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Juni-Preisrätsel (2005)

Diesmal wirkt sie viel entspannter als im letzten Monat. Kein bisschen Niedergeschlagenheit, stattdessen freudige Erinnerungen an segensreiches Wirken. Daran lässt uns unsere älteste freie Mitarbeiterin wieder teilhaben. Neues von der 104-jährigen

Kräuterfrau Creszenzia Niedernhuber

Grüß Gott, liebe Leser!

Nach dem Tod von Hochwürden Bierbichler war unsere Pfarrstelle lange Zeit verwaist. Jetzt haben wir einen neuen Pfarrer, der heißt Matthäus Lothar, und ich weiß nicht, warum die Leute über seinen Namen lachen. Ein ganz Fortschrittlicher soll er ja sein, der Neue, und den Aberglauben in Pfaffenbrunn will er ausrotten, hat er in seiner ersten Predigt angekündigt.

Mich kümmert das überhaupt nicht, ich mache alles so wie immer. Sogar die Sorge um das liebe Vieh, denn darauf verstehe ich mich auch. Damit bin ich auch schon beim Rätselkraut für den Monat Juni.

Schon meine Urahnin Gertrudis von Schlingenstein, genannt Kuh-Gertl, wusste mit diesem Kraut umzugehen. Im Frühsommer legte sie das Kraut zwischen zwei Brotscheiben und verfütterte es an die Rindviecher. Das sollte das Vieh vor Krankheiten und Hexerei schützen. Und wenn sich ein Tier auf den Almwiesen mal eine Verletzung zugezogen hatte, wurde es mit demselben Kraut behandelt.

Die Kuh-Gertl wusste, dass das Kraut einen blutroten Farbstoff frei gibt, wenn man Knospen und Blüten zwischen den Fingern zerreibt oder in Öl einlegt. Dieser Farbstoff galt im Mittelalter als wirksames Mittel gegen Hexen und Teufel. Ein Schmarrn ist das, weil ich weiß, dass viele meiner Ahninnen als Hexen hingerichtet wurden.

Liebe Leser, und jetzt grübeln Sie wahrscheinlich, was gemeint ist. Um Ihnen zu helfen, erzähle ich Ihnen noch etwas vom Pfarrer Matthäus Lothar. Der hat sich letzte Woche nach Einbruch der Dunkelheit in mein Haus geschlichen und herumgebarmt, das Leben in Pfaffenbrunn sei bedrückend langweilig. Er sei niedergeschlagen. Ob ich nicht etwas wüsste, was ihm helfen könnte?

Da wächst ein Kraut am Wegesrand, das inzwischen auch die Schulmedizin entdeckt hat. Ein Aufguss aus Blüten und Sprossen hilft bestimmt auch unserem Herrn Pfarrer. Aber, so sprach ich zu Hochwürden Matthäus, ein paar Wochen braucht es schon, also Geduld bitte! Er hat es versprochen und holt sich bis zum 24. Juni jeden Abend ein wenig von meinem Heilkraut-Sud. Dann, so habe ich ihm aufgetragen, wird er sich einen eigenen Vorrat beschaffen.

Jetzt habe ich Ihnen, liebe Leser, genug erzählt. Wenn Sie alles sorgfältig gelesen haben, finden Sie ganz sicher die Auflösung. Dabei begleiten Sie wiederum meine besten Wünsche.

Gott befohlen!
Ihre Creszenzia Niedernhuber

P.S.: Viele, viele elektrische Briefe mit Glückwünschen zu meinem 104. Geburtstag haben mich über den Gaissmayer Dieter erreicht. Vielen Dank dafür! Stellvertretend für alle will ich einen hier aufschreiben, weil er vielleicht auch anderen älteren Menschen Mut macht, ihre Erfahrungen weiterzugeben:

Liebe Frau Creszenzia Niedernhuber,
etwas verspätet, aber von Herzen: viele gute Wünsche zu Ihrem 104.
Geburtstag: vor allem Gesundheit und den Erhalt Ihrer weithin bekannten geistigen Frische. Aber einer Kräuterfrau Gesundheit wünschen, heißt vielleicht Eulen nach Athen tragen?! Wir wünschen uns jedenfalls noch viele Preisrätsel von Ihnen, die manchmal leicht und immer lehrreich sind! Herzlichen Dank dafür!

Die Rätselfrage lautet:

Welcher Pflanze traut Creszenzia Niedernhuber zu, die Niedergeschlagenheit von Pfarrer Matthäus zu vertreiben?

Die Lösungsantwort: