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Januar-Preisrätsel (2006)

Unsere Rätsel für die Wintermonate werden von Blickfang: Alte Zeiten zur Verfügung gestellt. Sylvia Bauer und Peter Menzel sind seit Jahren regelmäßige Gäste bei den Märkten in Illertissen und bieten dort nicht nur Garten-Antiquitäten, sondern auch hochwertige, traditionelle Gartenwerkzeuge aus England, Holland und Deutschland an.

Heinrich, räum' den Schuppen auf !

Heinrich Faust war Lehrer für Deutsch und Musik und ist nun seit einigen Monaten in Pension. Seine Ambitionen, sich im Haushalt nützlich zu machen, waren aber am entschiedenen Widerstand seiner Gattin Hilde gescheitert. Auf ihr Anregen hin hatte er jedoch damit begonnen, den Geräteschuppen im Garten aufzuräumen. Eingestaubt, geschnitten und geprellt setzt er sein Werk ebenso unverdrossen wie neugierig geworden fort.

Nach der letzten Erfahrung war Heinrich klar geworden, dass er erst einmal frei Bahn brauchte, um weitere schmerzhaft-unliebsame Überraschungen zu vermeiden. Also begann er zunächst den Weg durch den Schuppen vom Gerümpel zu befreien. „Und nun komm du alter Besen, nimm die schlechten Lumpenhüllen, bist schon lange Knecht gewesen, nun erfülle meinen Willen…“

Der Holzhaufen vor dem Schuppen wurde schnell größer. Zwischen dem Holz und der Wanne mit dem Schrott begann Heinrich nun noch eine dritte Sortierkategorie: Dinge, die noch brauchbar oder einfach zu schade für den Abfall waren. Hier sammelten sich ein Spaten ohne Stiel, eine alte Schneiderkanne, Blumentöpfe aller Größen aus Ton und Plastik, diverse Hacken, eine Rolle Blumendraht und vieles mehr. Der Plastikmüll landete in einem leeren Torfsack und für sonstigen Abfall beschloss er die Mülltonne zu holen.

Auf dem Weg zur Garage fiel ihm auf, dass der Morgen schon fortgeschritten war, Zeit für eine „große Pause“. Bei der staubigen Baustelle und der harten körperlichen Arbeit steht mir eigentlich eine Erfrischung zu. „Ganz besonders wollen wir…, dass allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen“, deklamierte er das Reinheitsgebot, als er sich eine Flasche Bier aus dem Keller holte. Mit Stolz auf die bisher erbrachte Leistung stand er nun wieder mitten im Schuppen – „Ein Fläschchen Bier, das gönn' ich mir“, – öffnete die Bügelflasche mit einem lauten Plopp und nahm einen kräftigen Schluck. „Ah“, seufzte er wohlig, als er die Flasche absetzte „mir ist so kannibalisch wohl, als wie fünfhundert Sauen“.

Sein Blick schweifte über die alte Werkbank neben ihm und blieb an einer alten, mit Kordel umwickelten Schachtel hängen. Er stellte die Flasche auf die Arbeitsplatte und öffnete das Überraschungspaket. Drinnen lagen in Holzwolle gebettet ein hübsches Döschen mit winzigen „Metallbecherchen“, eine gefährlich aussehende Papier-Rolle mit knirschendem Inhalt und, was Heinrichs besonderes Interesse erweckte, ein skurriles längliches vierkantiges Holzteil mit eiserner Mechanik daran. Oben war ein gefederter Hebel, den Heinrich zurückbog, um die Funktionsweise des Gerätes zu ergründen, was ihm aber leider nicht vollständig gelang, weswegen der Hebel wieder mit Wucht zurückschnalzte um seine Endposition direkt auf dem Nagelbett von Heinrichs linkem Daumen zu finden. Und weil er sich zum Genuss des Bieres die Handschuhe ausgezogen hatte, hinterließ der Hebel einen besonders schmerzhaften Eindruck. „O du Ausgeburt der Hölle!“ brach es aus ihm heraus.

Er rannte nach draußen, sah die Regentonne und stürzte seine Hand ins kalte Wasser. Als der pochende Schmerz etwas nachgelassen hatte und er sich nach weiteren Schimpftiraden wieder beruhigt hatte, konnte er sich wieder an das Gerät erinnern. Sein Vater hatte sich das Stück damals schicken lassen, um mehr von seinen jungen Obstbäumen und Blumenzwiebeln zu haben. Bei den ersten Versuchen mit dem Gerät durfte Heinrich als Kind in gebührendem Abstand dabei stehen und sein Vater sprach beschwörend mit einem diabolischen Funkeln in den Augen: „Mit einem freundlichen Gruß von Bruder Berthold aus Konstanz“.

Dies kam Heinrich komisch vor, weil er wusste, dass der Bruder seines Vaters weder Berthold hieß, geschweige denn in Konstanz wohnte. Von großem Erfolg waren die Bemühungen seines Vaters jedoch nicht gekrönt. Heinrich hatte das Teil ohnehin nie benutzen dürfen, und so war es schließlich fast unbenutzt in Vergessenheit geraten: Was hat Heinrich da gefunden und vor allem, was ist das Besondere daran?

Viel Spaß bei der Lösung des Rätsels wünschen Ihnen
Sylvia Bauer und Peter Menzel von Blickfang: Alte Zeiten

Die Rätselfrage lautet:

Was hat Heinrichs linken Daumen eingeklemmt?

Die Lösungsantwort: