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März-Preisrätsel (2008)

Na, da ist sie aber an die falsche Adresse geraten, die Hulda von und zum Winkel! Mit den Mitteln der Magie soll eine versierte Kräuterfrau der hochnäsigen Hoferbin zu Wohl- und Ehestand verhelfen. „Nix da!“ bescheidet

Kräuterfrau Creszenzia Niedernhuber

Habe ich Ihnen eigentlich schon von der Winkelmayer Hulda erzählt? Komisch, dass ich gerade heute an sie denke. Überhaupt frage ich mich mitunter, aus welchem Anlass ich dies oder jenes berichte, aber seien Sie bitte nachsichtig, denn in meinem Alter wird die Kette der Gedanken manchmal etwas unübersichtlich.

Die Geschichte von der Winkelmayer Hulda geht so: Da gab es ein stattliches Anwesen nahe Pfaffenbrunn, das die Familie Winkelmayer seit Generationen bewirtschaftete. Die Winkelmayers waren wohlhabend, aber nicht sonderlich beliebt. Es eilte ihnen der Ruf voraus, raffgierig und hochfahrend zu sein. Das traf vor allem auf die älteste Tochter und Hoferbin zu, die Hulda, weshalb sie in Pfaffenbrunn spöttisch die Hulda vom und zum Winkel genannt wurde.

Hulda von und zum Winkel war noch unverheiratet, was ihrem Wesen wie auch der Abgeschlagenheit ihres Hofes zugeschrieben wurde. In Pfaffenbrunn wurde immer wieder gemunkelt, sie hätte einen Blick auf den pfiffigen Lichtersteiner Alois geworfen, doch der wollte sich nicht festlegen und machte auch anderen begüterten Hoferbinnen Avancen. So ging ein ums andere Jahr ins Land. Eines Tages jedoch klopfte Hulda an meine Tür und bat um Einlass. Nun, so hub sie an, dulde der Eintritt in den Ehestand keinen Aufschub mehr, und sie setze in dieser Angelegenheit ihr Vertrauen in meine magischen Fähigkeiten.

Herrschaftszeiten! Bin ich eine Zauberin, eine Hexe gar? Da hatte die Hulda meine Bestimmung doch arg verkannt. Gleichwohl blieb ich geduldig und fragte, welche Art von Vermittlungshilfe sie sich denn vorstelle? Die Antwort überraschte mich: Ich solle ihr eine Wurzel beschaffen, von der sie Wunderdinge gehört hätte. Sie heiße Heckemännchen oder so ähnlich und verschaffe ihrem Besitzer nie versiegenden Wohlstand. „Gerade die hat es nötig“, dachte ich in einer Aufwallung von Zorn. Dann fuhr Hulda fort, die Wurzel könne ja noch viel mehr: Sie halte Unglück fern und verhelfe Liebesleuten zu überwältigenden Genüssen.

Da ahnte ich, was Hulda plante: Sie wollte mit Hilfe eines Zaubermittels erfolgreich den Lichtersteiner Alois umgarnen und unauflöslich an sich binden. Worum es sich bei diesem Mittel handelte, war mir natürlich klar. Ich kannte die sagenumwobene Pflanze aus zahllosen ehrfürchtigen, manchmal raunenden Beschreibungen uralter Heilbücher. Doch weil ich stets mit der Zeit gegangen bin, habe ich auf dieses Mittel so gut wie nie zurückgegriffen. Bei Hulda von und zum Winkel schon gar nicht, denn dieser ging es nicht um Heilung, sondern um finstere Magie. Gewiss, die Wurzel hätte ich beschaffen können, aber mit ihrem starken Giftgehalt wäre sie bei Hulda ganz bestimmt in die falschen Händen geraten.

So musste sie sich unverrichteter Dinge erbost von dannen machen, üble Verwünschungen ausstoßend. Das war mir egal. Nächsten Monat werde ich 107 Jahre alt. Hulda von und zum Winkel hingegen hat längst das Zeitliche gesegnet.

Sie fragen, liebe Leser, ob ein guter Wunsch Ihre Lösungsbemühungen begleiten könnte? Lieber nicht. Wer weiß, was Sie anstellen, wenn Sie die Pflanze erst einmal kennengelernt haben.

Gott befohlen!
Ihre Creszenzia Niedernhuber

Die Rätselfrage lautet:

Wie heißt die die sagenumwobene Pflanze?

Die Lösungsantwort: