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März-Preisrätsel (2006)

Alle Achtung, sie kann es noch! Nach langer, trister Winterpause erreichte uns ein neues Rätsel der wahrscheinlich ältesten Kräuterheilkundigen Deutschlands.
Da wollen wir keine Sekunde zögern, ihre wohlmeinenden und erfahrungsgesättigten Ratschläge weiterzugeben. Willkommen daheim,

Kräuterfrau Creszenzia Niedernhuber

Ich bin wieder da! Das hätten Sie wohl nicht geglaubt? Da sehen Sie mal wieder, was eine naturgesunde Lebensweise möglich macht. Fast 105 und immer noch gut beieinander!

Sie zweifeln? Nun, dann hören Sie sich mal an, wie ich den Winter verbracht habe! Eigentlich wollte ich ja meine Lebenserinnerungen aufschreiben. Hab ich aber nicht geschafft. Ich war in Indien! Nein, ich bin nicht verrückt geworden. Schuld war meine Urenkelin, die, Sie wissen schon, die Merle heißt. Von den Indern kann ich noch was lernen, hat sie mir gesagt. Ausgerechnet mir!

Es soll, so sprach Merle, dort eine besondere Heilkunst geben, die einen komischen indischen Namen hat, Altesleda oder so ähnlich. Na gut, habe ich gesagt, dann schauen wir uns diese Inder mal an. Merle war sprachlos, aber ich habe am nächsten Tag beim Wiesmeier Fredl von der Sparkasse Geld geholt und Merle gesagt, sie soll zwei Fahrkarten nach Indien kaufen. Warum nicht? Schließlich war ich mit meinem Gustl selig schon mal in Ingolstadt.

Viel kann ich über Indien leider nicht erzählen, ich muss ja ein Rätsel schreiben. Außerdem haben Sie vielleicht mitbekommen, wie mich Reporter des bayerischen Radios nach meiner Rückkehr befragt haben. Denen habe ich ja schon erzählt, dass mich die Inder zur Chefin einer Klinik für Altesleda machen wollten. Ich wusste nämlich immer alles besser. Merle war das wohl manchmal peinlich, aber muss ich als erfahrene bayerische Kräuterfrau in Indien damisch daherkommen?

Das mit Altesleda können Sie nicht wissen; es geht dabei vor allem um Körpersäfte. Die schwimmen im Menschen hin und her, saugen Schadstoffe auf und sind am Ende so voll von Abfall, dass sie raus müssen. Damit reinigen die Säfte unsere Organe. So ungefähr funktioniert das. Sagen die Inder.

Nun frage ich Sie, liebe Leser, mal unter uns und ganz im Vertrauen: Ist das neu? Alle meine Vorfahren haben das genauso gemacht. Es steht sogar in den Notizen von Eulalie von Bärenclau, und die Kuh-Gertl wusste es auch. Mir selbst sind alle Mittel zur Verbesserung der Körpersäfte selbstverständlich bekannt. Darum haben mich die Inder auch nicht mit dem Kraut überraschen können, um das es heute gehen soll. Geweigert habe ich mich aber, als ich flüssige Butter trinken sollte. Teifi! Da habe ich meinen neuen Hut aufgesetzt und lieber den Elefanten beim Baden zugesehen; die sind schließlich Vegetarier und werden beinahe so alt wie ich.

Aus aktuellem Anlass schreibe ich über die Verwendung dieses Krautes in einer Frühjahrskur. Die mache ich jedes Jahr. Um die Säfte in Schwung zu bringen, damit sie viel Abfall ausschwemmen, wird das Kraut im Frühjahr als Tee getrunken und als Salat gegessen. Es ist ziemlich bitter, doch das sollte die jungen Leser nicht abschrecken. In meinem Alter weiß man sowieso, dass Bitteres zum Leben gehört.

Das Rätselkraut hat eine wohltuende Wirkung auf Galle, Leber, Milz und Nieren. Es entwässert, treibt die Galle und fördert die Verdauung. Überhaupt kommt damit der ganze Stoffwechsel in Bewegung. In manchen Berichten ist auch von einer günstigen Wirkung auf Rheuma die Rede, zum Beispiel im Bericht meines Nachbarn Lautenschläger Xaver.

Nun weiß ich aber nicht, wie gut Sie sich mit Heilwirkungen auskennen. Deshalb erzähle ich Ihnen noch etwas über die Pflanze: Sie hat himmelblaue Blüten, die sich genau nach dem Sonnenstand ausrichten. Manche nennen sie deshalb Blumenuhr. In den schlechten Zeiten, als es noch keine Uhren gab, wusste ich immer, dass es Zeit ist, das Mittagessen für meinen Gustl selig vorzubereiten, wenn die Blüten zuklappten. Da war er eigen, mein Gustl.

Wer ungefähr in meinem Alter ist, erinnert sich bestimmt auch daran, dass die gerösteten Wurzeln der Pflanze früher als Kaffee dienen mussten. Der Name dieses merkwürdigen Kaffees enthält die Lösung, er ist mit dem lateinischen Namen verwandt. Für die, die keine Fremdsprachen können, gibt es auch einen deutschen Namen. Egal, jeder von beiden ist richtig – einen werden Sie schon wissen.

Jetzt sollten Sie das Rätsel lösen können, sage ich. Beim Nachdenken begleiten Sie vorsorglich meine besten Wünsche.

Gott befohlen!
Ihre Creszenzia Niedernhuber

P.S.: Der Gaissmayer Dieter, der die Heilkräfte aus Gottes Garten feilbietet, hat leider die Lösungen in seinem Wohlfühlkräuter-Katalog aufgeschrieben. Merle hat mir alles vorgelesen. So richtig habe ich aber nicht verstanden, was er mit Wohlfühlkräutern meint. Merle hat mir erklärt, dass es da um Wellness geht. Aha! Wenn Sie also diesen Katalog besitzen, ist das Rätsel leider zu einfach. Sage ich!

Die Rätselfrage lautet:

Wie heißt die Pflanze, die ihre Blüten nach dem Sonnenstand ausrichtet?

Die Lösungsantwort: