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Januar-Preisrätsel (2008)

Das hat ja noch gefehlt: Unsere liebenswürdige und hochbetagte Kräuterfrau muss sich gegen den abwegigen Vorwurf der Kinderfeindlichkeit verwahren! Bereitwillig geben wir ihr Raum für die unerlässliche Richtigstellung einer üblen Nachrede:

Kräuterfrau Creszenzia Niedernhuber

Da wurde mir unlängst doch tatsächlich der Vorwurf hintertragen, ich könne Kinder nicht leiden. Was für ein Unfug! Nur weil ich immer mal wieder ein paar Racker, die auf gewisse Erfahrungen aus sind, mit Hilfe des Besens aus meinem Heilkräutergarten vertreibe? Oder weil ich vor vielen Jahren dem Tuchscherer Maik eine Maulschelle verpasst habe, nachdem er mein Gartentor mit Baldrian bestrichen hatte und danach alle Pfaffenbrunner Katzen vor meinem Fenster verrückt spielten? Auch den Fall des Krakeelers Kies-Richard aus der verrückten Familie Trübswetter lasse ich nicht gelten, denn immerhin war ich ja guten Willens, ihn mit scharfem Meerrettich von seinem Sommersprossenbefall zu erlösen.

Nein, kinderfeindlich bin ich weiß Gott nicht. Lang, sehr lang sogar ist die Liste der Wohltaten, die ich jungen Menschen angedeihen ließ. Kaum eine Mutter aus unserem liebenswürdigen Dorf hat nicht besorgt in meiner Kurierstube gesessen und staunend erlebt, wie rasch ich den Zustand ihrer anfälligen Prinzessinnen oder verletzten Rangen zum Guten zu wenden wusste. Mit sicherem Blick erkannte ich dabei auch die Faulpelze, die am nächsten Tag wieder die Schulbank drücken durften.

Ich frage Sie, lieber Leser: Muss ich mir im hohen Alter von 106 Jahren noch Ungezogenheiten der kleinen Schreihälse bieten lassen? Sehen Sie. Doch so lange mich der Herrgott wirken lässt, versage ich selbst den schlimmsten Lümmeln nicht meine Hilfe. Wie erst vorletzte Woche, als mir der Mittermayer Jannick mit einem tiefen, stark blutenden Schnitt im linken Daumen seine Aufwartung machte. Er hatte mit seiner schmutzigen Hand in der Werkzeugkiste unseres berühmten Holzschnitzers Riemenschneider Hieronymus herumgefingert. Aber so sind sie nun mal, diese neugierigen Lümmel.

Was braucht in solchen Fällen die heilkundige Kräuterfrau? Sie ahnen es: Eine geübte Hand zum Abwatschen und ein blutstillendes Mittel. Das Mittel habe ich selbstverständlich vorrätig, und wenn Sie das Rätsel lösen, dann können Sie es sich auch beschaffen. Suchen Sie auf feuchten Wiesen nach einer rosettenbildenden Pflanze mit blutroten Bütenköpfchen. Die sind anfangs grünlich. Zur Blutstillung verwende ich allerdings die Wurzel, denn nur die enthält jene Gerbstoffe, mit denen der erwünschte Heileffekt erzielt wird.

Hochgebildete Altsprachler können aus dem lateinischen Namen auf die beschriebene Heilwirkung schließen, einfache Menschen wie ich begnügen sich mit dem deutschen Namen.

Nun aber genug der verräterischen Worte! Als langjährige Leser meiner Rätsel sollten Sie die reichlich ausgestreuten Hinweise zu deuten wissen.

Ob ich Ihnen gute Wünsche zur Seite stellen kann? Gewiss doch. Daran soll es auch diesmal nicht fehlen. Aber nur, wenn Sie mir fest versprechen, Ihre Kinder stets von meinem Anwesen fernzuhalten!

Gott befohlen!
Ihre Creszenzia Niedernhuber

Die Rätselfrage lautet:

Womit ward des Jannicks Blutfluss gestillt?

Die Lösungsantwort: