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März-Preisrätsel (2004)

… diesmal wieder aus der Feder des beliebten Rätselkochs

Küchenmeister Jürgen Willer
aus dem „Gasthof Krone“ in Illertissen

Im Rückblick auf die Rätselkräuter der letzten Monate stelle ich fest, dass wir in der Welt ganz schön weit herumgekommen sind – und das ist gut so. Schließlich ist auch Internationalität ein Merkmal vielseitiger, moderner Küche. In diesem Rätsel geht es um ein Kraut, das sicherlich kein Bestandteil traditioneller deutscher Küche ist, aber auch bei uns immer mehr Freunde findet.

Einschränkend muss ich allerdings feststellen, dass unser Rätselkraut mehr als andere Küchenkräuter geeignet ist, die Gemeinde der Feinschmecker in zwei Lager zu spalten: Die einen lieben es und schwören darauf, die anderen weisen es strikt von sich und schmähen es als „Wanzenkraut“. Nur: Probiert haben sollte man es schon, und zwar in der geeigneten Zubereitungsform. Dann mag man urteilen…

Unser Rätselkraut gehört zum unverzichtbaren Bestandteil der asiatischen Küche. Die „chinesische Petersilie“ ist aber auch im arabischen und nordafrikanischen Raum sowie in Mittelamerika sehr populär. Verwendet werden die Blätter, die Früchte (Samenkörner) mit dem würzig-warmen Aroma, das etwas an Orange erinnert, und in Thailand sogar die Wurzeln.

Dass unser Rätselkraut vor allem in Asien so verbreitet ist, dürfte neben der geschmacklichen Vorliebe an der dort verbreiteten Praxis des Kochens mit dem Wok liegen. Dazu passt das Rätselkraut mit seinem frischen bis leicht erdigen Aroma besonders gut, denn es verbindet sich optimal mit den Säften der pfannengerührten Gerichte. Darüber hinaus vermindert es die Schärfe von Chili ein wenig und rundet den Geschmack der scharfen Würzsaucen und Currypasten ab.

In der arabischen Küche ist unser Rätselkraut Bestandteil des bekannten Couscous, wird aber auch bei der Zubereitung von Lamm und für Salate verwendet. Vor allem bei arabischen Fleischgerichten gibt es außergewöhnliche Zubereitungsvariationen. Aus den Früchten des Rätselkrautes lässt sich zusammen mit Weißbrot eine vorzügliche Kruste für Lammkoteletts bereiten. Die gerösteten Früchte geben Saucen eine ganz besondere Note oder würzen Brot.

Wer eher der vegetarischen Küche anhängt, kann mit dem Rätselkraut Crepes würzen oder sich aus Avocados, grünem Chili, Knoblauch und dem Rätselkraut eine würzige Guacamole zubereiten.

Nun, liebe Leserinnen und Leser, gibt es bei Ihnen noch Zweifel an Ihrer Affinität zu dem Kraut, von dem man im alten China glaubte, es würde unsterblich machen? Haben Sie möglicherweise durch zu reichliche Beigaben schlechte Erfahrungen damit gemacht? Oder sind Sie ganz einfach neugierig, das Kraut einmal in einem richtig guten Essen kennen zu lernen? Wie auch immer – hier habe ich ein Menü zusammengestellt, das ich Ihnen im März in der „Krone“ gern zubereite:

Vorspeise: Aufgeschlagene Kokos-Zitronengrassuppe mit Rätselkraut-Tofuklößchen.

Hauptgericht: Gegrillte Lammkoteletts auf Safrangurkengemüse und Kräuterrätsel-Crepe

Dessert: Rätselkraut-Creme-Brûlée mit Rhabarberkompott und Kiwisorbet.

Meine Weinempfehlung zur Suppe: Bourgogne–Aligoté (trocken, im Duft Birne, Zitrus, getrocknete Banane). Zum Lamm passt ein Neipperger Lemberger (trocken, Duft nach Schwarzer Johannisbeere mit etwas Fruchtsüße) besonders gut.

Unser schwäbischer Landsmann, der ehemalige Bundespräsident Theodor Heuß, hat sich bei seinem ersten Besuch der neu entstandenen Bundeswehr von den Soldaten mit den Worten verabschiedet: „Nun siegt mal schön!“ Den Wunsch nehme ich in friedlicher Abwandlung gern auf und wünsche Ihnen: Nun raten Sie mal schön!

Ihr Jürgen Willer

Die Rätselfrage lautet:

Welches Küchenkraut steht im Mittelpunkt von Jürgen Willers Menü?

Die Lösungsantwort: