header

Juli-Preisrätsel (2007)

Wieder steht ein überaus sensibler Pfarrer vor der Tür und ersucht um Linderung seiner Leiden, wieder greift eine uralte Kräuterfrau auf ihr schier unerschöpfliches Heilwissen zurück. Doch was macht der Pfarrer? Nun, wer nicht hören will, muss – genießen! Lesen dazu den neuen Bericht unserer

Kräuterfrau Creszenzia Niedernhuber

Grüß Gott, liebe Leser!

Immer mal wieder gibt es Patienten, die mich schier verzweifeln lassen. Dabei ist weder die Diagnose, die Wahl des geeigneten Heilkrautes oder die Dosierung ein Problem. Es ist die vorgeschriebene Anwendung. Manche Menschen sind eben verstockt oder setzen sich vorwitzig über meine guten Ratschläge hinweg. Manchmal aber nehmen solche Dinge eine überraschende Wendung. So wie unlängst im Fall des Hochwürden Matthäus Lothar, unseres neuen Pfarrers in Pfaffenbrunn.

Vor Jahresfrist habe ich ihm mit Johanniskraut über die schlimmste Eingewöhnungszeit in unserem liebenswürdigen Dorf hinweggeholfen. Damit hatte er nicht nur Zutrauen in meine Künste gefasst, sondern verhalf mir auch noch zu einer Fortbildung. Ich will Ihnen gern erzählen, was sich zutrug:

Letzten Monat stand er unangemeldet in meiner Kurierstube und legte eine Beichte ab. Noch immer plage ihn vor jedem Hochamt ein furchtbares Lampenfieber. Schon am Sonnabend könne er kaum noch etwas essen, und spätestens beim Läuten der Glocken verkrampfe sich sein Magen. Dazu auch noch (an dieser Stelle senkte Pfarrer Matthäus Lothar die Stimme) diese lästigen Darmwinde, derer er kaum noch Herr werden könne.

Als christliche Kräuterfrau musste ich ihm natürlich helfen, und so verordnete ich ihm einen speziellen Tee. Weil er mild und schmackhaft zugleich ist, sollte er ihn regelmäßig zu sich nehmen, von Sonnabend bis Sonntag in besonders hoher Dosierung.

Das Kraut, das manchmal auch Königskraut genannt wird, ist als Teekraut nicht sonderlich bekannt, als Küchenkraut aber jedermann vertraut. Ursprünglich stammt es aus dem Mittelmeerraum, wurde aber schon im 9. Jahrhundert in Klostergärten kultiviert. Als Heilmittel wurde ihm früher eine günstige Wirkung bei Unfruchtbarkeit zugeschrieben, aber das war wohl eher Aberglaube. Selbst meine Urahnin Eulalie von Bärenclau wollte davon nichts wissen, schrieb aber in ihren Aufzeichnungen, dass dieses Kraut das Blut reinige und den Milchfluss stillender Mütter anrege.

Letzteres kam bei Hochwürden Matthäus Lothar eher nicht in Frage, mir kam es auf die beruhigende und krampflösende Wirkung des Krautes an. Hochwürden jedenfalls bedankte sich artig, versprach gewissenhafte Einnahme des Tees und zog mit einem Kräuterbündel von dannen. Zwei Wochen später nahm ich ihn nach dem Hochamt beiseite und fragte, wie es um seine Beschwerden stünde. Matthäus Lothar wurde zuerst verlegen, dann fasste er sich und erklärte, dass er nicht dazu komme, den Tee zuzubereiten. Die Beschwerden seien aber dennoch fast völlig abgeklungen.

Ich war zunächst überrascht und auch ein wenig erbost – bis mir der Pfarrer gestand, er bringe es einfach nicht übers Herz, aus dem wunderbar duftenden Kraut Tee zu bereiten. Kaum stand ein Büschel auf dem Tisch, besorgte sich mein Patient frische Tomaten, irgendeinen merkwürdig italienisch klingenden Käse und genoss das Heilkraut unter Hinzugabe einer ordentlichen Portion Olivenöl.

Indem ich erkannte, dass sich die segensreiche Wirkung des Krautes auch beim frischen Verzehr einstellte, konnte ich ihm keine Vorwürfe mehr machen. So erteilte ich Hochwürden Matthäus Lothar die Absolution. Mir selbst ergeht es ja kaum anders, wenn ich im Sommer vor meinem wunderschön buschigen Königskraut stehe und die Gewissensfrage auf mir lastet: Selber essen oder zur Linderung menschlichen Leids vorhalten? Jetzt weiß ich es besser: Essen, und zwar reichlich!

Nun, liebe Leser, wissen Sie, mit welchem Kraut sich des Pfarrers Leid linderte? Ganz bestimmt wissen Sie es. Oder wollen Sie mir allen Ernstes erzählen, Sie bräuchten dazu auch noch meine guten Wünsche?

Gott befohlen!
Ihre Creszenzia Niedernhuber

Die Rätselfrage lautet:

Welches Kraut kurierte den Pfarrer?

Die Lösungsantwort: