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Juli-Preisrätsel (2005)

Trotz drückender Sommerhitze hat sie es wieder einmal geschafft: Ein neues Rätsel, komplett ausgedacht und zu Papier gebracht. Von einer hellwachen und außergewöhnlich rüstigen 104-Jährigen. Die Aufmerksamkeit der geschätzten Leserschaft gehört einmal mehr

Kräuterfrau Creszenzia Niedernhuber

Grüß Gott, liebe Leser!

Während ich über meinem Juli-Rätsel brüte, stöhnt ganz Pfaffenbrunn unter der Sommerhitze. Schon am frühen Abend strömen die Menschen in Wirtshäuser und Biergärten, allen voran der Heubl Christian, ein wilder Raufer und unbändiger Trinker. „Was ich schaffe, das saufe ich auch“, lautet sein Wahlspruch.

Doch ich kenne ihn schon lange, mir macht er nix vor. Als Kind war er ein magerer, ängstlicher und nervöser Bub. Dazu kamen immer wieder Verdauungsbeschwerden, ja, ja, da passte mal wieder alles zusammen. So wurde der nervöse kleine Christian alle paar Wochen ein Fall für meine Kräuterapotheke. Tee aus einem Heilkraut habe ich zubereitet, und welches es war, sollen Sie herausfinden, liebe Leser.

In ihren geheimen Aufzeichnungen pries meine Urahnin Eulalie von Bärenclau dieses Kraut als Mittel gegen Schwermut. Ob sie das selbst herausgefunden hat, weiß ich natürlich nicht. Auch damals, im 16. Jahrhundert, wurde viel geflunkert. Sie hat mir auch ein Rezept hinterlassen, wie man aus dem Rätselkraut ein einfaches Gericht zubereitet. Das esse ich noch heute in jedem Frühjahr.

Gegen Schwermut jedoch verabreiche ich lieber Johanniskraut, neuerdings auch unserem Pfarrer Matthäus Lothar, wie Sie wissen. Das Rätselkraut des Monats Juli verwende ich, wenn Menschen beruhigt sein wollen. Das kommt in unseren modernen Zeiten ja leider immer häufiger vor. Manchmal kombiniere ich das Rätselkraut mit Baldrian oder Melisse, dann wirkt es noch stärker. So, jetzt wissen Sie schon, welche Kräuter nicht gemeint sein können.

Unser Rätselkraut aber kann noch mehr, beim Heubl Christian regte es mächtig den Appetit an, und wenn’s im Bauch mal zwickte, gab es gleich eine neue Dosis. Christians Mutter, die alle Line nennen, die aber Heubl Schackeline heißt, weil sie eine Zugereiste ist, habe ich ein Schlafkissen nähen lassen und mit getrocknetem Rätselkraut gefüllt. Da gab Christian Ruhe bei Nacht. Heute lärmt er nachts im Wirtshaus.

Zum Schluss will ich noch eine Geschichte für Erwachsene erzählen, die ist zwar etwas peinlich, aber medizinisch geboten, außerdem stammt sie auch aus Eulalies Aufzeichnungen: Früher, als es noch viele lebensfrohe Mönche gab, nutzten sie dieses Kraut im Kampf gegen die satanischen Verlockungen des Fleisches – am liebsten in einem Getränk, das sogar in der Fastenzeit erlaubt war. So war es einfacher, die Gelübde zu erfüllen.

Nun aber hurtig das Internet ausgeschaltet, damit die Kinder dies nicht lesen und Unfug anrichten!

Haben Sie herausgefunden, wie das Rätselkraut heißt? Es wird Ihnen bestimmt gelingen, denn auch diesmal begleiten Sie bei der Auflösung meine besten Wünsche.

Gott befohlen!
Ihre Creszenzia Niedernhuber

P.S.: Auch im Juni sind wieder elektrische Briefe für mich beim Gaissmayer Dieter eingegangen. Einen davon habe ich nicht verstanden. Ob Sie, meine lieben Leser, mir wohl ausnahmsweise einmal mit einer Erklärung beistehen könnten? Ein Herr schrieb: "Grüß Gott, liebe Frau Creszenzia Niedernhuber. Gelassenheit ist das Vorrecht 104 Jahre alter Damen, sich nicht um das zu kümmern, was fortschrittliche neue Hochwürden ankündigen allemal. Zumal dann, wenn diese in direkter Linie fränkische Verwandte haben, die zwar schnell laufen können, aber keinen geraden deutschen Satz herausbringen." Wen meint der Herr denn damit wohl?

Die Rätselfrage lautet:

Welche Heilpflanze half dem Heubl Christian ein starkes Mannsbild zu werden?

Die Lösungsantwort: