- und Flussbetten wild wächst.

Auch rund um die „Krone“ gedeiht das Kraut, eben weil es sich so hervorragend für Kisten, Kästen und Kübel eignet. Schatten, Sonne – egal, das Kraut ist anpassungsfähig. Dabei bildet es weit überhängende Polster, die von April bis Oktober zur Ernte förmlich einladen.

Das bringt mich auf eine Idee: Vielleicht sollte ich mich des Werbespruches einer westfälischen Brauerei und des Hotel- und Gaststättenverbandes bedienen: Wir führen Gutes im Schilde. Und dem Medico seinen Wunsch erfüllen? Wir führen Gutes im Schilde – das soll also das Motto für das Rätselkraut-Menü des Monats Mai sein, das ich Ihnen gerne in der Krone zubereite:

Vorspeise: Wildkräutersalat mit pochiertem Ei und einer Salatsauce bestehend aus Schafsjoghurt und dem Rätselkraut.

Hauptgericht: Risotto vom Rätselkraut mit grünem Spargel. Dazu gibt es irischen Wildlachs

Dessert: Ein Limonen-Rätselkrautsorbet wird begleitet von einem aufgeschäumten Erdbeersüppchen.

Meine Weinempfehlung: Dazu passen zwei weiße Weine – natürlich aus Italien: Ein prickelnder Fermentiono und ein Trebbiano.

Nun, zeichnet sich die Lösung des Rätsels schon ab? Zugegeben, leicht zugänglich ist unser Kraut schon, aber hierzulande als Küchenkraut weniger gebräuchlich. Wenn Sie sich nicht sicher sind, lesen Sie meine Beschreibung einfach noch einmal in aller Ruhe. Da fehlt es nicht an Hinweisen.

Wie immer wünscht Ihnen viel Erfolg

Ihr Jürgen Willer

Die Rätselfrage lautet:

Welche Pflanze soll Manius nördlich der Alpen heimisch gemacht haben?

Die Lösungsantwort: