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Dezember-Preisrätsel (2011)

Der November war ungewöhnlich trocken, vielleicht wird dann ja mal der Dezember ungewöhnlich weiß? Wir wagen keine Prognosen. Auf der Jungviehweide weiden friedlich die Tiere, darunter auch der Bulle Bertram. Grüß Gott bei uns.

Wir rangieren, wir räumen Beete frei, so dass im Frühjahr Platz ist für neue Pflanzen. Und wir “restaurieren” auch Kulturen, sie werden im Arbeitsraum zurückgeschnitten, vermooste Stellen werden entfernt und Töpfe mit frischem Substrat aufgefüllt.

Die Lehrlinge Tobias, Max und Praktikantin Lilly haben sich vorgenommen, Gärtnermeister Sebastian mit ausgeklügelten Fragen zu einer Pflanze einmal soweit zu bringen, dass er keine Antwort mehr weiß.

“Ich finde das toll, dass sie so viele Sy-no-nyme hat. Da lerne ich gleich Englisch und Französisch mit.”
“Ja, praktisch, dieser Carolus Clusius erwähnte eine gefüllte Form bereits 1601. Damals wurde sie als ‘Flore pleno’ bezeichnet, auch noch italienisch!”
“Lateinisch. Sag mal, Lilly, seit wann zitierst Du denn aus unserem Katalog der Historischen Pflanzen?”
“Nur so, habe mich gewundert, dass es die Gefüllten schon so lange gibt.”
“Ja, wirklich als Sorte ausgelesen hat sie dann der Pflanzenzüchter da aus Nancy.”
“Lemoine?”
“Victor Lemoine.”
“Irgendwas ist heute verdächtig”, wundert sich Sebastian über das profunde Gespräch.
“Sag doch mal, Meister, wieso die Sortennamen oft ähnlich heißen oder in mehreren Sprachen auf dem Markt sind, wie hier. Ist doch unpraktisch. Dazu noch so ein seltsamer deutscher Name.”
“Züchtungen werden ja meistens auch exportiert. Dazu wurden die Namen häufig übersetzt, denn Apfelblüte etwa können die Engländer sich nicht so gut merken, also wird dann ‘appleblossom’ draus. Die neuen Regeln der Pflanzenbenennung schreiben aber vor, dass die Sortennamen nicht mehr übersetzt werden. Dennoch gibt es nach wie vor Synonyme und auch übersetzte Sortennamen.”

“Wieso heißt sie denn nicht einfach palustre? Den Artnamen kann ich mir nicht merken!”
“Tja, man hat sie eben nach einer anderen Eigenschaft benannt, die sie auch hat. Linné wusste zum Beispiel, dass die Pflanze würzig und scharf schmeckt und das getrocknete Kraut zum Niesen anregt. Wahrscheinlich war dieses Pulver auch häufig Bestandteil von Schnupftabak, genauso wie Helleborus foetidus. Das griechische Wort für Niesen ist eben etwas fremd. Sprich’s noch dreimal, dann kannst Du’s doch bestimmt.”
“Pt…, pt…, pt…”

“Du kannst die jungen Blätter (der Art) auch im Frühjahr im Salat essen.”
“Ach, diese Tipps sind glaub ich eher was für Sandra und Lilly.”
“Und die Wurzeln sollen gegen Zahnweh helfen.”
“Ich bräuchte eher was für meine Schulter, das ist meine Schwachstelle.”
“Ach ja, wie bei Siegfried?”
“Ja, genau, mit dem hab ich überhaupt einiges gemeinsam.”
“Hoho!!”
“Hast Du auch im Drachenblut gebadet?”
“Da gab´s doch noch so einen Helden, der hatte seine Schwachstelle an der Ferse.”
“Ja, das war bei den Griechen glaub ich. Den hatte seine Mutter im Unterweltfluß gebadet, was ihn unverwundbar machte, bis eben auf die Stelle wo sie ihn festhielt, an der Ferse.”
“Dort ist er dann auch verwundet worden.”
“Ihn hat aber kein Kraut mehr retten können, obwohl er selber heilkundig war.”

“Ach Sebastian, eins hab ich noch nicht verstanden mit den botanischen Autorenkürzeln. Vorhin hattest Du von Linné gesprochen, der unserer Kultur hier diesen blöden Artnamen gab. Vorher hat sie aber doch auch schon dieser Clusius beschrieben. Wieso hat dann diese Pflanze nicht als Autorenkürzel CLUS. im Namen, sondern wieder das L. für Carl von Linné?”
“Das weiß ich jetzt nicht, müsste ich mal nachschauen.”

“Ha, geschafft!”
“Was geschafft? Hier stehen noch 7 Kisten!”
“Geschafft, dass Du auch mal was nicht weißt.”

Und wissen Sie’s? Die Art ist heimisch. Die gesuchte Sorte blüht “ununterbrochen, ja ununterbrochen … und ist zur Blumenbinderei sehr gut verwendbar…Die neue Sorte ist in allen Teilen robuster und im Wuchse üppiger…” (Möller 1894, aus dem Katalog Historische Stauden, Staudengärtnerei Gaissmayer 2010) Gesucht ist die Sorte, die zu einem weißen Dezember passt.

Die Rätselfrage lautet:

Wie heißt die gesuchte Pflanze?

Die Lösungsantwort: