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Februar-Preisrätsel (2008)

Erinnerungen, Erinnerungen: Wenige Wochen vor ihrem 107. Geburtstag sinniert die älteste Kräuterfrau Deutschlands über ihre erste Begegnung mit einem wunderbaren Naturheilmittel. Wie schade, dass sie diese Schilderung abrupt beendet, weil die Pflicht ruft:

Kräuterfrau Creszenzia Niedernhuber

Von meinem verstorbenen Gatten Gustl habe ich Ihnen ja schon erzählt, diesem Unglückseligen, der im Alter von 98 Jahren vom Baum fiel und sogleich mausetot war. Letztes Jahr habe ich Ihnen auch verraten, dass der Gustl eher phlegmatisch und häuslich war. Doch dies erkannte ich leider erst nach der Verehelichung. Vorher hatte mich der Gustl heftig umworben, sogar mit einer Reise ins Ausland. Unnötig zu sagen, dass wir dabei in getrennten Zimmern geschlafen haben, wie es sich geziemt.

Es war meine erste große Reise, und sie war aus der Sicht einer aufstrebenden Kräuterfrau ein unvergessliches Erlebnis. Viel aufregender als der Besuch in Ingolstadt und meine Winter-Visite in Indien vor zwei Jahren. Denn bei dieser ersten Reise fand ich ein Kraut, zu dem mir meine Ahninnen in ihren Aufzeichnungen nur nebelhafte Andeutungen hinterlassen haben. Ich hingegen stand unversehens vor einem bis zum Horizont reichenden Meer von Heilpflanzen, so dass es mir die Sprache verschlug und ich einer Ohnmacht nahe war.

Zu Gustls Leidwesen habe ich damals große Mengen davon in allerlei Variationen mit nach Hause genommen, die alten Aufzeichnungen zu Rate gezogen und reichlich experimentiert. So fand ich mit freundlicher Hilfe zahlreicher Versuchspersonen nach und nach heraus, wie vielfältig die Einsatzmöglichkeiten sind, sowohl die der getrockneten Blüten als auch die der aus frischen Blüten gewonnenen Essenzen.

Die Nachzucht der Pflanze aus mitgebrachten Stecklingen gelang mir allerdings nicht, dazu war das Klima in unserem bayerischen Pfaffenbrunn wohl zu rau. Erst seit mir der Gaissmayer Dieter ins Haus gefallen ist, weiß ich um Sorten, die mit etwas Sorgfalt bei der Platzierung auch in meinem Kräutergarten überwintern. Das ist mir eine große Hilfe.

Große Erfolge zeigten die Anwendungen bei den Pfaffenbrunner Weibsbildern, die geradezu närrisch auf den Duft waren, Bettzeug mit dem Aroma versahen und staunend feststellten, dass kleine, mit getrockneten Blüten gefüllte Säckchen Insekten aus dem Kleiderschrank vergraulten. Mir hingegen waren die Heilwirkungen wichtiger. Ich erkannte die entspannende Wirkung, aber auch die Vorzüge bei Darmbeschwerden, Verdauungsstörungen, ja sogar als Einschlafhilfe und gegen unreine Haut.

Mein Gott! Wie ich dies gerade aufschreibe, fällt mir der Singerl Ferdi ein, unser Bürgermeister, dessen ausgeprägtem Mundgeruch ich seinerzeit leider nicht beikommen konnte! Warum habe ich es nicht mit einem Aufguss aus den Blüten der Pflanze probiert, um die es heute geht? Ich werde ihm sofort einen Boten schicken. Deshalb kann ich meinen Bericht auch nicht fortsetzen, denn der Singerl Ferdi ist eine Amtsperson, und die hat natürlich Vorrang. Sag ich.

Deshalb geschwind nur noch ein paar sparsame Wünsche beim Herausfinden der Pflanze. Vermutlich brauchen Sie aber nicht einmal diese.

Gott befohlen!
Ihre Creszenzia Niedernhuber

Die Rätselfrage lautet:

Welches Heilkraut entdeckte Creszenzia Niedernhuber auf ihrer ersten großen Reise?

Die Lösungsantwort: